Interview mit der Stadt Braunschweig und der Stadt Göttingen

Kommunale Förderprogramme für Stecker-PV erfreuen sich großer Beliebtheit

Aufgrund der hohen Energiepreise interessieren sich aktuell immer mehr Privatleute für die Nutzung von Solarenergie – z.B. mit einer Solaranlage auf dem eigenen Dach. Mieterinnen und Mieter haben hier häufig das Nachsehen – mit sogenannten Steckersolargeräten können jedoch auch Personen in einem Mietverhältnis eigenen erneuerbaren Strom erzeugen und im Haushalt nutzen. Einige niedersächsische Kommunen haben in diesem Zusammenhang Förderprogramme aufgelegt – die sich aktuell einer sehr großen Beliebtheit erfreuen. Wir haben mit den Kommunen gesprochen.

Infolge des Krieges in der Ukraine wird das Thema Energiesicherheit zuletzt wieder intensiver diskutiert – insbesondere im Sinne von Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Neben der Reduktion des eigenen Energieverbrauchs durch verschiedene Energiespar-Maßnahmen wollen immer mehr Menschen auf erneuerbare Energien umsteigen. Denn auch im kleineren Rahmen ist ein Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien ein wesentlicher Schritt zu mehr Unabhängigkeit und Klimaschutz. Personen, die kein Wohneigentum besitzen und so keine Möglichkeit haben, eine größere PV-Anlagen auf dem eigenen Dach zu installieren, können dabei auf Steckersolargeräte setzen und diese z.B. auf dem eigenen Balkon nutzen.

Niedersächsische Kommunen bieten Förderangebote für Stecker-PV 

Wie groß das Interesse dabei aktuell ist, zeigen einige niedersächsische Städte, die ein Förderprogramm zur Anschaffung von Steckersolargeräten aufgelegt haben. So wurden z.B. in der Stadt Göttingen seit Start des Solarförderprogramms im November 2021 64 Anträge für PV-Anlagen und Steckersolargeräte (Größe max. 600VA
Förderhöhe: 360€) eingereicht, was einem Fördervolumen von ca. 94.000€ entspricht. Aktuell ist der Fördertopf ausgeschöpft, eine Warteliste wird jedoch geführt, die bei Bereitstellung neuer Gelder bearbeitet wird. 

In der Stadt Braunschweig wurde im März 2022 ein Förderprogramm verabschiedet, das u.a. die Anschaffung von Steckersolargeräten mit bis zu 400 Euro (für ein Gerät mit einer Leistung bis 600 VA) fördert. Seit Anfang April konnten Einwohnerinnen und Einwohner aus Braunschweig Anträge für Steckersolargeräte stellen und bereits nach wenigen Tagen waren mehr als 220 Anträge bei der Stadt eingegangen – und der Fördertopf aufgebraucht.

 

Die Stadt Braunschweig und die Stadt Göttingen fördern in ihren Programmen auch Steckersolargeräte 

 

Nachgefragt bei der Stadt Braunschweig und der Stadt Göttingen

Dirk Burmeister ist bei der Stadt Braunschweig im Fachbereich Umwelt und Energieberatung tätig und hat das Förderprogramm für regenerative Energien der Stadt Braunschweig mit aufgelegt. Amelie Möller ist Projektmanagerin im Referat für Nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Göttingen.

KEAN: Warum hat sich Ihre Kommune dazu entschieden, Steckersolargeräte für den Balkon zu fördern?

Dirk Burmeister (Stadt Braunschweig): Das Förderprogramm der Stadt Braunschweig für erneuerbare Energien startete 2012 und wird seitdem jährlich vom Rat der Stadt verabschiedet und angepasst. Die Förderung von Steckersolargeräten ist erstmalig im Förderprogramm 2022 vertreten. Gründe waren zum einen, ein Angebot für Mieter und Wohnungseigentümer zu schaffen und zum anderen eine geringinvestive Möglichkeit zum Einstieg in die eigene Sonnenstromerzeugung zu fördern.

Amelie Möller (Stadt Göttingen): Wir haben uns gefragt, wie Mieter*innen sich aktiv an der Energiewende beteiligen können. Dabei ist der Entschluss gefasst worden, Balkonkraftwerke in das Solarförderprogramm der Stadt Göttingen zu integrieren. Wir wollen damit möglichst viele Göttinger*innen erreichen und besonders Mieter*innen haben meistens nicht die Gelegenheit, sich einzubringen und ihren eigenen Strom nachhaltig zu erzeugen. Balkonkraftwerke sind da ein sehr guter Weg, sodass sich jede*r direkt am kommunalen Klimaschutz beteiligen kann.

KEAN: Welchen Effekt erwünschen Sie sich von der Förderung?

Möller (Göttingen): Von der Förderung für Balkonkraftwerke wünschen wir uns, dass Bürger*innen für alternative Formen der erneuerbaren Energieerzeugung sensibilisiert werden und sich bei der Umsetzung der Energiewende von ihrer Kommune unterstützt fühlen. Sie können auch der Ausgangspunkt sein, um sich mit dem eigenen Stromverbrauch auseinanderzusetzen und Sparmaßnahmen zu ergreifen.
Auch wenn Balkonkraftwerke natürlich nicht die Erträge liefern können, wie es beispielsweise große Dach-PV-Anlagen tun, so bieten sie doch einen Anlass, über das Thema Erneuerbare Energien ins Gespräch zu kommen. Wenn die Förderung dabei noch das Zünglein an der Waage sein kann, um Entscheidungen hin zu einer PV-Anlage positiv zu beeinflussen, um so besser.

Burmeister (Braunschweig): Im Gegensatz zur „großen Photovoltaikanlage" ist der Bekanntheitsgrad von Steckersolargeräten noch gering. Mit dem Förderprogramm werden in Braunschweig nun ca. 220 Anlagen realisiert. Die Installation von Mini-PV-Anlagen als kleiner Beitrag zur Energiewende soll einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden und möglichst viele Pioniere und Nachahmer finden.

KEAN: Würden Sie anderen Kommunen empfehlen, ebenfalls eine Förderung aufzulegen? Was gibt es dabei zu bedenken?

Möller (Göttingen): Ja, eine solche Förderung ist sehr zu empfehlen. Auch wenn der Fördertopf vielleicht zunächst nicht besonders groß ist, so sendet ein Solarförderprogramm doch ein wichtiges Signal. Die Förderung verdeutlicht, dass PV-Anlagen auf Privatdächern- und -balkonen zum Erreichen der kommunalen Klimaziele benötigt werden und dass die Kommune dabei bereit ist, den Bürger*innen finanziell unter die Arme zu greifen. Bei hoher Nachfrage könnte man die Förderung auf Haushalte mit geringem Einkommen beschränken. Denn gerade für sie ist die Investition in eine Solaranlage ein Gegenmittel gegen steigende Strompreise.

Bei der Entwicklung des Förderprogramms ist es wichtig, alle betroffenen verwaltungsinternen und kommunalen Akteure wie etwa Energieagenturen und Netzbetreiber von Anfang an mit einzubeziehen, um so ein möglichst benutzerfreundliches, aber auch rechtlich abgesichertes Förderprogramm auf die Beine zu stellen.

Burmeister (Braunschweig): Ein kommunales Förderprogramm für energieoptimierte Gebäude und den Einsatz von erneuerbaren Energien möchte auch ich unbedingt weiterempfehlen. Die aktive Bewerbung eines Förderprogramms ist eine fantastische Möglichkeit, über Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor zu informieren und diese zu steigern. Die Frage, ob etliche Maßnahmen nicht auch ohne zusätzliche kommunale Förderung realisiert werden, ist dabei aus meiner Sicht nicht zielführend oder bedeutend. Ein Förderprogramm kann als Energiewendebeschleuniger wirken, selbst wenn es sich um einen kleinen Fördertopf handelt, oder kein Fördergeld mehr vorhanden ist.

KEAN: Vielen Dank!


Neben der Stadt Braunschweig und der Stadt Göttingen haben auch weitere niedersächsische Kommunen entsprechende Förderangebote für Steckersolargeräte aufgelegt. Dazu gehören z.B. die Stadt Oldenburg (max. 600VA Förderhöhe: 300€) oder die Hansestadt Lüneburg (max. 600VA Förderhöhe: 300€).

Wenn auch Ihre Kommune ein Förderangebot für Steckersolargeräte plant oder bereits aufgelegt hat, melden Sie sich gerne bei uns (kontaktieren Sie hierzu Julian Wehr, Kontakt siehe unten), Wir unterstützen gerne bei der Umsetzung und stellen Ihre Angebote vor! 

 

Weitere Informationen zum Thema Stecker-PV

Faktenpapier „Steckersolar – eigener Strom vom Balkon"

Video-Vortrag zum Thema: „Energiewende kann jeder – Steckersolargeräte ermöglichen auch Mieterinnen und Mietern die Eigenstromerzeugung"

Mehr zum Thema Photovoltaik für Wohngebäude

Förderprogramm für regenerative Energien der Stadt Braunschweig

Förderung Solar der Stadt Göttingen

Kontakt

Julian Wehr

0511 89 70 39-30
julian.wehr [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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