Hitzeschutz im Sommer

Wärmedämmung hilft auch gegen Überhitzung, oder?

Wenn wir in der Sommerhitze kühle Kirchen aufsuchen, werden wir an den Wänden keine Wärmedämmung finden, die sie kühl halten. Braucht man also keine Wärmedämmung, sondern einfach nur dicke Wände?

Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen: Die dicken Wände von Kirchen bestehen meist aus sehr massiven und schweren Baustoffen wie Naturstein und hart gebrannten Ziegeln. Sie speichern die Wärme so lange wie die Umgebungstemperatur höher ist als die Wandtemperatur. Je massiver sie sind, desto mehr Wärmeenergie können sie speichern und desto mehr Zeit braucht es, bis sie die Umgebungstemperatur erreicht haben.  In vielen Fällen wird es dazu gar nicht kommen, weil vorher die kühle Nacht die Mauer wieder abkühlt. Sind solch massereiche Wände jedoch einmal aufgeheizt, dauert es lange, bis sie all die gespeicherte Wärme wieder abgegeben haben. So puffern diese Wände die Hitze tagsüber effektiv ab.

Im Winter zeigt sich der Nachteil. Wenn an Weihnachten viele Menschen in die Kirche strömen, bleibt es oft kühl. Die Luft lässt sich zwar kurzfristig erwärmen, die schweren Mauern hingegen kaum – dafür bräuchte es viel Energie und Zeit.

Nun wohnen wir nicht in Kirchen, wohl aber in massiv oder leicht gebauten Häusern. Massive, also mit Steinen und Beton gebaute Häuser sind schwer und haben ähnliche Eigenschaften hinsichtlich der Wärmespeicherung. In der Sommerhitze heizen sie sich innen nicht so schnell auf, weil sie mehr Wärmeenergie speichern können und es Zeit braucht, sie aufzuheizen. Leichte, also meist mit Holzwänden gebaute Gebäude, heizen sich schneller auf, weil ihre Außenwände nicht so viel Masse haben, um so viel Wärmeenergie zu speichern. Aber sie haben zwischen der innen- und der außenliegenden Bauplatte generell eine gute Wärmedämmung eingebaut. Die hält die Wärme drinnen, was sie im Winter ja auch soll, aber bei Sommerhitze…?

Außenwanddämmung

Was genau macht also die Wärmedämmung am Haus? Und wie kommt die Wärme überhaupt ins Haus?

Wärme kann auf vier unterschiedlichen Wegen ins Haus gelangen:

  1. Über Lüftung, wenn es draußen wärmer ist als drinnen
  2. Über die Verglasung von Fenstern, wo die Strahlungsenergie der Sonnenstrahlen in Wärmeenergie umgewandelt wird
  3. Über die Heizung
  4. Über den Wärmedurchgang durch die Bauteile der Gebäudehülle, wie Außenwände, Dachflächen etc., wenn es draußen wärmer ist als drinnen.

Wärmedämmung wirkt genau an diesem vierten Punkt. Sie verlangsamt die Geschwindigkeit, mit der die Wärmeenergie durch ein Bauteil hindurchkommen kann und behindert den Wärmedurchgang von Warm nach Kalt, somit im Sommer von draußen nach drinnen und im Winter von drinnen nach draußen.

Ohne Wärmedämmung würden sich Leichtbauten noch schneller aufheizen, auch wenn Fenster und Türen geschlossen blieben, die Fenster mit Rollläden abgedunkelt wären und die Heizung selbstverständlich ausgeschaltet bliebe. Die Wärme käme schnell durch die Außenwand hindurch.

Wärmedämmung auch bei Massivbauten sinnvoll

Auch bei Gebäuden in Massivbauweise hilft eine außen liegende Wärmedämmung in der Sommerhitze dagegen, dass sich die massiven Außenwände aufheizen und die Wärme nach innen lange abgeben können. Denn durch die Dämmung wird die Wärmeenergie von den Steinwänden abgeschirmt, so dass sie erst gar nicht so viel Wärme von außen speichern können. Im Winter hilft sie dagegen, dass in den Steinwänden gespeicherte Wärme nach außen abgegeben wird.

Fazit: Dämmung wirkt in beide Richtungen

Wärmedämmung verhindert also nicht nur, dass die Wärme im Winter aus dem Haus entweicht und das Haus auskühlt. Sie verhindert im Sommer auch, dass sie ins Haus kommt und es schnell aufheizt.

Doch sie ist nur ein Teil eines wirksamen Hitzeschutzes. Wichtig sind alle folgenden Maßnahmen:

  1. Nur Stoß- oder Querlüftung, um die verbrauchte Luft schnell auszutauschen. Und das möglichst nur, wenn es draußen kühl ist.
  2. Fenster und Glasflächen an der Außenseite vor Sonneneinstrahlung schützen. (Rollläden, Markisen, geschickte Bepflanzung, die zum Winter ihr Blattwerk abwirft)
  3. Selbstverständlich im Sommer die Heizung ausschalten.
  4. Und: Das Gebäude dämmen! (Nur bei Kirchen wollen wir gern darauf verzichten)

 

 

Kontakt

Gerhard Krenz

0151 526 324 80
gerhard.krenz [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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