Zu neuer Blüte: 750 kW-Solarfeld im Gewerbegebiet Dassel

© Windwärts / Roland Geisheimer, attenzione

28.08.2019: Der Zubau an Solarstrom in Niedersachsen steigt in den letzten Jahren stark an. Nachdem im Jahr 2017 die neu installierte Leistung mit 120 Megawatt (MW) um 50 Prozent über dem Wert von 2016 lag, wurden im Jahr 2018 insgesamt 208 MW neu installiert – eine Steigerung um weitere 72 Prozent. 

Das Bemerkenswerte daran ist, dass es sich dabei in erster Linie um kleinere Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern sowie auf landwirtschaftlichen Gebäuden und Freiflächen handelt. Denn beim Bau von Megawatt-starken Freiflächenanlagen kommt Niedersachsen bisher nicht zum Zuge.

 

 

Chancen für kleinere Freiflächen-Anlagen in Niedersachsen

Seit 2017 schreibt das Erneuerbare Energien Gesetz vor, dass große PV-Freiflächenanlagen nur nach dem Zuschlag in einer Ausschreibung gebaut werden dürfen. Dabei erhielten bislang die süddeutschen Länder den Zuschlag, da sie aufgrund noch höherer Solarerträge den PV-Strom immer etwas günstiger anbieten können.

Vor diesem Hintergrund bleibt in Niedersachsen nur die Möglichkeit – neben der Photovoltaik auf Dächern ­– Freiflächen-Anlagen bis zu einer Leistung von 750 kW zu bauen. Diese unterliegen nicht der Ausschreibungspflicht, müssen aber dennoch eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, und nur bestimmte Flächen kommen dafür in Frage.

 

Modellprojekt Dassel im Landkreis Northeim

Das Unternehmen Windwärts aus Hannover hat in Dassel im Landkreis Northeim eine solche 750-kW-Anlage gebaut und in diesem Jahr in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von über einem Hektar produzieren PV-Module mit einer Leistung von 750 kW jährlich rund 660 000 Kilowattstunden – das entspricht rechnerisch dem Strombedarf von 200 Haushalten. Den Projektverlauf nennt Stefan Dörner von Windwärts „optimal“. 

Für die Fläche war von der Stadt vor vielen Jahren ein Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet aufgestellt worden, die Nachfrage jedoch gering. Nach dem EEG dürfen Gewerbeflächen auch für Freiflächen-PV-Anlagen genutzt werden, wenn für diese vor 2010 ein Bebauungsplan aufgestellt wurde. So musste in Dassel nur noch mit dem Grundstückseigentümer geklärt werden, ob er die Fläche verpachten möchte und ein Bauantrag war zu stellen. Windwärts führte das Verfahren, baute die Anlage und verkaufte sie als Paket an einen privaten Investor, der über das Portal „Milk the sun“ gefunden wurde. Nach etwa 12 Jahren wird sich die Anlage amortisiert haben.

Der Solarstrom wird mit einer festgelegten Vergütung nach dem EEG über 20 Jahre vollständig ins Netz eingespeist. Gerhard Melching, Bürgermeister der Stadt Dassel, betont: „Die Photovoltaikanlage in Dassel erzeugt dezentral klimafreundliche Energie und speist in das Netz der rekommunalisierten EnergieNetz Mitte GmbH ein.“

 

Geeignete Flächen gesucht

Insgesamt gestaltet sich die Suche nach geeigneten Flächen in Niedersachsen schwierig, da z.B. kein Verzeichnis ungenutzter Gewerbeflächen besteht. Auch für die anderen Optionen, die das EEG (§ 48) auflistet, sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig. So sind für Flächen in einem 110 Meter Streifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen, auf versiegelten Flächen und Konversionsflächen PV-Anlagen erlaubt, bedürfen jedoch zunächst eines Bebauungsplanes und anschließend einer Baugenehmigung. Das Auffinden der Flächen, die Einigung mit den Grundstückseigentümern und die Planungskosten summieren sich. Die Einnahmen durch den Stromverkauf können durch die Begrenzung auf 750 kW nicht beliebig erhöht werden.

Ein Kataster mit verfügbaren Flächen in Niedersachsen würde die Suche sicher erleichtern und dem Zubau von PV-Strom einen neuen Schub geben.

 

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