Energiesprong: Energetische Sanierung mit vorgefertigten Bauteilen

©ecoworks / Heisenberg

Hameln, 29.08.2019: In Hameln wird derzeit ein Block von drei Mehrfamilienhäusern nach dem so genannten Energiesprong-Prinzip saniert. Die Idee stammt aus den Niederlanden und wird nun auch in Deutschland in ersten Prototypen umgesetzt. Zwei Projekte befinden sich davon in Niedersachsen: Eines in Hannover, das zweite nun in Hameln.

Was in der Wohnsiedlung Kuckuck in Hameln geschehen soll, klingt zunächst recht einfach: Die Gebäudehülle der sanierungsbedürftigen Häuser aus den 50er Jahren soll mit weitgehend vorgefertigten Fassaden-, Dächer-und Kellerdämmelementen auf einen echten Niedrigstenergiestandard (Net-Zero-Standard) gebracht werden. Die Gebäude in Hameln stehen seit fünf Jahren leer, sogar der Hausschwamm hatte sich schon darin ausgebreitet. Aber jetzt werden sie kernsaniert.

Klingt einfach, ist es das auch?

Das Energiesprong-Prinzip zeichnet sich durch drei Merkmale aus: massentauglich, seriell und modular. Die Fassaden- und Dachteile werden nach exaktem Aufmaß passgenau hergestellt. Vor Ort werden die Fassadenelemente nur noch montiert. Besonders geeignet sind Gebäude, die zwischen 1950 und 1980 gebaut wurden und eine einfache Gebäudekubatur haben.

„Wir setzen ein Sanierungsprojekt in 4-8 Wochen um, aber die Mieter werden nur wenige Tage beeinträchtigt“, sagt Emanuel Heisenberg von dem Unternehmen ecoworks, welches das Projekt in Hameln betreut. Die Firma will das Energiesprong-Prinzip in Deutschland standardmäßig einsetzen und hat neben Hameln ein zweites Projekt in Köln geplant. Bereits im nächsten Jahr wollen die Gründer 15 Projekte in Deutschland durchführen und darauf aufbauend stark wachsen.

 

Wie geht es im Wohngebiet Kuckuck weiter?

Im November 2019 sollen die Fassadenteile geliefert und montiert werden: jeweils 7 Meter lang, 2,85 Meter hoch und 36 Zentimeter dick. Sie beinhalten neben einem umfassenden Dämmpaket auch die Fenster und dezentrale Lüftungselemente mit Wärmerückgewinnung. Die Projektplaner haben sich bei den Gebäuden in Hameln für Fassadenteile aus Lärchenholz mit Mineralwolle entschieden. Nach Montage der Fassadenelemente folgen die Dachelemente. Eine Aufstockung des Gebäudes oder ein Ausbau des Dachgeschosses wäre auch möglich gewesen, war aber bei diesem Pilotvorhaben noch nicht gewünscht. „ Wir halten die Transmissionswärmeverluste besonders gering und erreichen damit locker den KfW55-Standard. Dazu gehört dann auch noch eine Kellerdeckendämmung von bis zu 20 cm“, so Emanuel Heisenberg zu der letzten Komponente der Gebäudehülle.

Die Gebäude werden auf geringem Wärmeniveau und CO2-frei temperiert. Eine Wärmepumpe mit zwei Wärmespeichern versorgt zentral die drei Gebäude des Wohnblocks im Kuckuck mit Heiz- und Warmwasser. Eine Ultra-Filtrationsanlage für Warmwasser gewährleistet dabei den energieeffizienten Betrieb der Wärmepumpe bei einer maximalen Vorlauftemperatur von 55°C. Mit Hilfe „smarter Technik“ werden Daten über Temperatur und Feuchtigkeit an die Hausverwaltung digital geliefert. Der Hausmeister kann dann bei Problemen auch aus der Ferne steuernd eingreifen.

 

Herausforderungen für die nähere Zukunft

Derzeit sehen die Unternehmer noch zwei Aspekte, denen sie im Rahmen des Projektes besondere Aufmerksamkeit schenken müssen: Fachkräfte und bezahlbare Materialien. „Wir motivieren die Industrie, hohe ökologische Standards zu liefern“, sagt Emanuel Heisenberg und „solange wir nicht über Tausende Gebäude sprechen, sind wir noch teurer als konventionelle Sanierung. Allerdings nach Förderung sind wir deutlich günstiger als andere Verfahren“, ergänzt sein Kollege Michael Vahrenkamp. Wesentlich wird sein, dass das Energiesprong-Prinzip in die Verbreitung geht, die Kosten für die serielle Sanierung sinken und diese Sanierungsform dann auch für Wohnungsunternehmen attraktiv wird.

Denn das Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2050 den Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral zu gestalten. Daher macht die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen immer wieder auf neue, innovative Projekte und Konzepte aufmerksam und verfolgt auch das Energiesprong-Prinzip in Hameln als ein Beispiel der energieeffizienten Sanierung.