Forschungsprojekt bestätigt: Kostengünstiger und zukunftsfähiger Geschosswohnungsbau ist möglich

In der öffentlichen Diskussion um den nötigen zügigen Wohnungsbau gerade in Ballungsgebieten wird immer wieder ein Interessenskonflikt formuliert zwischen möglichst niedrigen Baukosten auf der einen und hohen Ansprüchen an Energieeffizienz auf der anderen Seite. Dass dieser Konflikt nicht in dem Ausmaße existiert belegen einige Bauprojekte aus der Praxis. Im Januar 2019 wurde ein Forschungsprojekt abgeschlossen, das diese Erfahrung erneut deutlich untermauert.

In dem Forschungsprojekt hatten Wohnungsunternehmen und Forscher über drei Jahre erprobt, wie sich aktuelle Neubauvorhaben kostengünstig und gleichzeitig mit hohen Ansprüchen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit umsetzen lassen. Im Rahmen eines Fachkongresses „Kostengünstiger und zukunftsfähiger Geschosswohnungsbau im Quartier“, der am 24.01.2019 in Hannover stattfand, stellten die Projektbeteiligten ihre Ergebnisse und Bauprojekte vor. Die Veranstaltung stieß auf sehr großes Interesse und war bereits kurz nach Bekanntmachung mit fast 170 Teilnehmern ausgebucht.

Schulze-Darup bei der Präsentation der Projektergebnisse, © KEAN

Der Leiter des Forschungsprojektes, Dr. Burkhard Schulze Darup, stellte gleich zu Anfang fest, dass hohe energetische Standards nur einen geringen Anteil an den Kostensteigerungen im Wohnungsbau ausmachten. Das zeigten die Ergebnisse aller untersuchten Bauprojekte. „Schon in der Vergangenheit wurden die Baukosten nur in geringem Ausmaß von der Verschärfung der Energieeinsparungs-Verordnung (EnEV) beeinflusst. Und heute fallen weit mehr die Grundstückspreise und die aktuelle Marktsituation im Baugewerbe ins Gewicht. Weitere Kostentreiber im Geschosswohnungsbau sind die vorgeschriebenen Vergabeverfahren sowie zum Beispiel die Vorgaben für die Bereitstellung von Autostellplätzen“, so Schulze Darup. Hier könnten Kommunen durch entsprechende Regelungen die Kosten senken.


Gute Planung ist wichtig

Erfahrene Planer können kostengünstiges Bauen auch bei hoher Energieeffizienz umsetzen. Die Herausforderung besteht oft darin, diese Planer zu finden.

Im Projekt „Im Wiener“ der ABG Frankfurt Holding ist dies gelungen, und so konnten die Baukosten knapp unter 1.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gehalten werden – und gleichzeitig nahezu ein Passivhausstandard erreicht werden. Dies ist kein Einzelfall: Die ABG Frankfurt Holding baut seit einigen Jahren Mehrfamiliengebäude im Passivhausstandard. „Wenn wir mit unseren Passivhäusern kein Geld verdienen könnten, würden wir sie nicht bauen“, fasst Geschäftsführer Frank Junker die eigenen Erfahrungen zusammen, die auch im Forschungsprojekt eingeflossen sind.


Ist preisgünstig auch wirtschaftlich?

Wenn es um die Wirtschaftlichkeit von Gebäuden geht, spielen für die Wohnungswirtschaft nicht nur die Baukosten eine Rolle, sondern auch die Folgekosten wie Betrieb und etwaige Sanierungen der Gebäude. Die Qualität der Gebäudehülle steht dabei besonders im Fokus. Da spielen die architektonische Gestaltung, die Dauerhaftigkeit der Konstruktionen wie auch die bauphysikalischen Standards eine Rolle – und der möglichst hohe Energiestandard. Denn legt man zugrunde, dass ein Gebäude für eine Lebensdauer von rund sechzig Jahre ausgelegt ist, muss die Hülle so beschaffen sein, dass sie auch bei über die Laufzeit stetig angepasster Gebäudetechnik noch den nötigen Standards entspricht. Denn man geht bei der Gebäudetechnik davon aus, dass sie alle zwanzig Jahre „angefasst“ werden muss.

 

Von der Marktreife zur Marktbreite

Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutierten intensiv die Frage, wie der nachhaltige Wohnungsbau noch weitere Verbreitung finden kann. Denn wenn die Vorteile für energieeffizienten Geschosswohnungsbau auf der Hand liegen, warum wird er dann nicht viel stärker umgesetzt?

Aus der Diskussion ergaben sich unter anderem folgende Handlungsempfehlungen und Forderungen:

- Von den Planern wird mehr Offenheit für das Thema Nachhaltigkeit gewünscht

- Die Verbände der Wohnungswirtschaft sollten sich des Themas mehr annehmen und Unternehmen, die nachhaltig Bauen möchten, stärker unterstützen.

- Investitionen in die Ausbildung des Handwerks für den Umgang mit der Haustechnik von morgen sind nötig (Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, ...)

- Die Anlagentechnik sollte wartungsärmer werden

- Es braucht klare politische Rahmenbedingungen, die eine Planbarkeit für die nächsten Jahrzehnte erlauben

 

Die detaillierten Ergebnisse des Forschungsprojektes (PDF) können Sie hier herunterladen.
Darüber hinaus hatte die KEAN im September 2018 ein
Hintergrundpapier zum Thema „Bezahlbares Wohnen“  (PDF) veröffentlicht, in dem eine Reihe von Aspekten behandelt werden, die Gegenstand des Forschungsprojektes waren.

Diskussionen am Rande der Veranstaltung © KEAN

© KEAN