Oberflächennahe Geothermie – Potenziale in Niedersachsen

In fast ganz Niedersachsen ist die oberflächennahe Geothermie mit Erdwärmesonden nutzbar (blaue Flächen). Auch wenn es in bedingt zulässigen Gebieten (grün) gewisse Einschränkungen gibt, ist die Erdwärmenutzung auch hier in sehr vielen Fällen realisierbar. Nur in wenigen Gebieten (rot) sind Erdwärmesonden unzulässig. © LBEG

15.03.2018: Grund und Boden in ganz Niedersachsen bieten ein nahezu unerschöpfliches Wärmepotenzial, das zur Beheizung von Gebäuden genutzt werden kann.

Erfolgt die Gewinnung der Wärme aus den oberen 400 m der Erdoberfläche, spricht man von oberflächennaher Geothermie. Die Nutzung dieser Erdwärme wird nach Angaben des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in etwa 80 Prozent aller Fälle in Niedersachsen durch Erdwärmesonden realisiert, die üblicherweise  50 bis 150 m tief sind.

Da das unbeeinflusste Erdreich in den ersten 100 m Tiefe eine Temperatur von im Mittel ca. 11 °C aufweist, werden Geothermieanlagen in der Regel in Verbindung mit Wärmepumpen betrieben. Diese heben die Erdwärme auf ein Heiztemperaturniveau von 30 bis ca. 55 °C an. Der Untergrund kann auch als „Kältequelle“ zur Kühlung von Gebäuden oder technischen Prozessen dienen. Bei größeren Anlagen findet man oft die gekoppelte Nutzung, d. h. im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen.

Geothermie - ein wachsender Markt

In Niedersachsen ist der Geothermiemarkt in den letzten Jahren beständig gewachsen. Bis Ende 2017 waren über 13.000 Anlagen zur Nutzung oberflächennaher Geothermie gemeldet. In den letzten Jahren ist bei den Beratungsanfragen an das LBEG eine Verlagerung von kleinen Erdwärmeanlagen im Einfamilienhaus-Maßstab hin zu Großanlagen mit Leistungen über 30 kW zu verzeichnen. Diese versorgen u.a. Bürogebäude, Krankenhäuser und Schulen, Mehrfamilienhäuser und Gewerbebauten.

Obwohl die Technologie landesweit erprobt und ausgereift ist, liegt der Marktanteil von Geothermieanlagen selbst im Wohnungsneubau in Niedersachen mit 4,5 Prozent (Bundesdurchschnitt ca. 7,2 %) noch viel zu niedrig. Beim Spitzenreiter Sachsen werden bereits ca. 16 Prozent der Neubauten mit Geothermie beheizt (Quelle: Statistisches Bundesamt). Dabei sind die Untergrundverhältnisse in Niedersachsen mindestens genauso günstig.

Die Klimaziele verlangen laut einer Studie der Agora Energiewende (2017) bis 2030 zusätzlich 5 bis 6 Millionen Wärmepumpen, von denen etwa 3 Millionen mit Erdwärme versorgt werden müssen. Heute sind in Deutschland, nach Zahlen des Bundesverbandes Wärmepumpe, jedoch nur etwa 365.000 geothermisch versorgte Wärmepumpen in Betrieb.

10. Norddeutsche Geothermietagung

Wie gute umgesetzte Beispiele für Quartiers- und Gebäudeversorgungen auf Basis von oberflächennaher Geothermie aussehen und welche Randbedingungen zu beachten sind, das erfahren Sie auf der HOTSPOT Hannover, der 10. Norddeutschen Geothermietagung am 16. Mai im Geozentrum in Hannover. Der Schwerpunkt in diesem Jahr ist die kommunale Wärmeversorgung.

Näheres finden Sie unter www.norddeutsche-geothermietagung.de 


Weitere Informationen zur Geothermie finden Sie in zwei Interviews in unserer Rubrik Aktuelles/Nachgefragt bei...:

"Oberflächennahe Geothermie bei Neubauten", Dr. Robert Schöner, LBEG

"Oberflächennahe Geothermie im Gebäudebestand", Dipl.-Ing. Markus Sommer

Kontakt

Ihr Ansprechpartner:

Dr. Georg K. Schuchardt

0511 89 70 39 26

georg.schuchardt[at] klimaschutz-niedersachsen.de