Nachlese zur 9. Norddeutschen Geothermietagung am 3. Mai 2017 in Hannover: Thema Fördermöglichkeiten für oberflächennahe Geothermieanlagen

Im Workshop Oberflächennahe Geothermie der 9. Norddeutschen Geothermietagung ging es unter anderem um Fördermöglichkeiten für oberflächennahe Geothermieanlagen. Da der vorgesehene Referent leider verhindert war und so noch einige Fragen offen blieben, stellen wir Ihnen hier die Vortragspräsentation und die Antworten, die Jörg Maßmann vom BAFA uns nachträglich auf die offenen Fragen geben hat, zur Verfügung:

Vortragspräsentation Fördermöglichkeiten für oberflächennahe Geothermieanlagen als PDF


Erläuterungen zu den aufgekommenen Fragen, sortiert nach Folien der Präsentation:

zu Folie 1: Wenn sich die Effizienz in der Praxis als nicht so gut herausstellt wie geplant, muss die Förderung dann zurückgezahlt werden?

Die VDI 4650-1 ist ein statisches Berechnungsverfahren, das relativ einfach zu handhaben ist. Insbesondere das Nutzerverhalten kann der Einfachheit halber nicht berücksichtigt werden. Insofern muss es fast zwangsläufig zu Abweichungen zwischen der vom Fachunternehmer zur Antragstellung berechneten und der im Praxisbetrieb ermittelten Jahresarbeitszahl kommen. Gerade weil für den Praxisbetrieb ggf. Abschläge von den berechneten Jahresarbeitszahlen angenommen werden müssen, sind die theoretischen Förderanforderungen entsprechend anspruchsvoll. Abweichungen zwischen Theorie und Praxis führen daher nicht zu einer Rückforderung der Förderung. Einzig bei unrichtigen Angaben, Verstößen gegen die Förderrichtlinien oder bei fehlerhaften und nicht nach den technischen Regeln erfolgten Berechnungen muss die Förderung hingegen zurückgefordert werden.

zu Folie 2: Gilt als Wärmenetz, wenn es über eine Grundstücksgrenze hinaus geht? Oder gibt es hier eine andere Definition?

Die Richtlinien selbst enthalten keine Definition, was genau mit dem Begriff "Wärmenetze" gemeint ist. Das BAFA hat allerdings in Bezug auf die Innovationsförderung im Merkblatt zu "Wärmepumpen mit verbesserter Systemeffizienz" eine Mindestanforderung definiert. Demnach muss die gemeinschaftliche Wärmequelle mindestens fünf Gebäude mit versorgen.

zu Folie 3: Wann kann man mit dem Geld rechnen (Basisförderung)?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wie schnell ausgezahlt werden kann, hängt von der Anzahl der zu bearbeitenden Anträge und der Vollständigkeit des jeweiligen Antrags ab. Momentan dauert es etwa fünf Wochen bis zur Auszahlung.

zu Folie 4: Unterschied Basis- zu Innovationsförderung: Ist hier die JAZ der Wärmepumpe maßgebend? 

Zwischen Basis- und Innovationsförderung bestehen mehrere Unterschiede

  • a.) Zeitpunkt der Antragstellung: Basisförderung: innerhalb von neun Monaten nach Inbetriebnahme Innovationsförderung: vor Vorhabensbeginn
  • b) Höhe der JAZ:
    Basisförderung: Luft/Wasser 3,5 | Erdwärme- u. Wasser/Wasser 3,8 (Nichtwohngebäude ohne WWB 4,0)
    Innovationsförderung: alle Wärmequellen 4,5 
  • c) Art der Wärmeverteilung
    Basisförderung: egal
    Innovationsförderung: Beheizung des Gebäudes überwiegend per Flächenheizungen
  • d) Qualitätssicherung
    Basisförderung: nicht erforderlich
    Innovationsförderung: Nachweis über die vertragliche Leistung "Qualitätscheck" (kann auch Wartungsvertrag sein)

 

zu Folie 5:  Erläuterungen zur gesamten Folie

Hier sollte nur möglichst einfach der ideale Antragsablauf in der Innovationsförderung veranschaulicht werden:

  • der Antrag auf Innovationsförderung (inkl. Angebot und JAZ-Berechnung) wird vor Vorhabensbeginn zum BAFA geschickt
    > das BAFA  verschickt eine Eingangsbestätigung (noch keine inhaltliche Prüfung): die Wärmepumpe kann bereits bestellt u. installiert werden
    > das BAFA  prüft den Antrag: Ist alles in Ordnung, verschickt das BAFA den Zuwendungsbescheid
  • es bleiben nun 9 Monate Zeit, um die WP in Betrieb zu nehmen
  • die WP wurde in Betrieb genommen:  die Unterlagen zum Verwendungsnachweis (inkl. Rechnungen und JAZ-Berechnung) werden zum BAFA geschickt
    > das BAFA prüft die Unterlagen zum Verwendungsnachweis: Ist alles in Ordnung wird die Förderung ausgezahlt

 

zu Folie 6: “max. Beihilfe“: Was heißt das?

Bei der Förderung von Unternehmen müssen bestimmte EU-Verordnungen beachtet werden. Diese legen unter anderem fest, dass Unternehmen zwar Beihilfen für den Einsatz von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien erhalten dürfen. Allerdings nur bis zu einer bestimmten Obergrenze. Diese maximal zulässige Beihilfeintensität richtet sich unter anderem nach der Größe des Unternehmens.