10. Effizienztagung Bauen+Modernisieren in Hannover – ein Rückblick

© Thomas Kupas

Vom 9. Bis zum 10 November 2018 fand in Hannover die zehnte niedersächsische Effizienztagung Bauen+Modernisieren statt, gemeinsam organisiert vom Energie- und Umweltzentrum am Deister (e.u.z), der KEAN und proKlima. Bei dem jährlichen Treffen der Fachleute für energieeffizientes Bauen und Sanieren tauschten sich rund 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über aktuelle Themen und Neuerungen auf dem Gebiet aus.

Schwerpunkt Lüftungstechnik, PV und Wärmepumpen

Auf der Seite der Technologien widmeten sich die Vorträge und Workshops vor allem der Lüftungstechnik, den Einsatzmöglichkeiten der Photovoltaik und dem Thema Wärmepumpen. Für die Wärmversorgung von Gebäuden ist die Wärmepumpe eine der effizientesten aktuell verfügbaren Techniken - insbesondere in Kombination mit Photovoltaik. Folglich spielte sie auf der Tagung eine wichtige Rolle und wird auch in der Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dieses Thema wird die KEAN in zukünftigen Beiträgen weiter vertiefen.

Kostengünstiges Bauen: Auf die Planung kommt es an

Die Frage nach den Kosten des energieeffizienten Bauens war ein weiteres wiederkehrendes Thema. Dass sich Kosten- und Energieeffizienz nicht ausschließen, wurde in verschiedenen Beiträgen deutlich. Der Planer Mario Bodem berichtete von dem Bau eines Passivhaus-Schulgebäudes in Ansbach, das kostengünstiger errichtet werden konnte, als es die ursprüngliche Planung für den Bau vorgesehen hatte.

Ein weiteres praktisches Beispiel für kosteneffizientes, energetisch und qualitativ hochwertiges Bauen wurde im Rahmen der Tagung  mit dem niedersächsischen Landespreis Grüne Hausnummer ausgezeichnet. Hermann Kempf hat zwei Mehrfamilienhäuser in Bückeburg im KfW 40 Plus Standard auf Passivhausniveau errichtet - und das zu bezahlbaren Mietpreisen. Dieses Beispiel stellen wir hier ausführlich vor.

Auch der erfahrene Passivhausplaner Dr. Burkhard Schulze Darup hob in seinem Vortrag zum Bauen und Sanieren mit Passivbaukomponenten hervor, dass für die Höhe der Kosten nicht der Energieeffizienzstandard ausschlaggebend sei, sondern die Qualität der Planung. Und er nannte einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil hoher Effizienzstandards: Hocheffiziente Gebäude werden auch langfristig kompatibel mit den Zielen der Energiewende sein. Mittelmäßige energetische Standards führen hingegen dazu, dass vor Ablauf der Nutzungsdauer eines Gebäudes von ungefähr 60 Jahren eine energetische Ertüchtigung nötig wird. Diese könne auf keinen Fall unter wirtschaftlich sinnvollen Rahmenbedingungen durchgeführt werden, so Schulze Darup.

Das Thema kostengünstig Bauen von Mehrfamilienhäusern ist auch Thema des Fachkongresses „Kostengünstiger und zukunftsfähiger Geschosswohnungsbau im Quartier“, der am 24. Januar 2019 in Hannover stattfindet.

Wärmeversorgung im Quartier denken

Die energetische Sanierung und Energieversorgung ganzer Quartiere war wie schon im Vorjahr ein Themenblock der Tagung. Die diesjährige Diskussion drehte sich vor allem um die Wärmeversorgung. Die Betrachtung von zusammenhängenden Quartieren bietet die Möglichkeit, vorhandene Wärmequellen sinnvoll zu nutzen, innovative Technologien für mehrere Gebäude und Haushalte gemeinsam einzusetzen und eine langfristige Planung der Wärmeversorgung vorzunehmen. Dabei können Akteure wie Energiegenossenschaften und Stadtwerke Teile der Umsetzung übernehmen. Die richtigen Partner ausfindig zu machen und zusammenzubringen, ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Fazit: Die Technologien und Konzepte sind da, wir müssen sie nur richtig einsetzen

Gerhard Krenz, bei der KEAN zuständig für Gebäudeenergieeffizienz, zieht aus der Tagung folgendes Fazit: „Viele gute Beispiele zu EnergiePlus-Standards, zu Passivhaustechnologien in Neubau und Bestand und zu Quartierslösungen zeigten auf, dass die nötigen Technologien vorhanden sind, um die Wärmewende im Gebäudebereich zu vollziehen. An mehreren Stellen wurde aber auch sehr deutlich, dass es noch viel mehr Engagement von Seiten aller am Bau Beteiligten bedarf, diese Technologien mit der erforderlichen Qualität in der Breite zu tragen. Aufgeräumt wurde mit den Vorurteilen, dass energieeffizientes Bauen und Modernisieren kostentreibend ist.“