Veranstaltungsnachlese: 5. Forum Zukunftsfragen Energie "Energiespeicher und -systeme - Technisch - sinnvoll - machbar" am 20. September in Osnabrück

Speicher sind ein essentieller Bestandteil der Energiewende. Das fünfte Forum Zukunftsfragen Energie stellte am 20. September 2016 die Frage nach der technischen Machbarkeit und der Sinnhaftigkeit von Speicheranwendungen für Strom und Wärme.

Die diesjährige Veranstaltung des Kompetenzzentrums Energie fand in Kooperation mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen im ZUK der DBU statt. Mit über 190 deutschlandweit angereisten Teilnehmern und Referenten aus Wissenschaft, Kommunen, Betrieben und Politik bot das Forum wieder einmal einen beachtlichen Beitrag in der fachübergreifenden Diskussion zur Energiewende. 

Die Referenten und Moderatoren des Forums für Energiespeicher und -systeme. © Kompetenzzentrum Energie

Nach der einleitenden Begrüßung des wissenschaftlichen Leiters des Kompetenzzentrums Energie, Prof. Dr.-Ing. Matthias Reckzügel, sowie den Grußworten von Barbara Mussack, stellvertretende Geschäftsführerin der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, und von Dr. Stefan Rolfes, Aufsichtsrat der Stadtwerke Osnabrück, wurde der Eingangsvortrag von Alexander Buttler von der TU München gehalten. Er öffnete den Blick der Gäste bezüglich der Aufgaben und Ziele auf dem Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem vor dem Hintergrund der Energiewende. Essentiell für die Integration erneuerbarer Energien ins Gesamtsystem seien laut Buttler große Stromspeicher erst ab einem Anteil von 60 bis 80 Prozent. Dies sei nicht vor 2035 zu erwarten. Vielmehr sind zurzeit private Haushalte und die Mobilität die Markttreiber im Bereich Speicher.

Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Pfisterer von der Hochschule Osnabrück zeigte anhand von Praxisbeispielen aus dem Projekt lokSmart, wie für lokale Anwendungsfälle Stromspeicher und E-Mobilität in der gewerblichen Nutzung intelligent und im Sinne der Nachhaltigkeit konzipiert werden können.

Nachfolgend zeigte Prof. Dr.-Ing. Hanke-Rauschenbach anhand weniger Kriterien, wie man das beste Stromspeichersystem für eine spezielle Konstellation herausfindet.

Einen größeren Maßstab setzte Prof. Dr.-Ing. Christoph Nytsch-Geusen von der UdK Berlin an, als er das Konzept einer quartiersbezogenen Wärmeversorgung mittels tiefem Geothermiespeichers und Kraft-Wärme-Kopplung vorstellte. Dr.-Ing. Bernd Eikmeier vom IFAM gelang es zu zeigen, wie man es z. B. durch Wärmespeicher und Wärmeverbundnetze schaffen kann, flexible Reserven auf dem Strommarkt zu schaffen und damit beide Sektoren übergreifend sinnvoll zu koppeln.

Die Teilnehmer des Workshops A („Systemspeicher Strom: Innovative Energiespeicherlösungen für norddeutsche Regionen“) haben in zwei Impulsvorträgen von Prof. Dr. Sandra Rosenberger und Robert Böcher einen sehr guten Einblick in das Projekt EOS („Energiespeicherlösungen Osnabrück-Steinfurt“) der Hochschule Osnabrück erhalten. Hierbei ging es im Besonderen darum, welche Speicher in der untersuchten Masterplanregion Osnabrück-Steinfurt vor dem Hintergrund der Suffizienz („das ausreichende Maß“) geeignet/sinnvoll sind und welche Faktoren die Akzeptanz der Verbraucher/Nutzer insbesondere für Quartiersspeicherlösungen beeinflussen. Die anschließende Diskussion drehte sich im Wesentlichen um die Frage, ob die „Sharing Economy“ - das Teilen - ein zentraler Indikator bzw. das „Allheilmittel“ zur Akzeptanzerreichung ist.

Dass „Wärmespeicher als Teil der Energieversorgung im lokalen Verbund“ entscheidende Rollen übernehmen, wurde im Workshop B thematisiert. Prof. Dr.-Ing. Oliver Kastner vom Institut für Solarenergieforschung Hameln zeigte dies an einem umfassenden Konzept für die Strom- und Wärmeversorgung für ein Quartier in Brandenburg, das sowohl einen Geospeicher als auch Kraftwärmekopplung beinhaltet. Nur Wärmeverbundsysteme bieten perspektivisch auch die Möglichkeit weitere erneuerbare Energien wie Solarthermie effektiv einzubinden. Robert Wasser von der energethik Ingenieurgesellschaft mbH zeigte anhand geplanter Praxisprojekte auch seine persönliche Motivation auf, durch Flexibilisierung von Biogasanlagen ohne erhöhten Biogaseinsatz gewinnbringend auf Nachfrage aus dem Strommarkt zu reagieren und dabei die Wärme mit Speichern sinnvoll zu nutzen. Die teils persönliche Diskussion zeigte auch, dass zwischen wissenschaftlichen Konzeptstudien und Planungsalltag entlang aktuell gegebener Rahmenbedingungen oft große Unterschiede bestehen.

Der Workshop C stand unter dem Titel „Industrielle Energiespeicher in der Praxis“. Dr. Christine Minke vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (efzn) stellte eine technologische Innovation für Vanadium-Redox-Flow-Speichersysteme vor: In einem Forschungsverbund werden hierfür großflächige Elektroden von 2 bis 3 Quadratmetern entwickelt. Herkömmliche kommerzielle Zellflächen für Redox-Flow-Systeme messen circa 0,1 Quadratmeter. Christine Minke verdeutlichte, welche Kostensenkungspotenziale mit dieser Scale-Up-Anwendung realisiert werden könnten. Andreas Becker von der AEG Power Solutions GmbH präsentierte eine Kombination eines herkömmlichen Lithium-Ionen-Batteriespeichers mit einer Power to Heat-Technologie. Diese mit einer schlanken Leistungselektronik ausgeführte Hybridanlage kann durch die Einbindung der Power to Heat-Technologie die benötigte Batteriekapazität so auf rund 60 Prozent reduzieren, wodurch geringere Investitionskosten für die (noch) teuren Lithium-Ionen-Batterien anfallen. 

Eine engagierte Podiumsdiskussion bildete den Abschluss des Forums.          © Kompetenzzentrum Energie

 

Auf dem abschließenden Podium diskutierten Dr. Christoph Schmidt-Erikson vom niedersächsischen Umweltministerium mit Vertretern des Netzbetreibers Westnetz Dr. Stefan Nykamp sowie Robert Wasser von der energethik Ingenieurgesellschaft mbH, Alexander Buttler von der TU München und Prof. Hanke-Rauschenbach von der Universität Hannover. Die Diskutanten thematisierten unter anderem die stark markthemmenden Abgaben, die bei Stromspeichern doppelt fällig werden: bei der Einspeicherung und bei der Ausspeicherung. Auch wenn alle versuchen bei verschiedenen Interessen unter den aktuellen Randbedingungen das Beste zu erreichen, sind viele Regularien unter dem Strich ein Hemmnis zur zügigen Umsetzung bei der Energiespeicherung. Auf alle Fälle gilt: Am günstigsten ist der Speicher, den man gar nicht erst benötigt!


Das gesamte Veranstaltungsprogramm, die Vorträge der Referenten und eine Bildergalerie des Forums finden Sie hier:

Seite des Kompetenzzentrums Energie der Hochschule Osnabrück

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