Nachlese der Veranstaltung "Seminar zu Klimagerechtigkeit für ehrenamtlich Tätige"

In den niedersächsischen Kirchen und Naturschutzvereinen engagieren sich eine große Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele davon im Bereich Umwelt-, Klima- und Naturschutz. Viele von ihnen stehen häufig vor der Frage, was der Klimawandel für ihre Tätigkeit bedeutet? Und wie kann der Gedanke der Klimagerechtigkeit in das persönliche Engagement einfließen? Diesen und weiteren Punkten gingen ehrenamtlich Tätige im Seminar „Erleben – Verstehen – Motivieren: Seminar zur Klimagerechtigkeit für Ehrenamtliche“ der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen am 3. Februar nach. Als Tagungsort wurde das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost gewählt, um dort interaktiv an den Fragestellungen arbeiten zu können. Ziel des Seminars war es, das eigene Engagement in größere Zusammenhänge zu stellen und ein tieferes Verständnis zu gewinnen.

Insgesamt 15 Ehrenamtliche aus Kirchen und Naturschutzverbänden bekamen zunächst eine Einführung in den Themenbereich Klimawandel, Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Danach wurden drei Arbeitsgruppen gebildet und es ging auf „Klimamission“ in den Ausstellungsbereich „Reise“. Dort erlebten die Teilnehmer entlang des 8. Längengrades die Klimazonen der Erde quasi hautnah. Insgesamt wurden fünf Kontinente und neun Orte durchquert – und an jeder Station erzählten Menschen aus aller Welt aus ihrem Alltag und wie das jeweilige Klima ihr Leben beeinflusst. Bei den „Klimamissionen“ beschäftigten sich die drei Gruppen jeweils ausführlich mit den Ausstellungsbereichen „Alaska“, „Niger“ und „Samoa“ und erarbeiten sich detaillierteres Wissen zu den jeweiligen Auswirkungen des Klimawandels für die Bewohner dieser Länder.

Im anschließenden Workshop präsentierten die Gruppen gegenseitig ihre Ergebnisse. Danach wurden in einem Vortrag vom Leiter Wissenschaft und Bildung des Klimahauses sowie einer lebhaften Diskussionen auf den Klimawandel und sie Zusammenhänge von Lebensstilen auf die planetaren Grenzen eingegangen. Das Konzept der planetarischen Grenzen („Planetary Boundaries“) wurden von einem internationalen Wissenschaftlerteam entwickelt und beschäftigt sich mit den ökologischen Grenzen der Erde: Zur Vermeidung weltweiter katastrophaler Umweltveränderungen soll die Menschheit ökologische Belastungsgrenzen beachten. Die Wissenschaftler haben neun für das System Erde essentielle ökologische Dimensionen und entsprechende globale Grenzwerte definiert. Wird eine Grenze überschritten, besteht die Gefahr irreversibler und plötzlicher Umweltveränderungen, die die Bewohnbarkeit der Erde für die Menschheit einschränken. Sieben der ökologischen Dimensionen konnten die Autoren quantifizieren, vier davon haben bereits die Belastungsgrenze überschritten: Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Stickstoffkreislauf und Landnutzung. Das Konzept wurde in Teilen bereits von der internationalen Klimapolitik als Ziel übernommen liegt auch dem Hauptgutachten vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ von 2011 zugrunde.

Auch aktuelle Entwicklungen in der Klimapolitik wurden im Workshop thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass der Klimawandel als globales Phänomen zwar gut bekannt, aber das Wissen über Klimagerechtigkeit als ein relativ neues Konzept bei vielen noch zu vertiefen ist. Ziel dieses Konzeptes ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen nicht nur stark zu reduzieren, sondern die Belastungen der Erderwärmung weltweit fair aufzuteilen. Denn heute leiden vielfach jene – oftmals indigenen – Bevölkerungsgruppen am stärksten unter dem Klimawandel leiden, die am wenigsten dazu beitragen.

Den Abschluss des Seminars bildete eine Feedbackrunde, bei der alle Anwesenden sich sehr zufrieden äußerten. Einige wünschten sich Anregungen für Tipps im Alltag, die in der Gruppe diskutiert wurden. Auch wurde gemeinsam überlegt, wie sich Netzwerke zwischen lokalen Akteuren auf- bzw. ausbauen lassen können.

Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen wird das Konzept mit den aus der ersten Veranstaltung gewonnen Erkenntnissen überarbeiten und plant, eine weitere Veranstaltung im laufenden Jahr anzubieten. Interessenten können sich bei uns melden und auf eine Warteliste aufnehmen lassen.

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Ruth Märtin

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ruth.maertin [at] klimaschutz-niedersachsen.de