Nachlese zur Veranstaltung Wärmeplanung – Eine kommunale Aufgabe?“ am 23. August 2017 in Hannover

Welchen Beitrag kann die kommunale Wärmeplanung zum Gelingen der Energiewende im Wärmebereich leisten? Wo stehen wir auf dem Weg zur Wärmewende? Welche Technologien und Lösungswege gibt es? Und welche Möglichkeiten haben Kommunen bei der Ausgestaltung der Wärmeplanung vor Ort, welche Rolle sollten sie einnehmen?

Um diese Fragen drehte sich die Veranstaltung „Wärmeplanung -  eine kommunale Aufgabe?“, zu der die KEAN am 23. August 2017 in Hannover eingeladen hatte. Rund 60 Teilnehmer aus Kommunen, Forschung, Politik und von lokalen Energieversorgern waren in die Räume der Volkshochschule Hannover gekommen und verfolgten und diskutierten die Fachvorträge.

Nach einer Standortbestimmung zur Wärmewende durch Herrn Jan Wullenweber vom Verband kommunaler Unternehmen, VKU, der insbesondere die Relevanz des Themas für die kommunale Energieversorgung unterstrich, stellte Dr. Matthias Deutsch von der agora Energiewende Schlüsseltechnologien für die Wärmeversorgung im Kontext wissenschaftlicher Szenarien vor, Professor Reckzügel von der Fachhochschule Osnabrück erläuterte die Potenzialstudie zur Abwärmenutzung in Niedersachsen und Hans Hertle vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, ifeu, gab einen Überblick über Handlungsmöglichkeiten von Kommunen. Aus der Praxis berichteten Hans Eimannsberger, Energieberater aus der Stadt Preetz, und Michael Frerking, Gemeinde Isernhagen.

Die Praxisbeispiele und Erfahrungsberichte aus dem Publikum gaben Impulse für die kommunale Praxis. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer intensiveren Diskussion der KEAN zu diesem Thema. Die wichtigsten Aspekte haben wir hier für Sie zusammengefasst. Die Vortragspräsentationen zum Download finden Sie im grauen Kasten rechts unten.


Eine Kommunale Aufgabe?

Wärmeplanung, das machte die Veranstaltung deutlich, ist eine Aufgabe, die nicht zuletzt über die Klimaschutzkonzepte und die energetische Quartierssanierung bereits in der kommunalen Praxis angekommen ist. Im Rahmen der Wärmeplanung bietet sich den Kommunen die Möglichkeit, die Potenziale zur Wärmebereitstellung und die Wärmebedarfe in einzelnen Gebieten der Kommune zu erfassen und die entscheidenden Akteure zusammenzubringen. Sie kennen die lokalen Gegebenheiten genau und können einschätzen, welche der möglichen Instrumente und Technologien vor Ort für das Erreichen der gesteckten Ziele am besten geeignet sind.

Alle Referenten stellten die zentrale Rolle der Kommune für den Prozess der Wärmeplanung heraus. Es wurde aber auch deutlich, dass sie nicht der einzige Akteur ist und es sich bei der Wärmeplanung um einen Prozess handelt, in den eine Vielzahl von Akteuren einzubinden ist. Neben den Bürgern sind Planer und örtliche Versorger entscheidende Akteure.


Kommunen entscheiden, welcher Weg zum Ziel führt

Zur Erreichung der Ziele ist sowohl die Steigerung  der Effizienz der Gebäude und Heizungen als auch eine Wärmeversorgung mit Erneuerbaren Energien notwendig. Die Kommune entscheidet je nach Gegebenheiten vor Ort, welche Mischung zwischen den beiden Komponenten sie anstrebt. In Altbauquartieren können Emissionen möglicherweise schneller und kostengünstiger mit der Umstellung der Wärmeversorgung auf regenerative Nahwärme erreicht werden als mit dem langfristigen Prozess der energetischen Sanierung jeder Liegenschaft.


Technologien der Wärmewende

Zu einigen Technologien zur Wärmeversorgung und ihrer zukünftigen Bedeutung boten die Vorträge der Veranstaltung interessante Einsichten:


Planung und Institutionelle Voraussetzungen

Damit eine kommunale Wärmeplanung erfolgreich sein kann, spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle. Gerade für kleine Kommunen kann es schwierig sein, das Fachwissen aus dem eigenen Personalbestand abzudecken. Ein möglicher Ansatz wäre die Bereitstellung der Fachkompetenz auf Landkreisebene z.B. über die Einrichtung einer Energieagentur oder einer anderen kompetenten Anlaufstelle. Für die ersten Schritte in Richtung Wärmeplanung bietet sich zum Beispiel eine Förderung von kommunalen Klimaschutzteilkonzepten über die Kommunalrichtlinie an. Diesen Weg ist die Kommune Preetz in Schleswig-Holstein erfolgreich gegangen, deren Wärmeplanung von Herrn Eimannsberger vorgestellt wurde. In Preetz sollen mehrere Stadtteile durch ein mit Abwärme aus einer Biogasanlage und über Solarthermie und ein Hackschnitzelfeuerung beheiztes Wärmenetz versorgt werden. Auch die dem Konzept folgenden Schritte können durch Fördermittel des Bundesumweltministeriums unterstützt werden.


Arbeitsgruppe zum Thema Wärmeplanung gegründet, weitere Interessenten gesucht

Die auf der Veranstaltung diskutierten Fragen und Lösungsansätze sind essentiell für das Gelingen der Energiewende. Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen will daher mit interessierten Akteuren aus Kommunen, von kommunalen Energieversorgern und aus der Wissenschaft den Austausch fortführen und Handlungsansätze entwickeln. Zahlreiche Teilnehmer haben dazu ihr Interesse bereits bekundet, weitere Interessenten sind herzlich willkommen.

Der Deutsche Wetterdienst hat stellt neue Referenz-Wetterdatensätze für zahlreiche meteorologische Größen in hoher räumlicher Auflösung für jeden km² in Deutschland zur Verfügung.

Zudem wurden erstmalig die wahrscheinlichen Wetter-daten für die Zukunft errechnet, unter Berücksichtigung des lokal zu erwartenden Klimawandels.

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