Wärmewende bei Mehrfamilienhäusern kommt nicht voran

©Michael Siebert

16.01.2020: Die Betrachtung von Energieverbräuchen für die Wärmeversorgung in Mehrfamilienhäusern ist ein komplexes Unterfangen, zumindest wenn man herausfinden möchte, wie energieeffizient die jeweiligen Gebäude und Anlagen sind. Dazu werden die ermittelten Zahlen mal witterungsbereinigt und mal nicht-witterungsbereinigt betrachtet.

Die aktuelle Energiekennwerte-Studie 2019 von Techem liefert entsprechend differenzierte Zahlen: So ist der nicht witterungsbereinigte Endenergieverbrauch für Raumheizwärme im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr für alle Energieträger deutlich zurückgegangen: minus 5,0 Prozent bei Erdgas, minus 4,6 Prozent bei Heizöl und minus 6,3 Prozent bei Fernwärme. Ursache dieses Rückgangs waren offensichtlich die im Vergleich zu 2017 deutlich höheren Außentemperaturen in der Heizperiode.

Im Umkehrschluss muss witterungsbereinigt von einem deutlichen Anstieg des Verbrauchs in den letzten drei Jahren gesprochen werden: plus 5,8 Prozent bei Erdgas, plus 8,5 Prozent bei Heizöl und plus 4,9 Prozent bei der Fernwärme.

So hat sich auch laut Energiekennwerte-Studie 2019 von Techem die rückläufige Verbrauchstendenz, die noch bis 2013 zu beobachten war, nach einer Zeit der Stagnation in einen deutlichen Anstieg umgekehrt. Höhere witterungsbereinigte Verbräuche als 2018 gab es demnach für Erdgas zuletzt 2011, für Heizöl sogar zuletzt 2009.

Betrachtet man den längeren Zeitraum von 2008 bis 2018 ging das Verbrauchsniveau für den realen, nicht witterungsbereinigten Verbrauch zwischen den Dreijahresperioden 2008 / 2010 und 2016 / 2018 trotz günstiger Witterungsveränderungen nur um 10,9 Prozent zurück. Dies zeigt deutlich, dass das Ziel der Bundesregierung, zwischen 2008 und 2020 den Wärmebedarf um 20 Prozent zu reduzieren, für den untersuchten Bestand praktisch nicht mehr erreichbar ist.

Als Grundlage für die nunmehr 20. Auflage seiner Energiekennwerte-Studie analysierte Techem anonymisierte Verbrauchsabrechnungen von rund 1,5 Millionen Wohnungen in deutschlandweit fast 120.000 Mehrfamilienhäusern. Auch über die Entwicklung der Brennstoff- bzw. Energieträgerpreise wie dem fast zehnprozentigen Anstieg bei Heizöl gibt die aktuelle Studie detailliert Auskunft.

 

Effizienz von Gebäuden und Anlagen erhöhen!

Für die KEAN bedeutet dies umso mehr, dass die Effizienz der Gebäude und Anlagen deutlich gesteigert werden und zugleich die größtmögliche Transparenz über die Verbräuche herrschen muss, um die Energieverbräuche von Mehrfamilienhäusern zu senken. Ergänzend dazu müssen insbesondere Erdgas und Heizöl durch eine regenerative Wärmeerzeugung ersetzt werden, wenn die Klimaschutzziele im Gebäudesektor erreicht werden sollen. Auch wenn die Ursachen über den gestiegenen Verbrauch letztlich nicht genau aufgeschlüsselt werden können, kommt dem Bereich der Wärmerzeugung und Wärmeverteilung eine immer größere Bedeutung zu. Die Frage, die nicht einfach beantwortet werden kann, lautet: Funktioniert die Wärmetechnik für Heizung und Warmwasser so, wie es erwartet werden kann, wie effizient ist sie und gibt es einfache Verbesserungsoptionen.

Um diese Frage zu beantworten beteiligt sich die KEAN sich seit 2018 an einem Forschungsprojekt „Feldanalyse zur Betriebs-Optimierung von Mehrfamilienhäusern“, kurz FeBOp-MFH, bei dem ein intelligentes Mess- und Analysesystem entwickelt wird, das permanent relevante Daten in den Heizzentralen erfasst und automatisch auswertet. Die Daten und die daraus abgeleiteten Kennwerte helfen den Wohnungsunternehmen, die Effizienz ihrer Heizanlagen zu überwachen und zu optimieren.

 

Was bringt der CO2-Preis?

Wenn dann die Einführung eines CO2-Preises zu höheren Brennstoffkosten für Gas und Öl führen wird, könnten die Energieverbräuche zwar durch ein sparsameres Nutzerverhalten sinken, inwiefern diese Einsparungen signifikant sind, bleibt abzuwarten.

In einem Gastkommentar zu der Techem-Studie bekräftigt auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) Carsten Müller (MdB), dass die CO2-Bepreisung zwar dringend erforderlich ist, aber allein nicht ausreichen wird. „Auch wenn sie (die Energiepreise) Einfluss auf das Mieterverhalten haben, ist die Stellschraube unzureichend um die Ziele zu erreichen. Zum einen haben Mieter keinen Einfluss auf Heizungsart und Wärmeschutz. Zum anderen muss auch ein angemessenes Komfort- und damit Temperaturniveau gewährleistet und bezahlbar sein.“ Zudem müsse sichergestellt werden, dass die Mieter einen ausreichenden Überblick über ihre Heizenergieverbräuche haben, so dass sie überhaupt reagieren könnten. Die Digitalisierung könne für regelmäßige Informationen sorgen.

Die Wohnungswirtschaft stellt sich darauf bereits jetzt ein. Beim Jahresauftakt des Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e.V. (vdw) wurden die Vertreterinnen und Vertreter darauf hingewiesen, dass ab dem Jahr 2022 eine Mitteilungspflicht auf die Wohnungsunternehmen zukommt, bei der die Mieter zu deren Wärmeenergieverbräuchen und -kosten mindestens monatlich informiert werden müssen. Die Novelle der Heizkostenverordnung solle dies bringen.

Der komplette Report „Techem Energiekennwerte 2019“ steht als e-Paper  zur Verfügung.