Starkes Jahr für die Stromproduktion aus Erneuerbaren - mehr Tempo beim Ausbau nötig

Agora veröffentlicht Analyse „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2022“

Die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine prägten das Energiejahr 2022, wie die Auswertung „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2022" von Agora Energiewende zeigt. So haben Energiespar-Maßnahmen zwar zu einer deutlichen Reduktion des Primärenergieverbrauchs geführt, die stärkere Nutzung von Kohle als Ersatz für reduzierte Gas-Importe sorgte jedoch dafür, dass die Treibhausgasemissionen mit 761 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber dem Vorjahresniveau nur geringfügig reduziert wurden. Erfreulich: Erneuerbare produzierten im Jahr 2022 aufgrund guter Bedingungen so viel Strom wie noch nie - dennoch bleibt mehr Tempo beim Ausbau nötig. 

Anfang Januar hat Agora Energiewende den alljährlichen Bericht zum „Stand der Dinge" der Energiewende in Deutschland veröffentlicht. Die Analyse enthält die wichtigsten Daten und Fakten, die das Energiejahr 2022 geprägt haben. Dabei wird deutlich, dass der Krieg in der Ukraine mit den Folgen für Energieversorgung und -preise bestimmend war.

Energieverbrauch und Emissionen

So wurden die Treibhausgasemissionen trotz einer deutlichen Senkung des Primärenergieverbrauchs um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (auf den tiefsten Stand seit 1990) nur geringfügig von 766 Millionen auf 761 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesenkt. Damit lag der Wert fünf Millionen Tonnen über dem Zielwert 2022 laut Klimaschutzgesetz. Hierzu beigetragen hat insbesondere die Substitution von Erdgasimporten aus Russland durch Kohle und Öl.

Der Industriesektor verzeichnete laut Agora Energiewende mit 173 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten einen Emissionsrückgang um etwa 8 Millionen Tonnen. Spar- und Effizienzmaßnahmen sowie Produktionseinbußen in energieintensiven Industrien aufgrund der hohen Energiepreise sorgten dafür, dass der Sektor trotz verstärktem Einsatz von Öl und Kohle das Klimaziel einhielt.

Der Gebäudesektor hat das Klimaziel abermals verpasst. Mit 113 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten lagen die Emissionen 5 Millionen Tonnen über dem Sektorziel, wenngleich der Erdgasverbrauch aufgrund der hohen Gaspreise um 16 Prozent und die Emissionen um rund 7 Millionen Tonnen zurückgingen. Bemerkenswert ist die Entwicklung im Wärmepumpenmarkt. So wurden laut Agora Energiewende im Jahr 2022 knapp 230.000 Wärmepumpen verkauft – ein Plus von gut 40 Prozent. Gleichzeitig wurden jedoch noch schätzungsweise 600.000 Gas- sowie 50.000 Ölkessel abgesetzt.

Wärmepumpen waren im vergangenen Jahr sehr beliebt.  © Stefan Koch

Auch im Verkehrssektor lag der Treibhausgasausstoß mit 150 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten deutlich über dem Sektorwert von 139 Millionen Tonnen. Hierzu beigetragen hat laut Analyse u.a. das wieder verstärkte Verkehrsaufkommen nach der Corona-Pandemie und das geringe Tempo in der Verkehrswende, mit einem weiterhin sehr geringen Anteil von E-Autos im Pkw-Bestand.

Starkes Jahr für die Erneuerbaren – Zubautempo bleibt jedoch zu gering

Erfreulich war die Entwicklung im Bereich der Stromproduktion aus Erneuerbaren, die 2022 einen Anteil von 46% erreichten. Mit 256 Terawattstunden wurde so viel grüner Strom erzeugt wie noch nie – ein Plus von 22 Terawattstunden (und etwa 9 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Die Windkraft trug zur Stromproduktion aus Erneuerbaren mit 128 Terawattstunden auch 2022 den größten Teil bei, gefolgt von der Solarstromproduktion mit 61 Terawattstunden.

Der Zubau beschleunigte sich bei der Photovoltaik zwar auf 7,2 Gigawatt, bei der Windkraft fiel der Zubau mit lediglich 2,4 Gigawatt jedoch zu gering aus, um das Ausbauziel bis 2030 zu erreichen. Dieses sieht für 2030 eine Erzeugungsleistung von 215 Gigawatt vor, was nur erreicht werden kann, wenn sich der Ausbau im Erneuerbaren-Segment auf 18,6 Gigawatt pro Jahr erhöht – was einer Verdopplung des aktuellen Ausbautempos entspricht. Die Gesamtleistung aller Erneuerbaren betrug zum Jahresende laut Agora 148 Gigawatt und damit 9,5 Gigawatt mehr als 2021. Während die Solarenergie bei Privatleuten enorme Zuwächse verzeichnen konnte, waren die Ausschreibungsrunden für Wind- und Solarenergie 2022 deutlich unterzeichnet – was die Erreichung der Ausbauziele erschwert. 

Der Zubau muss im Bereich der Solar, aber insbesondere im Bereich der Windenergie beschleunigt werden.

Die Beliebtheit der Photovoltaik bei Privatleuten zeigt sich laut Agora Energiewende auch in den Akzeptanzwerten für Erneuerbare, die auf bereits hohem Niveau nochmals zugelegt haben. So stieg die Akzeptanz für Solaranlagen von 67 Prozent auf 71 Prozent und für Windenergieanlagen von 55 Prozent auf 60 Prozent. Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung (70%) sieht zudem im Ausbau der Erneuerbaren das beste Gegenmittel gegen die Energiekrise.

Zur Analyse von Agora Energiewende

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Raphael Stock

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raphael.stock [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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