Carbon Accounting

Aktualisierte Emissionsfaktoren für THG-Bilanzen in Verwaltung und Unternehmen

In Niedersachsen stehen viele Kommunen und Unternehmen vor derselben Herausforderung: Emissionen müssen systematisch erfasst und gesenkt und Fortschritte gegenüber Stakeholdern aus Politik, Banken und der Öffentlichkeit belegt werden. Wo keine Messwerte vorliegen, bietet die neue UBA-Emissionsfaktoren-Liste nun valide Referenzwerte. Wir erläutern das Prinzip.

Eine Treibhausgasbilanz steht auf drei zentralen Säulen: Methodik, Datenlage und Emissionsfaktoren. Dabei ist die Rechnung grundsätzlich ganz einfach:

Aktivität x Emissionsfaktor = Emission

Beispiel Stromverbrauch: 10 kWh Netzstrom x 0,43 kg CO2 pro kWh = 4,3 kg CO2

In der Realität wird es komplexer. Denn zur strategischen Steuerung, Maßnahmen-priorisierung und für Wirkungsnachweise braucht es ein solides Fundament aus Daten, Zahlen und Erfahrungen. Emissionsfaktoren werden vor diesem Hintergrund kontrovers diskutiert, wenn unterschiedliche Datenquellen, Bezugsjahre oder Annahmen zugrunde liegen. Mit der neuen Emissionsfaktorenliste des Umweltbundesamtes (UBA) gibt es nun erstmals einen bundesweit harmonischen Referenzrahmen für Organisationen und Unternehmen, der auch künftig fortgeschrieben werden soll.

Ein Standard für (fast) alle Fälle

Wo keine Messwerte vorliegen, bietet die UBA-Liste nun valide Referenzwerte. Die Liste ist entlang der Scopes des Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard strukturiert.

  • Scope1: Umfasst direkte Emissionen aus stationärer und mobiler Verbrennung, ausgewählten Industrieprozessen und auch Kältemittelemissionen
  • Scope 2: Indirekte Emissionen aus Strom- und Wärmebezügen wie etwa Bundesstrommix, erneuerbare Energien oder Fernwärme
  • Scope3: Vielzahl praxisrelevanter Faktoren: Dazu zählen beispielsweisen Vorketten verschiedener Energieträger sowie Dienstreisen, Arbeitswege und Homeoffice, relevante Güter und Dienstleistungen, IT- und Arbeitsplatzausstattung sowie die Abwasseraufbereitung.

Die KEAN empfiehlt, die UBA-Emissionsfaktorenliste als Standard für Organisationsbilanzen heranzuziehen, um diese methodisch zu harmonisieren und als Steuerungsinstrument zu stärken. Wo für Produkte oder Aktivitäten keine eigenen Mess- und Schätzwerte vorliegen, reduzieren die frei verfügbaren Referenzwerte den Rechercheaufwand erheblich. 

Für kommunale Klimaschutzmanager:innen bietet die UBA-Liste eine belastbare Grundlage zur Fortschreibung von Verwaltungsbilanzen und für das Monitoring kommunaler Klimaschutzkonzepte. Referenzwerte für den Energiebezug über Fuhrpark und Dienstreisen, Homeoffice, bestimmte Bürogeräte und sogar Verpflegung lassen sich somit auch ohne eigene Messwerte konsistent abbilden. Die Faktoren bieten also stabilere Zeitreihen und vereinfachen den Prozess der Kohlenstoffbilanzierung (Carbon Accounting). 

Kommunale Eigenbetriebe, beispielsweise in den Bereichen Abwasser, Abfall oder Energieversorgung, profitieren von einer klaren Referenz zur Abgrenzung direkter Emissionen, des Energiebezugs und relevanter Vorketten. Die Emissionsfaktoren unterstützen eine nachvollziehbare Bilanzierung und den Wirkungsnachweis von Investitionen oder Effizienzmaßnahmen gegenüber Aufsicht, Förderstellen und Öffentlichkeit.

Auch für kleine und mittlere Unternehmen in Niedersachsen erleichtert die UBA-Emissionsfaktorenliste die Erstellung von THG-Bilanzen vor dem Hintergrund von Kundenanforderungen, Förderprogrammen und Finanzierungen. Sie ermöglicht eine pragmatische und anerkannte Bilanzierung der klassischen Emissionsquellen aus Wärme, Fuhrpark und Strom und erleichtert die schrittweise Einbeziehung relevanter Scope‑3‑Positionen wie Dienstreisen, Arbeitswege oder Büro-IT.

Keine Angst vor der Lücke

Natürlich ersetzen diese Werte keine präzisen Messdaten vor Ort. Letztere sind immer vorzuziehen, sofern sie verfügbar sind. Die UBA-Liste bietet aber eine belastbare, niederschwellige und vor allem kostenfreie Referenz, um den Bilanzierungsaufwand zu reduzieren und den Arbeitsfokus wieder auf das Wesentliche zu richten: CO2 effektiv einzusparen und Emissionen konsequent dort zu senken, wo sie entstehen. 

Kontakt

Philipp Steiner

0171 913 54 10
philipp.steiner [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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