Nachlese

Biogas und seine Rolle im zukünftigen Energiesystem

Die flexible Nutzung von Biogas gilt als vielversprechender Weg zur regionalen Wärmewende. Doch welche Rolle kann Biogas langfristig wirklich spielen – insbesondere im Hinblick auf Klimaneutralität und Versorgungssicherheit? In unserer Veranstaltung mit den Stadtwerken Huntetal wurden sowohl Potenziale als auch Grenzen deutlich. Fazit: Biogas kann unter bestimmten Bedingungen zur Wärmewende beitragen, ist aber keine klimaneutrale Dauerlösung.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung mit den Stadtwerken Huntetal sowie die gezeigten Präsentationen stehen hier zur Verfügung:
➥ Aufzeichnung: Zur Videoaufzeichnung
➥ Präsentation: Biogas und seine Rolle im zukünftigen Energiesystem (KEAN)
➥ Präsentation: Biogas und seine Rolle im zukünftigen Energiesystem: Erhalt der Erdgasnetze? (Stadtwerke Huntetal)

Biomasse als Energieträger

Biogene Brennstoffe (feste Brennstoffe, Biokraftstoffe, Biogas) sind bislang die tragende Säule einer erneuerbaren Energieerzeugung und stellen aufgrund ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten knapp 50 % der erneuerbar erzeugten Strom- und Wärmemengen bereit. Ein großer Vorteil: Bioenergie ist speicherbar und kann flexibel sowie bedarfsgerecht eingesetzt werden, unabhängig von Wetter und Tageszeit. Damit kann sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, insbesondere Ausgleich zu Schwankungen bei Wind- und Solarstrom.

Chancen der Bioenergie in der Wärmewende vor Ort

In der Online-Veranstaltungsreihe „Umsetzung der Energiewende“ haben die Stadtwerke Huntetal vorgestellt, welche Rolle Biogas in ihrem Versorgungsgebiet für die Energiewende einnehmen kann. Eine Nutzung von Biogas scheint sinnvoll, da bereits heute knapp 50 % des Wärmebedarfs im Versorgungsgebiet aus lokalen Biogasanlagen gedeckt werden können.

Durch den Umbau des vorhandenen Erdgasnetzes, der Erschließung weiterer Biogas- und Wasserstoffpotenziale sowie von Sanierungsmaßnahmen soll dieser Anteil zukünftig noch weiter gesteigert und die Wärmewende vor Ort weiter vorangetrieben werden. Dieser Ansatz zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung stärkt nicht nur die lokale Wertschöpfung, sondern steigert auch die Preisstabilität und Resilienz der lokalen Wärmeversorgung. 

Risiken und Grenzen der Bioenergie für die Wärmewende

Demgegenüber birgt die zukünftige Verfügbarkeit biogener Brennstoffe ein gewisses Risiko für diesen Dekarbonisierungsansatz. Denn die zukünftige Verfügbarkeit biogener Brennstoffe ist unsicher – nicht zuletzt durch konkurrierende Nutzungsansprüche. Daraus entstehen auch rechtliche Unsicherheiten: Gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG) tragen die Gasversorger vor Ort die Verantwortung und somit auch das Haftungsrisiko für den Fall, dass eine Versorgung mit erneuerbaren Gasen dauerhaft nicht gelingt.

Hinzu kommt: Biogas ist nicht klimaneutral. Laut KWW Technikkatalog entstehen durchschnittlich 120 g CO₂-Äquivalente pro kWh – etwa halb so viel wie bei Erdgas, aber weit entfernt von „Netto-Null“.

Fazit

Biogas kann unter günstigen Rahmenbedingungen einen Beitrag zur Wärmewende auf kommunaler Ebene leisten. Es kann die regionale Wertschöpfung stärken, zur Preisstabilität beitragen und bestehende Infrastruktur nutzen.
Bei der kommunalen Wärmeplanung müssen jedoch auch die Grenzen bedacht werden: Biogas verursacht weiterhin Treibhausgasemissionen, wodurch keine klimaneutrale Versorgung sichergestellt werden kann. Bei einer langfristig geplanten Nutzung von Biogas stellt sich daher die Frage, wie mit den Restemissionen umgegangen wird, um eine klimaneutrale Versorgung erreichen zu können.

Kontakt

Dr. Georg K. Schuchardt

0151 526 324 75
georg.schuchardt [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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