Eckpunktepapier

Biotreppe im Gebäudemodernisierungsgesetz: Warum der Wärmesektor mehr braucht als grüne Gase

Mit dem Eckpunktepapier des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie die Wärmeversorgung der Zukunft gestaltet werden kann. Nach den vorliegenden Plänen soll es möglich sein, Gas- und Ölheizungen neu einzubauen, wenn diese zu einem geringen Anteil erneuerbarer Energien nutzen, und zwar entsprechend der so genannten „Biotreppe“. 

Mit dem Eckpunktepapier des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie die Wärmeversorgung der Zukunft gestaltet werden kann. Wir haben in unserem Sondernewsletter vom 05.03.2026 zum GMG berichtet. Eine wesentliche Änderung gegenüber dem geltenden Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist der Wegfall der Verpflichtung, dass neu eingebaute Heizungen erneuerbare Energien nutzen müssen mit einem Anteil von mindestens 65 Prozent. Statt dieser Verpflichtung soll es nach den vorliegenden Plänen möglich sein, Gas- und Ölheizungen neu einzubauen, wenn diese zu einem geringen Anteil erneuerbarer Energien nutzen, und zwar entsprechend der so genannten „Biotreppe“. Sie beschreibt das politische Vorhaben, den Einsatz klimafreundlicher Gase wie Biomethan, Wasserstoff oder synthetisches Erdgas schrittweise zu steigern. Ziel ist es, den Anteil erneuerbarer Energien im Gebäudesektor zu erhöhen. 

Begrenzte Verfügbarkeit – hoher Energiebedarf

Ab 2028 ist zunächst eine vergleichsweise geringe Beimischungsquote von 1 % vorgesehen, die heute schon bei etwa 1–2 % liegt. Ab dem 1. Januar 2029 soll für neu installierte Heizungen eine Grüngasquote von 10 % gelten, was bei einem Austausch alter Gasheizungen durch neue zu einem schrittweisen Anstieg des Bedarfs führen würde. Ein Blick in die Energiebilanz verdeutlicht jedoch die Grenzen: Um im Bestand eine 10 %-Quote ausschließlich mit Biomethan zu erreichen, wären rund 22,5 TWh erforderlich.

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland jedoch lediglich 10,7 TWh Biomethan eingespeist. Und auch diese Menge stand nur teilweise für die Wärmeerzeugung zur Verfügung. Etwa 5,5 TWh wurden in Blockheizkraftwerken zur gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, weitere 3,56 TWh flossen in die Kraftstoffproduktion. Für die ausschließliche Wärmeproduktion kamen laut der Deutschen Energieagentur (dena) 0,68 TWh zum Einsatz. Bereits hier wird eine große Lücke sichtbar, die sich vermutlich nur schwer schließen lässt – denn eine Ausweitung der inländischen Biomethanproduktion ist nur begrenzt möglich, da sie zu einer Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion führen kann.

Zu der inländischen Produktion kamen im Jahr 2024 noch 3,5 TWh Importmengen, vor allem aus Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden, hinzu. Doch auch diese Lieferländer verfügen nicht über ausreichende Exportvolumina, um eine etwaige künftig steigende Nachfrage Deutschlands zu decken. Zwar soll die Einspeisung von Biomethan ins europäische Netz bis 2030 auf rund 72,8 TWh anwachsen (dena), diese Menge verteilt sich jedoch auf alle EU-Staaten und wird den durch die Biotreppe ansteigenden deutschen Bedarf nicht vollständig abdecken können.

Wasserstoff und synthetisches Erdgas: Noch keine Lösung für den Wärmemarkt

Auch andere klimafreundliche Gase können kurzfristig keine Entlastung bieten. Die inländische Produktion von klimafreundlichem Wasserstoff steckt noch in den Anfängen. Zwar entstehen derzeit zahlreiche Projekte von Elektrolyseuren bis zu H2-Infrastrukturen, doch der Fokus der Wasserstoffwirtschaft liegt bislang klar auf der Industrie und auf energieintensiven Prozessen und nicht auf der dezentralen Wärmeversorgung.

Importe von klimafreundlichem Wasserstoff befinden sich ebenfalls erst im Aufbau, und gesicherte Lieferverträge in nennenswertem Umfang existieren noch nicht. Auch synthetisches Erdgas (SNG), das durch Methanisierung von Wasserstoff mit CO₂ entsteht, ist derzeit technologisch verfügbar, aber wirtschaftlich und mengenmäßig nicht marktrelevant. Entsprechend kann es kurzfristig keine tragende Rolle im Gebäudesektor übernehmen.

Nutzungskonkurrenzen treiben die Preise

Die knappe Verfügbarkeit grüner Gase führt zu Nutzungskonkurrenzen: Industrie, Energieerzeugung und Verkehr beanspruchen die gleichen Ressourcen wie der Gebäudesektor. Da sich Biomethan unter anderem wegen begrenzter landwirtschaftlicher Flächen nicht beliebig ausweiten lässt, steigt der Preisdruck. Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf private Haushalte aus, denn sie führt zu höheren Heizkosten, wenn Gas als Energieträger bleibt.

Fazit: Biotreppe mit Nebenwirkungen

Die Biotreppe verfolgt mit der schrittweisen Verdrängung von fossilen Energieträgern ein richtiges Ziel. In der Praxis führt die geringe Verfügbarkeit grüner Gase jedoch dazu, dass die Kosten für das Heizen steigen und der Importbedarf zunimmt.

Für viele Gebäude bieten sich wirtschaftlich attraktivere und langfristig sichere Alternativen an. Anwendungen wie Wärmepumpen senken nicht nur den Primärenergiebedarf, sondern reduzieren auch die Abhängigkeit von Energieimporten und erhöhen dadurch die Resilienz des Energiesystems.

Kontakt

Yvonne Bönner

0170 207 216 7
yvonne.boenner [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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