Nachlese

Die Wärmewende auf ostfriesischen Inseln – mit Langeoog, Norderney und Borkum

Die Ausgestaltung der Wärmewende ist abhängig von den jeweiligen lokalen Gegebenheiten. Ganz besondere Rahmenbedingungen haben dabei die ostfriesischen Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Am 19. November 2025 haben gleich drei der ostfriesischen Inseln Einblicke in ihre Aktivitäten rund um die Wärmewende gegeben und spannende Ansätze vorgestellt, die auch über den Inselkontext hinaus relevant sind.

Langeoog

Zum Auftakt erläuterte Thomas Hönscheid, Klimaschutzmanager der Inselgemeinde Langeoog, die besonderen infrastrukturellen Anforderungen der Insel. Anschließend stellte er Erkenntnisse aus der Wärmeplanung sowie aus dem integrierten Klimaschutzkonzept vor.

Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere die Nutzung von Solarenergie und Umweltwärme zentrale Bausteine für eine zukünftige treibhausgasneutrale Energieversorgung auf Langeoog darstellen. Ausschlaggebend hierfür sind unter anderem die eingeschränkten Möglichkeiten zur Nutzung von Geothermie auf der Insel.

Für eine Versorgung per Wärmenetz könnte sich der Ortskern anbieten. Dafür soll eine Machbarkeitsstudie vorangetrieben werden, in der auch kommunale Liegenschaften als möglicher Nukleus für die Wärmeerzeugung berücksichtigt werden sollen. Um die Energie- und Wärmewende weiter zu unterstützen sind außerdem die Sanierung von kommunalen Liegenschaften, die Festsetzung von Klimaschutz und Klimafolgenanpassung in der Bauleitplanung der Inselgemeinde sowie die Verstetigung verschiedener Info- und Beteiligungsformate vorgesehen.

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Auf Langeoog wird die Wärmewende vorangetrieben. Bildquelle: AdobeStock_97750564

 

Norderney

Im Anschluss berichtete Holger Schönemann, Geschäftsführer der Stadtwerke Norderney, über die zentrale Rolle der Stadtwerke als einziger Netzbetreiber für Strom, Wärme und Gas auf der Insel. Er hob dabei insbesondere die enge Zusammenarbeit mit den städtischen Abteilungen und der Ortshandwerkerschaft hervor.  

Um die Energiewende auf Norderney gezielt voranzubringen, haben die Stadtwerke eine umfangreiche BEW-Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Vorstudien vorbereitet. Damit sollen die lokalen Möglichkeiten für eine leitungsgebundene Wärmeversorgung in Verbindung mit erneuerbaren Energien näher untersucht werden. Nach erfolgreicher Antragstellung für eine Förderung bei der BAFA konnte die Machbarkeitsstudie im September 2024 im Rahmen eines Vergabeprozesses vergeben werden. Die Vergabe erfolgte anhand eines Punktesystem, welches zu 70 % die Inhalte und zu 30 % die Kosten berücksichtigte.

Im Rahmen dieser Studie soll unter anderem ein digitaler Zwilling als Abbildung der Insel aufgebaut werden. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten eines Wärmenetzes sowie verschiedene erneuerbare Energiepotenziale analysiert. In diesem Zusammenhang wurden bereits erforderliche Untersuchungen zur Süßwasserline unterhalb der Insel durchgeführt und abgeschlossen. Die Vorstudie liefert wichtige Anhaltspunkte für weiterführende Planungen zum Einsatz von Salzwasserbrunnen oder oberflächennaher Geothermie auf Norderney.

Ergänzend liegt bereits eine Studie zum Einsatz von Meerwasserwärmepumpen vor, die Erkenntnisse zur Auslegung der Anlagen sowie zu relevanten Aspekten für die weitere Planung liefert. Die weiterführende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die Erschließung und den Betrieb eines Wärmenetzes sowie die Kommunikation mit relevanten Stakeholdern sind für 2026 geplant.

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Borkum

Abschließend stellten Gerhard Begemann und Olaf Look von der Nordseeheilbad Borkum GmbH den aktuellen Stand der Wärmewende auf Borkum vor. Auf der Insel existieren bereits verschiedene energetische und städtebauliche Konzepte sowie bestehende Wärmenetze. Für deren Umstellung und Ausbau wurde eine Transformationsplanung nach BEW beauftragt.

Geplant ist im ersten Schritt eine Erweiterung des bestehenden Wärmenetzes um ca. 2,5 Kilometer, sodass die Haupttrasse  eine Gesamtlänge von 8,4 Kilometer erreicht. Im Anschluss soll ein schrittweiser Ausbau auf den Großteil der Insel erfolgen. Zur Einspeisung in das Wärmenetz soll Tiefe Geothermie mit einer Bohrtiefe von bis zu 3.700 Metern genutzt werden. Hierfür wurde bereits eine Aufsuchungs-Erlaubnis beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie eingeholt. Das Land Niedersachsen gewährt dem Vorhaben eine Absicherung des Fündigkeitsrisikos in Höhe von 90 %, falls die Bohrungen nicht erfolgreich sind. In einem nächsten Schritt sollen zudem erforderliche seismische Untersuchungen an einem geeigneten Bohrstandort durchgeführt werden. Zusätzlich wird ein strategischer Partner für die Finanzierung des Vorhabens gesucht. Die Entwicklung von Beteiligungsmodellen für die Bürger:innen ist ebenfalls geplant.

Ein weiteres Augenmerkt des Vortrags lag auf der Versorgung mittels Wärme aus der Nordsee. Diese wird in einem Quartier bereits erfolgreich genutzt, indem sowohl Raumwärme als auch Warmwasserversorgung über eine zentrale Wärmepumpenanlage in Verbindung mit einem Speicher bereitgestellt werden. Als Heizzentrale dient ein alter Öltank der Bundeswehr, in dem die Wärmepumpen installiert wurden.

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Kontakt

Eike Bronn

0151 531 460 46
eike.bronn [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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