Gutachten zum Stand der Verkehrswende in Niedersachsen veröffentlicht

Fachgutachten „NeueWege: Wege zur nachhaltigen Mobilität in Niedersachsen“

Ende Mai hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies das Fachgutachten „NeueWege: Wege zur nachhaltigen Mobilität in Niedersachsen" übergeben. Das Gutachten analysiert die Mobilitäts- und Energiewende in Niedersachsen und soll dabei helfen, die im Verkehrssektor ausgegebenen Vorgaben und Ziele wirksam umzusetzen.

Um die Klimaziele zu erreichen, bleibt insbesondere im Handlungsfeld Mobilität viel zu tun – denn auf das Konto des Mobilitätssektors gehen etwa 20 Prozent der Treibhausgasemissionen. Das niedersächsische Umweltministerium hat aus diesem Grund ein Fachgutachten in Auftrag gegeben, das die Verkehrssituation in Niedersachsen analysieren und Handlungsempfehlungen geben sollte.

Die Verkehrssituation in Niedersachsen

Das Gutachten baut dabei auf Daten der im Jahr 2017 veröffentlichten Studie „Mobilität in Deutschland" auf und umfasst die Entwicklungen der letzten 20 Jahre. Das DLR stellt dabei zunächst fest, dass das Verkehrsaufkommen (= Anzahl der Wege) im untersuchten Zeitraum zwischen 2002 und 2017 um 7 % zurückgegangen ist (2 % stärker als im Bundesdurchschnitt). Die Verkehrsleistung (Gesamtlänge aller Wege) ist in demselben Zeitraum jedoch um 18 % gestiegen. Der Anstieg der insgesamt zurückgelegten Kilometer bei abnehmender Wegeanzahl bedeutet demnach eine Zunahme der durchschnittlichen Weglänge. Diese Entwicklung ist nicht nur auf Niedersachsen beschränkt, sondern im gesamten Bundesgebiet zu beobachten.

Der Anstieg der Verkehrsleistung in Niedersachsen ist u. a. auch auf eine verstärkte Nutzung des ÖPNV zurückzuführen: Zwischen 2002 und 2017 hat sich die Verkehrsleistung im ÖPNV um etwa 25 Prozent erhöht, im Bundesdurchschnitt sogar um etwa 36 Prozent. Den größten Teil der gestiegenen Verkehrsleistung macht jedoch der motorisierte Individualverkehr (MIV) aus.

Pkw weiterhin meistgenutztes Verkehrsmittel

Beim motorisierten Individualverkehr (MIV) hat sich die Verkehrsleistung in Niedersachsen um etwa 24 Prozent erhöht und damit deutlich stärker als im Bundesschnitt, wo die Verkehrsleistung im MIV zwischen 2002 und 2017 um 17 Prozent angestiegen ist.

Der Pkw hat demnach in Niedersachsen weiterhin die mit Abstand größte Bedeutung. Lediglich in den Metropolen kann der ÖPNV einen zweistelligen Anteil des Verkehrsaufkommens ausmachen (19 Prozent). Auch die Anteile von Wegen zu Fuß oder mit dem Fahrrad fallen in städtischen Gebieten deutlich höher aus als in ländlichen Regionen. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte wird der reduzierte Mobilitätsbedarf in urbanen Gebieten jedoch abgeschwächt – die Metropolregion Hannover sticht beim Energiebedarf für MIV nämlich dennoch als großer Energieabnehmer hervor.

Die gesteigerte Verkehrsleistung im MIV wird auch im wachsenden Pkw-Bestand gut sichtbar: Von 2009 bis 2019 ist der Pkw-Bestand in Niedersachsen von knapp 4,1 Millionen auf gut 4,7 Millionen Pkw angestiegen. Dieser Umstand zeigt sich auch in der steigenden Anzahl der Wege, die unter der Rubrik „Pkw als Fahrer/in" erfasst sind; in der Personen die Wege also mit dem eigenen Pkw zurückgelegt haben. Diese sind von 2002 bis 2017 um sechs Prozentpunkte auf einen Anteil von 47 % gestiegen. Der Anteil der Wege als „Mitfahrer im Pkw" ist hingegen leicht zurückgegangen, was einen abnehmenden Pkw-Besetzungsgrad aufzeigt.

DLR gibt Handlungsempfehlungen

Die Zahlen zeigen, dass im Verkehrssektor in Niedersachsen noch einiges zu tun ist. Doch mit welchen Maßnahmen kann die Verkehrswende konkret umgesetzt werden? Das DLR hat in diesem Zusammenhang die bestehenden Hemmnisse und Herausforderungen analysiert, die heute die Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte und die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor erschweren.
Um diese Hemmnisse abzubauen und eine neue Mobilitätskultur zu etablieren, braucht es laut Gutachten einen ganzheitlichen Ansatz, der sektorenübergreifend alle relevanten Gruppen aus dem Verkehrs- und Energiesektor einbezieht:

Bevorzugung des Pkw abbauen

Anstelle von steuerlichen Privilegien für Dienstwagen können Konzepte wie die Bereitstellung von Mobilitätsbudgets im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements zur Entstehung nachhaltigen Verhaltens beitragen. Mit der neuen Impulsberatung „Betriebliches Mobilitätsmanagement" bietet die KEAN für niedersächsische Unternehmen ein Angebot, das bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte unterstützt.

Umstieg zur E-Mobilität

Für den Umstieg zur E-Mobilität sollte die Ladeinfrastruktur im privaten und öffentlichen Bereich stärker ausgebaut und die Fahrzeuganschaffung gefördert werden (aktuelle Förderprogramme finden Sie hier).
Um die nachhaltige Zusammensetzung der Pkw-Flotte zu beschleunigen, kann zudem die CO2-Bepreisung ein wirksames Instrument sein. Hierfür sei jedoch laut DLR ein höheres Preisniveau nötig, als es aktuell vorliegt.

Ausbau der Erneuerbaren

Um die Klimaziele im Mobilitätssektor zu erreichen, ist ein verstärkter Ausbau der Erneuerbaren nötig. Um den Verkehr vollständig mit nachhaltige Antriebstechnologien auszustatten, seien deutlich höhere Zubauraten nötig, um den nötigen erneuerbaren Strom zu produzieren.

Ausbau des ÖPNV

Um die Rolle des ÖPNV zu stärken, sollte laut DLR in den Städten das Angebot in Spitzenlastzeiten erweitert werden. In ländlichen Bereichen müsse die Taktfrequenz ganztätig ausgebaut werden und kostengünstige Anbindungen in Innenstädte geschaffen werden, um das ÖPNV-Angebot gegenüber dem MIV attraktiver zu gestalten.

Ausbau der Fahrradinfrastruktur

Um den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf das Fahrrad zu fördern, müssen Kommunen eine sichere und attraktive Infrastruktur für Radfahrende vorhalten. Das KEAN Angebot „Impulsberatung Fahrrad-Mobilität" bietet Kommunen dabei Unterstützung und hilft bei den ersten Planungsschritten.

Fazit
Durch ÖPNV-Förderung, den Ausbau der Fahrradinfrastruktur, die Förderung alternativer Mobilitätskonzepte, den Mut zum Umbau von Strukturen und zur Neuverteilung des Straßenraums kann die Verkehrswende gelingen. Unterschiedliche infrastrukturelle Voraussetzungen zwischen dem ländlichen und dem urbanen Raum sind nach wie vor groß und bei der Ausgestaltung von Maßnahmen zu berücksichtigen. Es mangelt jedoch nicht an Ideen und Konzepten, sondern vor allem an deren konsequenter Umsetzung.
Die KEAN setzt hier mit ihren Beratungsangeboten an, um die relevanten Akteure der Verkehrswende dabei zu unterstützen, die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für eine nachhaltige Mobilität zu schaffen.

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