Transformation

Grüngasquote – Eine Chance für den Wasserstoffhochlauf?

Der Aufbau des Wasserstoffmarktes schreitet weiterhin nur langsam voran – nicht zuletzt, weil der Absatzmarkt bislang noch unzureichend entwickelt ist. In diesem Zusammenhang wird derzeit die Einführung einer Grüngasquote diskutiert – auch mit Blick auf den Koalitionsvertrag (Zeile 157/158), der ähnliche Instrumente vorschlägt. Doch inwieweit könnte eine solche Quote tatsächlich dazu beitragen, den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen? Und welche anderen, möglicherweise wirksameren Ansätze könnten darüber hinaus verfolgt werden?   

Eine Grüngasquote ist ein politisches Instrument, mit dem der Anteil klimafreundlicher Gase im Gasverbrauch schrittweise erhöht werden soll. Dazu werden Gasversorger bzw. Inverkehrbringer von fossilem Gas verpflichtet, einen wachsenden Anteil ihres Absatzes durch erneuerbare oder CO₂arme Gase wie Biomethan, Wasserstoff oder synthetisches Methan zu ersetzen oder entsprechende Treibhausgas-Minderungen nachzuweisen. 

Quoten können grundsätzlich dazu beitragen, neue Märkte in Gang zu setzen. Sie sind vor allem dort hilfreich, wo – wie beim Wasserstoffhochlauf – bislang wirtschaftliche Anreize fehlen, grünen Wasserstoff einzusetzen. In diesem Sinne können Quoten im Wasserstoffbereich Investoren mehr Planungssicherheit geben, mittelfristig Kostensenkungen anstoßen und so den Markthochlauf unterstützen. Eine entsprechende Konzeption einer Grüngasquote wurde Seitens Frontier Economics im März dieses Jahres veröffentlicht. Eine detaillierte Betrachtung der Frontier Economics Studie zur Grüngasquote ist in der im November dieses Jahres veröffentlichten Einordnung vom Institut der Wirtschaft in Köln und dem Wuppertal Institut zu finden. 

Es ist jedoch nicht garantiert, dass eine entsprechende Grüngasquote die gewünschten Effekte erzielt. Es ist davon auszugehen, dass die Grüngasquote kurz nach ihrer Einführung aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Wasserstoff zunächst über Biomethan gedeckt wird. Um gezielt Anreize für den Wasserstoffhochlauf zu setzen, wäre demnach zusätzlich auch eine Mindestwasserstoffquote innerhalb der Grüngasquote erforderlich. Gleichzeitig kann eine Grüngasquote die eigentliche Transformation verlangsamen, da sie den Anreiz für Unternehmen mindert, ihre Prozesse auf klimafreundlichere Technologien (bspw. Elektrifizierung) umzustellen. Zudem werden die entstehenden Mehrkosten über den Gaspreis auf sämtliche Kundengruppen umgelegt – einschließlich privater Haushalte, die dadurch zusätzlich finanziell belastet werden. 

Kann eine Grüngasquote den Wasserstoff-Hochlauf befördern?

Hinzu kommt das Risiko von Nutzungskonflikten: Beim dringend notwendigen Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes kann eine Grüngasquote dazu beitragen, dass sich der Ausbau verzögert, weil nicht genügend Wasserstoff für das Kernnetz bereitsteht. Außerdem stellt sich auf der Nachfrageseite die Frage, ob für zentrale Branchen – etwa die Grundstoffindustrie – ausreichend Wasserstoff verfügbar wäre, wenn ein erheblicher Teil der verfügbaren Mengen im Gasnetz gebunden würde. 

Grüne Leitmärkte und sektorale Quoten – etwa eine Grünstahl- oder E-Kerosin-Quote – sind aus fachlicher Sicht deutlich zielgerichteter als eine allgemeine Grüngasquote, weil sie unmittelbar jene Anwendungen fördern, in denen Wasserstoff und seine Derivate technisch unverzichtbar sind. Die ursprünglich auf Bundesebene geplante, dann aber wieder gestrichene E-Kerosin-Quote im Luftverkehr von 0,5% ab 2026 hätte genau einen solchen zielgerichteten Nachfrageimpuls ausgelöst und Investitionen in entsprechende Projekte angereizt. Stattdessen wird eine E-Kerosin-Quote nun erst im Jahr 2030 über die ReFuelEU Aviation in Höhe von 1,2 % vorgesehen. 

Fazit: Eine allgemeine Grüngasquote ist nur bedingt geeignet, den Wasserstoffhochlauf voranzutreiben. Eine konsequente Fokussierung von Quoten auf diejenigen Sektoren, in denen es keine tragfähigen Alternativen zu Wasserstoff und E-Fuels gibt – etwa bestimmte Bereiche der Grundstoffindustrie oder des Luft- und Schiffsverkehrs – wäre aus systemischer Perspektive wesentlich schlüssiger. Eine gezielte Quotensetzung würde verhindern, dass knappe klimaneutrale Moleküle in weniger geeignete Anwendungen fließen, und könnte gleichzeitig die Dekarbonisierung in den wirklich auf Wasserstoff und E-Fuels angewiesenen Sektoren vorantreiben.   

Kontakt

Dr. Alexander Bedrunka

0151 619 872 56
alexander.bedrunka [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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