INTERVIEW MIT DER VERNETZUNGSSTELLE SENIORENERNÄHRUNG NIEDERSACHSEN

Klimaschutz in der Gemeinschaftsverpflegung – Welche Anlaufstellen gibt es?

Nachhaltige Verpflegung spielt auch in der Altenpflege eine immer wichtigere Rolle. Im KiSs-Projekt stellen wir Akteure und gute Beispiele vor, die zeigen, wie eine gesundheitsfördernde und klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung umgesetzt werden kann. Wir haben mit Céline Düzdag gesprochen, die uns einen Einblick in die Arbeit der Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen gibt.

Pro stationärem Pflegeplatz fallen ca. 30 % der Treibhausgas-Emissionen durch die Verpflegung an. Hier steckt also großes Potenzial für wirksamen Klimaschutz. Die Möglichkeiten reichen von mehr pflanzlichen Gerichten über weniger Lebensmittelabfälle bis hin zu smarten Nudging-Strategien.

Im Rahmen des KiSs-Projekts stellen wir Akteure und gute Beispiele für eine klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung vor: Die Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen der DGE-Sektion ist Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung im Alter. Die Vernetzungsstelle vermittelt aktuelles Fachwissen und bietet eine praxisnahe Unterstützung für eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Verpflegung älterer Menschen. Als Teil des vierköpfigen Teams bietet uns Celiné Düzdag einen Einblick in das diverse Arbeitsfeld der Vernetzungsstelle.

KEAN: Frau Düzdag, zu Ihrer Zielgruppe gehören Senior:innen sowie deren Angehörige und (Pflege-)Fachkräfte. Können Sie sich und Ihre Ziele kurz vorstellen?

Céline Düzdag: Die Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen ist Teil der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. - Sektion Niedersachsen (DGE-NI) und wurde 2019 im Rahmen der IN FORM-Initiative mit Fördermitteln des BMLEH und des ML ins Leben gerufen. Seit 2025 werden wir ausschließlich durch das ML gefördert.

Unser Ziel ist es, die Verpflegungssituation von Senior:innen in Niedersachsen zu verbessern und die Qualität der Verpflegungsangebote zu steigern. Dabei ist es uns besonders wichtig, bei unseren Maßnahmen auf die Wünsche der verschiedenen Zielgruppen einzugehen. Für Fachkräfte in Senioreneinrichtungen bieten wir z.B. Inhouse-Schulungen und Online-Seminare an. Pflegende Angehörige und Senior:innen selbst laden wir zu Vorträgen oder Koch-Treffs ein – oftmals in Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren. Außerdem gestalten wir Informationsmaterialien rund um das Thema „Essen und Trinken im Alter“. Besonders gefragt sind dabei unsere Rezeptkarten.

KEAN: Was zeichnet eine klimafreundliche Ernährung für Senior:innen aus und welche Rolle spielen pflanzliche Proteinquellen, wie z. B. Hülsenfrüchte?

Düzdag: Ökologisch nachhaltig zu essen bedeutet, sich mit Mahlzeiten aus überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Wer sich überwiegend von Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und pflanzlichen Ölen ernährt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern schont dabei die Ressourcen der Erde. Eine solche Ernährungsweise besteht aus ökologisch, regional, saisonal und fair produzierten Lebensmitteln mit geringem Verarbeitungsgrad, wie sie beispielsweise in den DGE-Qualitätsstandards formuliert ist.

Pflanzliche Proteinquellen spielen insbesondere bei älteren Menschen eine wichtige Rolle, da im Alter der körperliche Bedarf an Proteinen u.a. für den Muskelerhalt steigt. Hülsenfrüchte sind ein wichtiger Lieferant für pflanzliches Protein. Das Protein aus Hülsenfrüchten kombiniert mit Getreide oder Kartoffeln ist eine gute Alternative zu Proteinen aus tierischen Lebensmitten wie Fleisch oder Eiern.

KEAN: Die Vernetzungsstelle hat auch an dem Projekt „Wohl.Fühlen trotz(t) Hitze“ mitgewirkt. Was können Pflegeeinrichtungen und Senior:innen präventiv und kurativ bei der Verpflegung tun, wenn sich eine Hitzewelle ankündigt?

Düzdag: An heißen Tagen ist es besonders wichtig auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten – sowohl bei den Senior:innen als auch bei den Fachkräften vor Ort. Trinksprüche oder Spiele wie „Trink-Bingo“ können die Bewohnenden dabei sehr motivieren zum Trinkbecher zu greifen. Ein weiterer Tipp ist es, die Getränke schön anzurichten, z.B. Wasser oder abgekühlte Tees mit Kräutern oder Obstscheiben zu versehen. Außerdem ist es wichtig, leicht verdauliche Mahlzeiten anzubieten (z.B. Salate, kalte Suppen) und auf hygienische Lagerung der Lebensmittel zu achten.

Für ausführliche Informationen verweise ich an dieser Stelle gerne auf den Leitfaden „Wohl.Fühlen trotz(t) Hitze“. Dieser zeigt, wie Hitzeschutz und Gesundheitsförderung im (teil-)stationären Pflegealltag erfolgreich umgesetzt werden können, wobei die hitzeangepasste Ernährung ein Schwerpunktthema darstellt. Es gibt zudem eine Podcast-Folge bei „Zu Tisch, bitte!“ unserem gemeinsamen Podcast mit der DGE-Sektion Niedersachsen, die sich diesem Thema ausführlich widmet.

KEAN: Welche Ihrer Veranstaltungs- und Weiterbildungsformate stehen dem Fachpersonal aus der Altenpflege zur Verfügung? Gibt es spezifische Angebote zu Klimaschutz in der Verpflegung?

Düzdag: Für die Fachkräfte aus Küche, Pflege, Service und Hauswirtschaft bieten wir zum einen Inhouse-Schulungen und zum anderen Online-Formate, wie Seminare und Fachtage an. Bei den Inhouse-Schulungen ist es uns wichtig, dass die Teilnehmenden alle Bereiche der Verpflegung abdecken, wir also Pflege, Küche, Service, Hauswirtschaft und gerne auch die Einrichtungsleitung an einem Tisch sitzen haben – denn Verpflegung funktioniert nur berufsübergreifend! In unseren Online-Seminaren bedienen wir in diesem Jahr die Themenfelder: Prävention von Mangelernährung, Essen und Trinken bei Kau- und Schluckstörungen sowie kultursensible Seniorenverpflegung und Essen und Trinken an heißen Tagen. Das Thema Klimaschutz ist dabei ein Querschnittsthema, dass in allen Formaten von uns behandelt wird – so stellen wir in den Inhouse-Schulungen z.B. Brotaufstriche aus Hülsenfrüchten her und verkosten diese mit unseren Teilnehmer:innen - ein gesondertes Format gibt es aktuell nicht.

Wer über unser Angebot informiert werden möchte, kann gerne unseren Newsletter abonnieren oder auf der Internetseite der Vernetzungsstelle vorbeischauen.

KEAN: Besten Dank für die vielfältigen Einblicke in die Tätigkeitsfelder der Vernetzungsstelle, Frau Düzdag.


Für Angebote und Informationen rund um das Thema Gemeinschaftsverpflegung des KiSs-Projekts klicken Sie hier.

Kontakt

Gloria Sindermann

0176 899 027 70
gloria.sindermann [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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