Nachlese zur Online-Veranstaltung vom 13. Dezember

Kommunale Wärmeplanung in Niedersachsen

In Niedersachsen und Deutschland wird in Zukunft kein Weg an der kommunalen Wärmeplanung vorbeigehen. Denn immer noch wird Wärme in Niedersachsen zu rd. 90% aus fossilen Energieträgern bereitgestellt. Einhergehende CO2-Emissionen sind mit den Klimaschutzzielen unvereinbar. Daher erklärt sich auch das rege Interesse an unserer Veranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung, während der sich mehr als 100 Teilnehmende zu aktuellen Entwicklungen informiert haben.

Mit der Novelle des niedersächsischen Klimagesetzes setzt sich Niedersachsen deutlich ambitionierte Klimaziele und bringt neue Maßnahmen zur Zielerreichung auf den Weg. Eine dieser Maßnahme ist die Pflicht für Gemeinden/Kommunen, in denen ein Mittel- oder Oberzentrum liegt, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen - eine wichtige Weichenstellung für Niedersachsen in Richtung Wärmewende, Nachhaltigkeit und mehr Energieversorgungssicherheit.

„Mit der Wärmeplanung wird das Ziel verfolgt, durch eine systematische Untersuchung auf kommunaler Ebene Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und damit zur Umsetzung anzuregen und zu motivieren. Im Wesentlichen dient eine kommunale Wärmeplanung der Abstimmung von Wärmepotenzialen und Wärmesenken auf der Basis einer fundierten Datengrundlage", zitierte Lothar Nolte, Geschäftsführer der KEAN, während seiner Begrüßung aus der Begründung zum niedersächsischen Klimagesetz.

Auch auf Bundesebene wird das Thema intensiv vorangetrieben. Zur Unterstützung wird aktuell das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) in Halle an der Saale aufgebaut. Lukas von Below vom KWW erläuterte zunächst den Diskussionsstand zur kommunalen Wärmeplanung auf Bundesebene, bevor er anschließend das KWW als Kompetenzstelle des Bundes zur angewandten Kommunale Wärmeplanung näher vorstellte. Das KWW setzt dabei einen Fokus auf die Bereitstellung von Beratungsmaterialien und -formaten und bietet Vernetzung, Wissensaufbau und -transfer sowie die hierfür nötige Kommunikation.

Dr. Georg Schuchardt von der KEAN hob in seinem Vortrag die Bedeutung und die Chancen der kommunalen Wärmeplanung als planerischen Startpunkt für die Entwicklung einer klimafreundlichen Wärmeversorgung im Gesamtgebiet einer Kommune heraus. Hierzu gilt es, vor Ort einen Meinungsbildungsprozess anzustoßen und für die Herausforderungen der Wärmewende zu sensibilisieren. Nach einer Vorstellung der Inhalte der kommunalen Wärmeplanung wurden Mythen rund um dieses Thema erörtert und ausgeräumt. Dr. Schuchardt betonte dabei, dass die kommunale Wärmeplanung mehr ist als eine Wärmenetzplanung oder der reine Ausbau erneuerbarer Wärme.

Die neue gesetzliche Pflicht für niedersächsische Kommunen wurde von Dr. Enke Franck aus dem niedersächsischen Umweltministerium präsentiert. In Niedersachsen werden ab dem 01.01.2024 die 95 niedersächsischen Mittel- und Oberzentren dazu verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung durchzuführen und bekommen dafür ab diesem Zeitpunkt einen Kostenausgleich. Wichtig: Damit sind diese Mittel- und Oberzentren von der Förderung der Kommunalen Wärmeplanung bereits jetzt ausgeschlossen. Abschließend gab Frau Dr. Franck einen Ausblick auf die neue Legislatur. Sie rechnet mit einer weiteren Novellierung des NKlimaG im Laufe des nächsten Jahres, in der es vermutlich zu einer weiteren Anhebung der Ziele kommt. Zudem sieht der Koalitionsvertrag eine Prüfung vor, ob kommunale Pflichten ausgeweitet werden können, u.a. für die kommunale Wärmeplanung. 

Um den niedersächsischen Kommunen zu helfen, die ersten Schritte in Richtung der kommunalen Wärmeplanung zu gehen, wird derzeit im Auftrag des Landes eine digitale Wärmebedarfskarte für Niedersachsen erarbeitet. Dr. Dorothea Ludwig von der IP SYSCON GmbH stellte den aktuellen Bearbeitungsstand und die Methodik des Vorhabens vor. Sie führte aus, wie der Heizwärmebedarf der niedersächsischen Wohn- und Nichtwohngebäude modelliert wird und erläuterte, dass es sich hierbei um den berechneten Wärmebedarf und nicht den gemessenen Wärmeverbrauch handelt. Nach Fertigstellung der Wärmebedarfskarte wird den Kommunen ein Geodatensatz zur Verfügung gestellt, der bei Bedarf weiterbearbeitet und bspw. durch Verbrauchsdaten ergänzt werden kann.

Quintessenz aller Vorträge: Eine kommunale Wärmeplanung durchzuführen, ist dringend notwendig, um sich eine klare Vorstellung über die Ausgangssituation zu verschaffen und gemeinsam mit den beteiligten Akteuren vor Ort konkrete Entwicklungspfade zu definieren. Nur so können die notwendigen Schritte zielgerichtet und gemeinsam hin zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung gegangen werden.

 

Die Vorträge zum Download (PDF) und bei youtube: 

Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (Lukas von Below, KWW)

Kommunale Wärmeplanung - Ein Überblick (Dr. Georg Schuchardt, KEAN)

Die kommunale Wärmeplanung wird Pflicht (Dr. Enke Franck, Nds. Umweltministerium)

Digitale Wärmebedarfskarte für Niedersachsen (Dr. Dorothea Ludwig, IP SYSCON GmbH)

 

Hier finden Sie die entsprechenden Video-Vorträge bei youtube zum Ansehen.

 

Kontakt

Patrick Nestler

0511 89 70 39-27
patrick.nestler [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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