Flexibilitäten stärken: Speicher, Elektrolyseure und flexible Lasten
Umso wichtiger sind Flexibilitäten, die in Überschussphasen erneuerbaren Strom zeitlich verschieben können. Großbatteriespeicher, Elektrolyseure sowie flexible Lasten können hier helfen, Engpässe zu reduzieren und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern – gerade in kapazitätslimitierten Netzgebieten.
Anstatt den Zubau neuer EE-Anlagen zu begrenzen, sollte der Fokus daher auf der Integration von Flexibilitätslösungen liegen. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch Effizienzmaßnahmen, etwa die Überbauung von Netzverknüpfungspunkte, bislang kaum genutzt werden. Wo Gebiete nach der genannten Definition als „kapazitätslimitiert“ gelten, muss der Netzausbau außerdem prioritär durch gezielte Optimierung, Verstärkung und Erweiterung der Netzinfrastruktur durchgeführt werden. Im Referentenentwurf ist unter § 14 Absatz 1d (neu) EnWG in der Tat vorgesehen, in den kapazitätslimitierten Gebieten „die Abnahme, Übertragung und Verteilung des Stroms aus EE sicherzustellen und die Kapazitätslimitierung schnellstmöglich zu beheben.“ Wie dies sichergestellt werden soll, ist jedoch nicht beschrieben.
Offene Punkte und Herausforderungen im Netzpaket
Viele Fragen bleiben bei dieser Maßnahme in ihrer aktuellen Fassung bisher offen:
- Wie viele Netzgebiete wären derzeit als kapazitätslimitiert einzustufen?
- Könnten in windreichen Regionen künftig Photovoltaik-Anlagen abgelehnt werden, obwohl sie sich in der Erzeugung ergänzen und die Netzsituation nicht verschärfen?
- Warum wird die Begrenzung auf bis zu 10 Jahren festgelegt? Welche konkreten Anforderungen sollten Netzbetreiber in diesem Zusammenhang erfüllen, um die Engpässe schnell zu beheben?
Das Netzpaket greift zentrale Probleme des Stromsystems auf und setzt wichtige Impulse für mehr Transparenz, Digitalisierung und Effizienz im Netzanschlussverfahren. Kritisch bleibt jedoch die geplante Einführung kapazitätslimitierter Netzgebiete: Statt Anschlussverbote zu riskieren, sollte der Fokus auf dem Ausbau von Flexibilitäten und einem beschleunigten Netzausbau liegen. Nur wenn Speicherkapazitäten, Elektrolyseure, flexible Lasten und Netzverstärkungen gezielt gefördert werden, kann der Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Klimaziel 2045 in Einklang gebracht werden.