Zu den besonderen Herausforderungen zählen insbesondere die rechtssichere Gestaltung von Vergabeverfahren sowie die praktische Nachweisführung von Nachhaltigkeitskriterien bei unterschiedlichen Produktgruppen.
Im Rahmen unserer Kooperationsveranstaltung mit dem Niedersächsischen Städtetag (NST) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) zeigten die Referent:innen der SKEW anhand praktischer Übungen, wie Kommunen den Kompass Nachhaltigkeit einsetzen können, um Praxishürden aktiv zu senken.
Viel Interesse, aber noch wenig Verbindlichkeit
Eine Umfrage unter den Teilnehmenden bestätigte: Die Bedeutung nachhaltiger Beschaffung wird hoch eingeschätzt, fest in den Verwaltungsabläufen verankert ist sie aber vielerorts noch nicht. Entsprechend groß ist der Wunsch nach klaren Regelungen, verständlichen Arbeitshilfen und mehr Sicherheit bei der Umsetzung.
Zukünftig besonders relevant für die Teilnehmenden sind die Bereiche Fahrzeuge und Mobilität sowie Papier und Bürobedarf. Aber auch Bauleistungen, IT und Hardware, Möbel, Reinigungsmittel und die Verpflegung spielen eine wichtige Rolle im Verwaltungsalltag und damit auch für die Beschaffung. Den mit Abstand größten fachlichen Unterstützungsbedarf sehen die Teilnehmenden bei Bauleistungen und Baustoffen.
Es wurde deutlich, dass es keinen einheitlichen oder allgemein gültigen Einstieg gibt. Vielmehr kann jede Kommune dort ansetzen, wo konkrete Beschaffungsvorhaben anstehen oder in einem Fachbereich bereits entsprechendes Interesse besteht.
Der Kompass Nachhaltigkeit bietet, was Kommunen jetzt brauchen
Gute Gründe für nachhaltige Beschaffung gibt es viele: Der vernünftige Umgang mit Ressourcen und Lebensgrundlagen geht häufig mit einer Senkung langfristiger Kosten einher. Zugleich setzen öffentlich Beschaffende erhebliche Marktanreize für nachhaltige Produkte, faire Arbeitsbedingungen und robustere Lieferketten. Kommunen nehmen zudem gegenüber Bürger:innen und ortsansässigen Unternehmen eine wichtige Vorbildfunktion ein.
Das Vergaberecht bietet dafür den nötigen Raum: § 97 GWB empfiehlt ausdrücklich, soziale und ökologische Kriterien bei öffentlichen Vergaben zu berücksichtigen. Entscheidend ist demnach, eigene Nachhaltigkeits-Anforderungen nachvollziehbar zu formulieren und geeignete Nachweise vorzusehen.
Hier setzt der Kompass Nachhaltigkeit der SKEW an: Das kostenfreie Online-Angebot unterstützt Kommunen bei der Anwendung verlässlicher Gütezeichen und bietet Vergabeunterlagen, konkrete kommunale Beispiele, einen Beschaffungsmonitor sowie Seminare, E-Learning- und Beratungsangebote kostenfrei an.
Die Beispiele reichen von fair beschafften Natursteinen über nachhaltige Verpflegung und Textilien bis zu Büromöbeln. Kommunen können hierbei auf viele erprobte Ansätze zurückgreifen.