Etablierter Branchentreff für Fachleute aus Politik, Industrie, Behörden und Forschung

Nachlese zur 12. Norddeutschen Geothermietagung

Nachdem die Geothermietagung im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie noch ausgefallen war, wurden in diesem Jahr am 05. und 06. Mai wieder aktuelle Themen rund um die oberflächennaher Geothermie diskutiert – erstmals im Online-Format. Das Augenmerk der diesjährigen Tagung lag auf der Bedeutung der Wärmepumpe für den Klimaschutz und den Rahmenbedingungen für die weitere Ausbreitung der Technologie, ergänzt um eine Vielzahl von Praxisberichten.

Klimaschonend und zuverlässig – so zeigen sich Wärmepumpensysteme in immer mehr Praxisbeispielen. Sowohl bei der Beheizung, als auch bei der Kühlung von Gebäuden sind sie eine verlässliche und unumstrittene Säule der Energiewende. Zudem wichtig für Niedersachsen als Windstromland Nr. 1: Der Heizwärmebedarf ist in windstromreichen Zeiten am größten und kann so direkt mit grünem Strom gedeckt werden. So ist die Wärmepumpe eine ideale Ergänzung zur Windkraft.

Als erstes Fazit der Tagung ist somit festzuhalten: Mit der Wärmepumpe steht eine bewährte Technologie zur Verfügung, mit der ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Nun muss sie auch zum Einsatz kommen – auch in Bestandsgebäuden!

Die Wärmepumpe spielt bei der notwendigen Wärmewende eine Schlüsselrolle. Dies hat auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies in seinem Impulsvortrag ausdrücklich zur Sprache gebracht. Zudem betonte er, dass die Wärmewende eine einmalige Chance als Jobmotor sei. Der Minister appellierte an die Teilnehmer der Tagung, sich als Teil der Lösung zu verstehen. Ungeachtet dessen wies Minister Lies darauf hin, auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung die soziale Balance nicht aus den Augen zu verlieren. Darüber hinaus arbeitete Lies – fernab jeglicher noch so attraktiven Förderung – die zentrale Rolle des Handwerks für das Gelingen der Wärmewende heraus.

Handwerk, Handwerk, Handwerk – Zentraler Partner der Wärmewende

Unabhängig von der derzeit attraktiven Förderung des Bundes nimmt das Handwerk grundsätzlich eine zentrale Rolle für die Wärmewende ein. Nur wenn sich das Handwerk der Wärmepumpe verstärkt zuwendet, gelingt es, mit der derzeit attraktiven Förderung des Bundes die Wärmepumpe in die breite Anwendung zu bringen. Dr. Martin Sabel – Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe – unterstrich in seinem Vortrag die derzeit günstigen Förderbedingungen, die im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum im Wärmepumpenmarkt angereizt haben. Er betonte aber auch die Herausforderungen im Bereich der Bestandsgebäude, in denen die erfolgreiche und effiziente Integration von Wärmepumpen eine zum Teil komplexe Aufgabe sei. Die Möglichkeiten des Wärmepumpeneinsatzes in Bestandsgebäuden, auch das wurde deutlich, werden vielfach noch unterschätzt. Hierzu bedarf es nach Einschätzung der Experten eines deutlich verbesserten Informationsangebotes.

Ein Blick über den deutschen Tellerrand hinaus – in die Niederlande – beleuchtete die Entwicklungen in unserem Nachbarland: Der Wärmepumpe wird dort eine ähnlich große Bedeutung für den Klimaschutz beigemessen wie in Deutschland, auch vor dem Hintergrund, dass die niederländische Regierung eine gasfreie Infrastruktur entwickeln will. Der holländische Staat stellt über Zertifizierungsvorschriften die Qualität von Wärmepumpenanlagen sicher.
Dr. Frank-Peter Ahlers von der Handwerksammer Hannover gab zu bedenken, dass sich der größte Teil der Handwerksunternehmen noch in einer Art „Orientierungsphase" befinde, wenn es um die zukünftige Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle geht. Nicht zuletzt die durch den Klimaschutz bedingten Entwicklungen böten eine Vielzahl von Entwicklungsperspektiven. Geschäftsmodelle um die Wärmepumpe stünden dabei in direkter Konkurrenz zu einer Vielzahl anderer Geschäftsfelder. Im Sinne der Wärmewende sei ein großes Potenzial vorhanden, welches es jedoch zu heben gelte.

Hohe Themenvielfalt – Von den Rahmenbedingungen bis zu technischen Details

In den Fachvorträgen wurden die Rahmenbedingungen für den Einbau von Wärmepumpen im Bund und Land dargestellt. Neben der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) und dem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) wurde die Wärmepumpen-Initiative des Landes Niedersachsen vorgestellt. Mit der Landesinitiative wird eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten rund um den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen in Niedersachsen gebündelt und anhand eines Demonstrationsvorhabens in verschiedenen Wärmepumpen-Quartieren in Niedersachsen der Wissenstransfer veranschaulicht. Auch ein Wissensnetzwerk Wärmepumpen mit Partnern aus der Praxis und Wissenschaft wurde gegründet und steht allen Interessierten ausdrücklich offen (Kontakt: Dr. Georg Schuchardt - siehe unten).

Ein weiterer Fokus der Tagung lag dann auf unterschiedlichen technischen Aspekten des Einsatzes von Wärmepumpensystemen. Hierzu gehörte zum Beispiel das Monitoring von Großanlagen mit Wärmepumpen, thermische Wechselwirkungen benachbarter Erdsonden oder aber der Einsatz von „kalter Nahwärme" in Neubaugebieten.
Anhand einiger Praxisbeispiele aus Schleswig Holstein wurden die Vorteile dieses Versorgungskonzeptes erläutert. Im Zuge der Diskussionen wurde dabei deutlich: „Kalte Nahwärme" erscheint aus heutiger Sicht als ein vielversprechendes Konzept zur Wärmeversorgung ganzer Quartiere mit klimaneutraler Wärme. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass auch in Niedersachsen einige solcher „kalten Nahwämenetze" umgesetzt werden sollen, z.B. in Neustadt, Hilter, Damme oder Auhagen.

Die Vorträge der Tagung stehen zeitnah auf der Homepage der Norddeutschen Geothermietagung zum Download bereit.

 

Kontakt

Dr. Georg K. Schuchardt

0511 897039-26
georgkonrad.schuchardt [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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