Bilanz des Niedersächsischen Forums Solarenergie

Photovoltaik spielt wichtige Rolle in einer klimaneutralen Energieversorgung

Der Energieversorgung mit Solarstrom kommt eine zentrale Bedeutung bei der Energiewende in Niedersachsen zu, und es ist möglich, sie rasch auszubauen. Damit Solarstrom sehr schnell fossile Energieträger ersetzen kann, müssen einige Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene verbessert werden, so die Bilanz der Veranstalter. Dann könne die Photovoltaik für die Transformation der Energieerzeugung schon bis 2030 einen erheblichen Beitrag leisten. Auf dem vierten Niedersächsischen Forum Solarenergie zeigten Forscher und Praktiker auf, was Photovoltaik im künftigen Energiesystem beitragen kann und auf welchen Feldern sie schon jetzt erfolgreich zum Einsatz kommt. Mit Umweltminister Olaf Lies diskutierten sie, was jetzt in Niedersachsen für einen erfolgreichen Ausbau der Stromerzeugung durch Photovoltaik zu tun ist. Wissenschaftsminister Björn Thümler betonte das hohe Niveau der Solarenergieforschung in Niedersachsen.

Rascher Ausbau der Photovoltaik in Niedersachsen machbar - dezentrale Versorgung erleichtern - EEG Umlage abschaffen - Solarbranche stärken

 

Große Dachflächen im Fokus

Das Potenzial an geeigneten Dachflächen in Niedersachsen ist groß. Dort können nach Berechnungen des Instituts für Solarenergieforschung in Hameln mehr als 60 Gigawatt Photovoltaik installiert werden. Um schnelle Fortschritte zu erreichen müssen vor allem große Dachflächen auf Gewerbegebäuden und öffentlichen Dächern erschlossen werden. Auf den deutlich kleineren privaten Wohngebäuden erleben Photovoltaik-Anlagen bereits einen Boom.

Wie Kim Radermacher an Beispielen aus der Projektierung großer Dachanlagen zeigte, können diese wirtschaftlich betrieben werden. Für eine Stärkung der dezentralen Versorgung ist es jedoch notwendig, dass neben der Eigenversorgung auch Nachbarschaften mit Solarstrom versorgt werden können. Die derzeit anfallende EEG-Umlage bei einer Lieferung an Dritte, verhindert diesen Weg. Da eine Lieferung des überschüssigen Stroms an Nachbarschaften durch die EEG-Umlage und weitere Vorgaben nicht wirtschaftlich ist, werden große Dachflächen häufig nicht maximal mit PV-Modulen ausgestattet.

Nachbarschaften mit Solarstrom versorgen

Wie der Blick von Prof. Bernd Engel (TU BS) in das Nachbarland Österreich zeigte, wird dort das EU-Recht (EE-Richtlinie und Elektrizitätsbinnenmarkt RL) umfassender umgesetzt als bislang in Deutschland. So können dort lokale Gemeinschaften auf Ortsnetz-Ebene den erzeugten Solarstrom gemeinschaftlich nutzen, Hürden wie Netzentgelte werden gesenkt. Eine solche Herangehensweise sei auch für Deutschland unbedingt wünschenswert. Damit, so Engel, könnten mehr Menschen an der Energiewende teilhaben.

Vor bürokratischen Hürden stehen auch die Eigentümerinnen und Eigentümer von Mietshäusern in Deutschland. Wer Strom vom Dach an seine Mieterschaft liefern will, wird mit der EEG-Umlage belastet. Daran ändert auch der sogenannte Mieterstrombonus nichts, da finanzielle Nachteile bleiben und die rechtlichen Regelungen ausufernd sind.

Teilhabe an Energiewende durch Bürgerenergiegenossenschaften

In Niedersachsen gibt es bereits eine große Zahl an Energiegenossenschaften. Sie ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern in erneuerbare Energien zu investieren. Sie verfügen, so Marcus Biermann von der NaturEnergie Region Hannover über ausreichende finanzielle Ressourcen um PV-Anlagen auf Landesliegenschaften und anderen öffentlichen Gebäuden zu bauen. Ausschreibungen von Projekten sollten jedoch mit längeren Fristen versehen werden, da Genossenschaften mehr Vorlauf als Unternehmen benötigen. Zudem sollten einzelne Lose ausgeschrieben werden und nicht nur Gesamtpakete.

PV-Freiflächenanlagen produzieren Strom am günstigsten

Die weltweit günstigste und zugleich klimaneutrale Stromerzeugung sind PV-Freiflächenanlagen. Wie Arne Radl vom Unternehmen Enerparc erläuterte, liefern Freiflächen-Anlagen, die hierzulande in Ausschreibungen den Zuschlag erhalten, Strom für unter 5 Cent je Kilowattstunde. In Niedersachsen wird diese Chance zur Energieversorgung wenig genutzt. Die Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms (LROP), so Radl, schränken die Verfügbarkeit von Flächen sehr stark ein. Auch die Neufassung des LROP, die derzeit im Entwurf vorliegt, bleibt auf diesem Kurs. Eine transparente Darstellung von Suchräumen sowie die Identifikation geeigneter Flächen durch die Kommunen könnte dieses Dilemma lösen.

Wasserstoff und Batteriespeicher je nach Einsatzfeld

Die häufig vorgebrachten Einwände zu fehlenden Speichermöglichkeiten von Wind- und Solarstrom sind von der technischen Entwicklung bereits überholt. Während Elektrofahrzeuge, die mit erneuerbarem Strom gespeist werden, die wirtschaftlichste Lösung für den Individualverkehr sind, bietet die Herstellung von Wasserstoff vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie und im Schwerlastverkehr. Prof. Rolf Brendel plädierte für einen intensiven PV Zubau in den nächsten 10 Jahren, um die Produktion von grünem Wasserstoff in Niedersachsen voranzubringen. Sein Vortrag steht weiter unten als Video zur Verfügung.

Wie mehrere Praxisbeispiele zeigten, ist Solarstrom relevant für die Sektorenkopplung und kann dezentral erzeugt und verbraucht werden, wenn vor Ort ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Dr. Fabian Sösemann von GP Joule stellte ein regionales Konzept vor, in dem erneuerbare Energien Wasserstoff erzeugen, der unter anderem für Brennstoffzellen-Busse genutzt wird. In einem neuen Wohnquartier in Esslingen ist ein Elektrolyseur eingebunden, um überschüssigen PV-Strom in Wasserstoff umzuwandeln wie Felix Mayer von Green Hydrogen Esslingen zeigte.

Abschlussdiskussion: Wo besteht jetzt Handlungsbedarf?

Handlungsbedarf besteht jetzt

Über den bestehenden Handlungsbedarf, um einen raschen Ausbau der Photovoltaik und damit eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase zu erreichen, gab es weitgehend Einigkeit:

  • Rascher Ausbau von PV in Niedersachsen mit dem Ziel von 65 GW bis 2040 und bis zu 30 GW bis 2030
  • PV auf Dächern, unterstützt durch Fördermittel wie die bestehende Batteriespeicherförderung und Pflichten für Neubauten
  • Abschaffung der EEG Umlage
  • Erleichterung der Belieferung von Nachbarschaften und Quartieren gemäß EU-Richtlinien
  • Beteiligung an der Wertschöpfung von Freiflächen-Anlagen durch eine Kommunalabgabe ähnlich wie bei der Windenergie und Einbeziehung von Bürgerschaft und Kommunen (kommt möglicherweise in Kürze durch Aktualisierung des Bundes-Klimagesetzes)
  • Transparenz zu verfügbaren Freiflächen für PV-Anlagen und Kombination mit Maßnahmen zur Biodiversität
  • Einbeziehung von Bürgerenergiegenossenschaften beim Bau von PV-Anlagen auf öffentlichen Dächern und Mietshäusern
  • Entwicklung der Wasserstoff-Wirtschaft in Niedersachsen
  • Stärkung der Solarbranche in Niedersachsen in Projektierung und Handwerk, der Forschung und längerfristig der Fertigung von Solarzellen und Modulen

An der Abschlussdiskussion nahmen teil: Umweltminister Olaf Lies; Prof. Rolf Brendel, Leitung des Instituts für Solarenergieforschung in Hameln; Arne Radl, Enerparc; Marcus Biermann, NaturEnergie Region Hannover. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich an der Veranstaltung und virtuellen Thementischen.

Das Niedersächsische Forum Solarenergie ist eine gemeinsame Veranstaltung der Klimaschutz-und Energieagentur Niedersachsen, des Instituts für Solarenergieforschung in Hameln (ISFH) und des Energieforschungszentrums Niedersachsen (EFZN).

Photovoltaik in Niedersachsen: Analyse zu Stand, Zubau, Akteuren und Zielen (PDF)

Die folgenden Videos zeigen ein Statement nach Abschluss der Veranstaltung von Umweltminister Olaf Lies und den Vortrag "Photovoltaik in der Transformation des niedersächsischen Energiesystems" von Prof. Rolf Brendel

 

Kontakt

Barbara Mussack

0511 897039 14
barbara.mussack [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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