Was heißt das für eine kleine Dach-PV Anlage in Niedersachsen?
Wir haben mit der Software PV*Sol die Erträge für ein typisches Einfamilienhaus in Hannover simuliert. Grundlage waren ein Jahresstromverbrauch von 4.000 kWh und ein Strompreis von 30 ct/kWh.
Für die Berechnung haben wir marktübliche, optimistische Systemkosten angesetzt:
Als Speicherkapazität wurde 1 kWh pro kWp installierter PV-Leistung angenommen – ein praxisnaher Richtwert, um den Eigenverbrauch zu maximieren.
Berechnete Amortisationszeiten in Jahren:

Die Analyse zeigt:
- Wirtschaftlichkeit sinkt deutlich: Ohne EEG-Förderung verlängert sich die Amortisationszeit deutlich. Bei einer 10‑kWp-Anlage ohne Speicher erhöht sich die Zeit bis zur Kostendeckung auf mehr als das Doppelte – von 11,4 auf 30 Jahre –, wenn der Überschussstrom unentgeltlich abgegeben wird.
- Größe kann zum Risiko werden: Kleine 5‑kWp-Anlagen bleiben dank hohem Eigenverbrauch oft unter der 20-Jahres-Grenze. Größere 10‑kWp-Anlagen, die das Dach besser ausnutzen, rutschen ohne Vergütung schnell in den Bereich der Unwirtschaftlichkeit.
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Speicher als Chance: Ein Batteriespeicher verbessert die Amortisationszeiten, weil mehr Strom selbst genutzt werden kann. Perspektivisch werden Speicher noch wichtiger, wenn sie flexibel sowohl PV-Strom als auch Netzstrom speichern und Ladepunkte von Elektroautos einbinden dürfen. So lassen sich künftig zusätzliche Erlöse aus dem Stromhandel erzielen.
Kollisionskurs mit der niedersächsischen PV-Pflicht
Die niedersächsische PV-Pflicht verlangt, dass neue oder sanierte Dächer ab 50 m² mindestens zur Hälfte mit Photovoltaik belegt werden. Für ein typisches Einfamilienhaus entspricht das oft Anlagen um oder über 10 kWp.
Fällt die Einspeisevergütung weg, steigt die Amortisationszeit großer Anlagen schnell über 20 Jahre. Nach aktueller Rechtsauslegung der NBauO wäre eine Vollbelegung dann nicht mehr „wirtschaftlich zumutbar“.
Die Folge: Hausbesitzende würden vermehrt kleinere Anlagen installieren, die besser auf den Eigenverbrauch zugeschnitten sind. Das bedeutet einen Verlust an Potenzial für die allgemeine Stromversorgung – Dächer würden künftig weniger zur Energiewende beitragen.
Fazit
Die Aussage des BMWE, kleine Anlagen seien „auch ohne Förderung oft wirtschaftlich“, stimmt technisch nur für sehr kleine, eigenverbrauchsoptimierte Anlagen. Der Preis dafür: Wirtschaftliche PV-Anlagen würden künftig tendenziell kleiner werden.
Ohne Einspeisevergütung lohnt es sich vor allem, Strom selbst zu verbrauchen. Wer mehr produziert, als er selbst benötigt, trägt das volle Marktrisiko oder verschenkt seinen Strom. Für die Energiewende in Niedersachsen bedeutet das: Die Wirtschaftlichkeit für Einzelne wird gesichert, gleichzeitig sinkt jedoch die Dynamik beim Ausbau dezentraler PV-Kapazitäten. Statt Dachflächen als strategischen Beitrag zur gemeinschaftlichen Energiewende zu nutzen, werden sie primär als Instrument für private Stromkostenoptimierung interessant.
Damit steigt der Druck auf die Freiflächen zum notwendigen PV-Ausbau. In dem geleakten Arbeitspapier heißt es: „Um die Kosteneffizienz des Ausbaus der Solarenergie zu stärken, wird dabei zukünftig ein stärkerer Fokus auf kostengünstige Freiflächenanlagen gelegt.“
Diese Aussage blendet jedoch die Flächenfrage aus. Freiflächenanlagen produzieren Strom zwar tatsächlich günstiger: Laut Fraunhofer ISE liegen die Stromgestehungskosten für Freiflächen bei 4,1–5,0 ct/kWh, für kleine Dachanlagen bei 6,3–14,4 ct/kWh.
Dieser Kostenvergleich berücksichtigt jedoch nicht die besonderen Vorteile von Dachflächen: Sie konkurrieren nicht mit Landwirtschaft, Naturschutz oder Siedlungsentwicklung. Jede Kilowattstunde vom Dach ersetzt eine Kilowattstunde aus Freiflächen.
Welche Flächen in Niedersachsen für Freiflächen-PV benötigt werden, zeigt unsere Flächennutzungskarte:

Klar ist: Wer Dachanlagen durch Freiflächen-PV ersetzt, muss diese Flächenkonkurrenz bedenken und in die Planung einbeziehen.
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*Hinweis zum Arbeitsentwurf: Die im Artikel beschriebenen Änderungen beziehen sich auf einen Arbeitsentwurf des BMWE – ein Kabinetts- oder Parlamentsbeschluss liegt noch nicht vor. Mehrere seriöse Medien, darunter tagesschau.de und SZ, haben den Inhalt bestätigt: Demnach könnte die Förderung für neue kleine PV-Anlagen bis 25 kWp wegfallen, überschüssiger Strom müsste größtenteils selbst verbraucht oder gespeichert werden, und für kleine Anlagen ist eine Smart-Meter-Pflicht vorgesehen. Für bestehende Anlagen soll Bestandsschutz gelten. Das vollständige Dokument wurde bei Table.Media veröffentlicht.