Leuphana Energieforum 2026

Stromversorgung der Zukunft: Worauf kommt es lokal und regional an, wenn die Energiewende gelingen soll?

Wie steht es um die Stromversorgung der Zukunft? Und welche Rolle spielt Sektorkopplung dabei? Das diesjährige Leuphana Energieforum hat diese und viele andere Fragen mit viel Fachexpertise und -referent:innen sowie über 220 Teilnehmer:innen behandelt und manche Antworten gefunden. Wir waren als Mitveranstalter vor Ort und haben mit verschiedenen Impulsen zum Programm beigetragen.

 

Wie muss die Stromversorgung der Zukunft aussehen, damit die Energiewende gelingt? Dieser Frage widmete sich das 14. Leuphana Energieforum am 15. September 2026 in Lüneburg.

Im Mittelpunkt stand die kommunale und regionale Umsetzung der Energiewende. Diskutiert wurde, wie Windenergie und Photovoltaik mit Stromspeichern, Netzen und flexiblen Verbrauchern verbunden werden können. Denn die zunehmende Verzahnung von Strom, Wärme und Mobilität verändert die Anforderungen an das Energiesystem grundlegend.

 

Ein Schwerpunkt des Forums waren die Vorträge von Dr. Alexander Bedrunka und Yvonne Bönner aus dem Bereich Energiesysteme und -Infrastrukturen der KEAN zur Sektorenkopplung. Elektrolyseure, Wasserstoff- und Batteriespeicher, flexible Industrielasten sowie bidirektionales Laden können dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser auszubalancieren.

Praxisbeispiele aus dem Norddeutschen Reallabor und von Hybridregelkraftwerken zeigten, wie grüne Wasserstoffproduktion und die intelligente Kopplung von Strom- und Wärmesystemen bereits heute zur Versorgungssicherheit beitragen können.

Auch rechtliche und finanzielle Fragen standen auf der Agenda. Die Fachforen befassten sich unter anderem mit Vorranggebieten für Windenergie im Landkreis Lüneburg, finanzieller Teilhabe bei Wind- und Solarprojekten, dem Netzzugang für erneuerbare Energien und Speicher sowie der Finanzierung notwendiger Investitionen in Kommunen und Regionen.

Lothar Nolte im Gespräch mit Minister Meyer und Prof. Dr. Thomas Schomerus. Bildquelle: KEAN

Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer warb dafür, Überschüsse aus Wind- und Solarstrom besser zu nutzen. In Niedersachsen gebe es an rund 90 Prozent des Jahres eine „Hellbrise“, in der mehr erneuerbarer Strom erzeugt werde, als aktuell verbraucht werde. Deshalb müsse der Verbrauch flexibilisiert und der Ausbau von Speichern und Elektrolyseuren beschleunigt werden. Zusätzlich wies er darauf hin, dass er bereits mit den 15 anderen Landesenergieministern bei der EU dafür geworben hat die strengen Kriterien für grünen Wasserstoff während des Hochlaufs herunterzuschrauben. Aktuell wird hierzu weiter auf einen Plan aus Brüssel gewartet.

Prof. Dr. Thomas Schomerus von der Leuphana Universität Lüneburg ergänzte nach der Veranstaltung: "Themen wie die Elektrifizierung aller Bereiche des Lebens, Sektorkopplung, die Bereitstellung von Flächen für Wind- und Solarparks, Netzausbau wurden in Vorträgen, Sessions und Diskussionen, u.a. mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller oder dem niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer behandelt. Dass die Tagung wegen eines Feueralarms unterbrochen werden musste, tat der guten Stimmung keinen Abbruch, die Zeit wurde für intensive Gespräche genutzt. Fazit: Das Energieforum hat seinen Zweck, eine Plattform für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und für den Austausch in der Region zu bieten, erfüllt."

Seitens der KEAN waren neben Lothar Nolte auch Dr. Alexander Bedrunka (links) und Yvonne Bönner vertreten. Bildquelle: KEAN

 

Zu den Panels

Im Panel 1.1 „Stromsystem der Zukunft: Sektorkopplung als Rückgrat eines resilienten Energiesystems“ (Moderation: Dr. Alexander Bedrunka, einordnender Vortrag: Yvonne Bönner) wurde deutlich: Elektrolyseure, Wasserstoff- und Batteriespeicher, flexible Industrielasten sowie bidirektionales Laden können dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen und die Netze gezielt entlasten. Praxisbeispiele aus dem Norddeutschen Reallabor (Martin Grasenack, HAW Hamburg) und von Hybridregelkraftwerken (Ewald Röben, swb AG) zeigten, wie die Produktion von grünem Wasserstoff sowie die intelligente Kopplung von Strom- und Wärmesystemen bereits heute zur Versorgungssicherheit beitragen können.

Im Panel 2.1 „Nutzung von Wasserstoff als Langzeitspeicher in der Stromversorgung: Wie ist der Stand?“ wurde der erwartete Wasserstoffspeicherbedarf in Deutschland thematisiert. Bis 2045 könnte dieser bei rund 90 TWh liegen. Sowohl Kavernen- als auch Porenspeicher bieten dafür ein erhebliches Potenzial, das in Deutschland grundsätzlich auch in ausreichendem Umfang vorhanden ist. Um dieses Potenzial zu erschließen und eine leistungsfähige Speicherinfrastruktur aufzubauen, braucht es politischen Willen und verlässliche Rahmenbedingungen – beispielsweise in Form einer nationalen Wasserstoff-Speicherstrategie.

In der Session 2.3 „Finanzierung des Stromnetzausbaus" wurde deutlich: Studien sehen einen Gesamt-Investitionsbedarf in Höhe von rund 300 Milliarden Euro; bis 2035 werden dabei geschätzt 200 Milliarden Euro investiert. Während Übertragungsnetzbetreiber über den Kapitalmarkt finanzieren, sind Verteilnetzbetreiber auf Bankkredite angewiesen – für Banken ein attraktives Geschäftsfeld im regulierten Bereich. Fazit der Session: Die Finanzierung des Stromnetzausbaus ist machbar. Mehr dazu gibt es auch in unserem Interview mit Prof. Degenhart (Leuphana).

Im Panel 2.4 "Wenn die Heizung ans Netz geht: Stromwende trifft Wärmewende" sprachen Prof. Dr. Eva-Maria Königsheim von der HAW Hamburg und Bastian Pfarrherr von der Hamburger Energienetze GmbH über den Zusammenhang von Wärme- und Stromwende. Dabei wurde deutlich: Der Wärmesektor kann mit seiner Flexibilität eine wichtige Brücke zum Stromsystem bilden und so zu einem effizienteren Energiesystem beitragen. „Flexibilität ist das neue Gold“ der Energie- und Wärmewende, hieß es dazu im Panel. Gleichzeitig ist der Ausbau der notwendigen Infrastruktur eine enorme Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. Entscheidend ist dabei auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Erfahrungen aus Hamburg zeigen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen müssen – was bislang noch nicht immer gelingt. Die Kommunale Wärmeplanung kann dabei helfen, gemeinsame Ziele zu entwickeln und die nächsten Schritte abzustimmen. In Hamburg waren viele Akteure eingebunden, wodurch die Richtung für die Netzplanung deutlich wurde. 

Fazit: Die zentrale Botschaft des Forums: Der Erfolg der Energiewende hängt nicht allein von technischen Lösungen ab und wird deutliche komplexer. Neben leistungsfähiger Infrastruktur braucht es klare Rahmenbedingungen sowie die Beteiligung von Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern. Weitere Verunsicherung durch unklare Rahmenbedingungen verhindert nicht nur, dass die Energiewende zu einem klimaneutralen und resilienten Energiesystem führt. Es gehen auch Wertschöpfung verloren und es entstehen auch keine neuen Arbeitsplätze.

  • Das nächste Leuphana Energieforum ist für den 7. September 2027 geplant.

Rund 220 Personen nahmen an dem diesjährigen Leuphana Energieforum teil

Kontakt

Dr. Alexander Bedrunka

0151 619 872 56
alexander.bedrunka [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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