„Und sie läuft und läuft und läuft“ - drei Preisträger beim 1. Niedersächsischen Wärmepumpenpreis

Der Wunsch klimafreundlicher zu heizen, ist allgegenwärtig. Nicht zuletzt durch die aktuelle Energiekrise ist die Nachfrage gerade nach Wärmepumpen sehr stark angestiegen. Mit ihr steht ein effizientes und umweltfreundliches System zur Verfügung, das seit Jahren serienreif ist und sowohl im Neubau, aber auch in älteren Gebäuden einsetzbar ist. Der Niedersächsische Wärmepumpenpreis setzt hier ein Zeichen und prämiert Wärmepumpen, die sich in unsanierten bzw. teilsanierten Wohngebäuden bewährt haben. Der niedersächsische Umwelt-Staatssekretär Frank Doods zeichnete am 05. Oktober 2022 erstmals drei Hausbesitzer im Rahmen der Woche der Wärmepumpe für ihr hervorragendes Wärmepumpenkonzept mit Preisgeldern in Höhe von je 1.000 Euro aus.

In insgesamt drei Kategorien wurde die innovativste Wärmepumpe, eine überzeugende Wärmepumpenlösung für ein saniertes Gebäude sowie die Wärmepumpe mit der längsten Betriebszeit prämiert. Die Preisverleihung fand in der Hochschule Hannover statt. Im Anschluss fand eine Diskussionsrunde zum Thema „Fachkräfte für die Wärmewende" statt – denn die überaus große Nachfrage nach Wärmepumpen offenbart auch den aktuellen Fachkräftemangel im Handwerk.

Die innovativste Wärmepumpe
Über die Auszeichnung „Innovativste Wärmepumpe" freuten sich Kirsten und Mathias Döffinger aus Fuhlen bei Hessisch Oldendorf. Innovationen des bewährten Heizsystems sind wichtig: das Ehepaar aus Niedersachsen hat gleich an zwei Stellen ihre Wärmeversorgung optimiert. Zum einen wurden die Außenwände ihres Gehöftes mit seinem Backsteinmauerwerk und Fachwerkelementen von innen gedämmt und dabei eine in Lehm verlegte Wandheizung eingebaut. Durch die große Fläche der Wandheizung kommt das System mit einer sehr geringen Vorlauftemperatur aus. Die Wärmequelle, die die Sole-Wasser-Wärmepumpe von Familie Döffinger nutzt und eine hohe Jahresarbeitszahl erreicht, ist jedoch hier das Besondere und für die Jury auszeichnungswürdig: die Leitungen zum Sammeln der Wärme sind unter dem Misthaufen des Pferdestalls verlegt. So kann ganzjährig darauf vertraut werden, dass eine 15- 20 °C warme Wärmequelle zur Verfügung steht.

Die überzeugendste Wärmepumpe
Den Titel „Überzeugendste Wärmepumpe" konnte sich das Heizsystem im Wohngebäude von Olaf Kluckhuhn in Edewecht sichern. Anfang der 1970er Jahre errichtet, wurde 2018 umfassend gedämmt und Fenster und Türen erneuert. 2022 wurden das Dach und die Kellerdecke energetisch saniert und Heizkörper durch größere ersetzt. Auf der Südseite des Daches ist eine PV-Anlage montiert. Weiter ist das Gebäude mit einem Energiemanagementsystem und einer Wallbox für das Elektroauto der Mieter ausgerüstet. Ein Batteriespeicher ist geplant. Für die Sole-Wasser-Wärmepumpe wurden vor dem Haus zwei Erdbohrungen mit je 130 m Tiefe niedergebracht. Sie sind reichlich dimensioniert, um so eine möglichst hohe Soletemperatur und damit eine hohe Arbeitszahl der Wärmepumpe zu erreichen. Überzeugt hat das Gesamtkonzept: Vermieter und Mieter waren sich einig, dass im Sinne des Klimaschutzes gehandelt werden muss. Die Jury bescheinigt: die umfassende Sanierung und das Hand-in-Hand-Gehens beider Parteien hat Vorbildcharakter für den Gebäudebestand in ganz Deutschland.

Die älteste, in Betrieb befindliche Wärmepumpe
„Sie läuft und läuft und läuft" lässt sich Ernst Vogeler aus Großburgwedel, Gewinner in der Kategorie „Älteste Wärmepumpe", lächelnd zitieren. Eine effiziente Wärmepumpe sollte eine lange Betriebszeit erreichen können und so Geld und Material sparen. Herr Vogeler, ein innovativer Zeitgenosse, hat damals eine der ersten Brennwertheizungen eingebaut und investierte auch für seine Warmwasserversorgung 1981 in eine neue Technologie: Die Wärmepumpe. Sie steht ganz oben unterm Dach in einem Abstellraum, wo es besonders im Sommer sehr warm ist. Dadurch, dass die Wärmepumpe dort warmes Wasser erzeugt, kühlt sie auch nebenher. Ein Heizsystem ohne Ausfälle oder große Reparaturen und dies nach über 40 Jahren – die Jury überzeugte dies und prämiert Herrn Vogeler.

In diesem Jahr haben sich 12 Hausbesitzer an dem Wettbewerb beteiligt. Dr. Jens Clausen, Initiator der Woche der Wärmepumpe und Researcher am Borderstep Institut, zeigte sich begeistert von der Vielfalt der eingereichten Projekte: „Die Bewerbungen zeigen, dass sich viele Hausbesitzende darum kümmern, mit Wärmepumpen effizient zu heizen. Einige nutzen dabei schon den Vorteil der Photovoltaik, erzeugen rund die Hälfte des Wärmepumpenstroms selbst und senken so effektiv die Energiekosten".

Lothar Nolte, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, betonte die Signalwirkung, die von den erfolgreichen Projekten ausgehe: „Die drei Preisträger und alle anderen Bewerber des Niedersächsischen Wärmepumpenpreises zeigen eindrücklich, dass die Wärmepumpe ein Heizsystem ist, das auch in älteren Gebäuden bestens funktioniert. Wir müssen nun dringend dafür sorgen, dass diese Erkenntnisse weiter publik gemacht und möglichst viele Gebäude mit Wärmepumpen ausgestattet werden. Dies wäre ein großer Beitrag für den Klimaschutz und für mehr Energiesicherheit in Deutschland."

Die Videos der drei Preisträger können Sie hier ansehen: 

Kontakt

Christoph Linden

0511 89 70 39-17
christoph.linden [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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