Energiesystem der Zukunft

Wie sinnvoll ist CCS für Gaskraftwerke?

Zur Reduzierung von schwer- bzw. unvermeidbaren Emissionen spielt Carbon Capture and Storage (CCS) im Energiesystem der Zukunft eine wichtige Rolle. Bei dem Prozess wird CO₂ bei der Entstehung aufgefangen oder direkt aus der Luft entnommen und unterirdisch gespeichert. Doch wie sinnvoll ist die Kombination mit Gaskraftwerken, die derzeit häufig in der Diskussion ist? 

Bisher war die unterirdische Einlagerung in Deutschland nicht gestattet, weshalb das Bundeskabinett am 6.8.2025 einen Gesetzentwurf zur Änderung des Kohlenstoff-Speicherungsgesetzes beschlossen hat, um die Speicherung an Land sowie in der ausschließlichen Wirtschaftszone im Meer zu ermöglichen. Meeresschutzgebiete und das Küstenmeer sind von der CO2-Speicherung ausgeschlossen. 

Gerade für Industriezweige wie bspw. die Zement- oder Kalkproduktion, in denen Emissionen technisch kaum vollständig vermeidbar sind, wird CCS als unumgänglich für Klimaneutralität betrachtet. Gleichzeitig birgt der neue Gesetzentwurf das Risiko, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verlängern, wie die Debatte um die Aktualisierung der Kraftwerksstrategie zeigt. 

Auch künftig werden Gaskraftwerke gebraucht, um Versorgungslücken zu decken, wenn Wind- und Solaranlagen nicht ausreichen. Während die vorige Bundesregierung den Bau und die Modernisierung von 12,5 GW an Kraftwerksleistung plante – davon 7,5 GW mittelfristig mit Wasserstoff betrieben –, sieht die aktuelle Regierung eine technologieoffene Ausschreibung von 20 GW an Gaskraftwerksleistung bis 2030 vor. Dies eröffnet die Möglichkeit, fossile Gaskraftwerke mit CO₂-Abscheidung (CCS) zu kombinieren.

Die Befürworter einer technologieoffenen Ausschreibung verweisen vor allem darauf, dass grüner Wasserstoff derzeit nur in begrenztem Umfang verfügbar ist, die notwendige Transportinfrastruktur noch fehlt und insbesondere Wasserstoffturbinen technisch noch nicht ausgereift sind. 

Doch auch bei der Nutzung von CCS in Gaskraftwerken bestehen erhebliche Herausforderungen:

Es gibt bisher kein Kraftwerk im Regelbetrieb mit CCS. Geringe CO₂-Konzentrationen im Abgasstrom und teilweise unvollständige Abscheidung verursachen hohe Kosten und einen erheblichen Energiebedarf. Zudem entstehen weiterhin Emissionen bei der Erdgasgewinnung (Methanschlupf) und beim Betrieb – eine vollständig klimaneutrale Stromerzeugung mit CCS-Kraftwerken ab 2045 gilt daher als wenig realistisch. 

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Projekte rund um die Wasserstoffwirtschaft gestartet. Die IPCEI-Förderung hat von der Produktion über die Speicherung und den Transport bis zur Anwendung wichtige Meilensteine gesetzt. Innovative Projekte beschäftigen sich mit effizienten Verbrennungstechnologien für zukünftige Wasserstoffkraftwerke. Mit der Genehmigung des Wasserstoffkernnetzes gibt es einen klaren Plan für ein bundesweites Wasserstoffnetz. Pläne für eine flächendeckende CO₂-Infrastruktur sind – abgesehen von ersten Ansätzen des Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE) (oge.net – CO2-Netz), in Deutschland bislang nicht in Sicht. Auch die CO₂-Speicherung ist derzeit nur eingeschränkt möglich: An Land ist sie verboten und kann nur auf Entscheidung der jeweiligen Bundesländer geöffnet werden. Speicherstätten in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) müssen erst noch gefunden und geprüft werden. 

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werden auch künftig Gaskraftwerke zur Deckung der Residuallast benötigt. Der Einsatz von CCS macht den Betrieb jedoch aufgrund von Vorkettenemissionen und einer unvollständigen Abscheidung nicht klimaneutral. Im Vergleich zur Wasserstoffwirtschaft hinkt der Aufbau einer CO₂-Infrastruktur deutlich hinterher. CCS sollte gezielt für schwer- oder unvermeidbare Emissionen eingesetzt werden – für Gaskraftwerke ist hingegen der Umstieg auf Wasserstoff langfristig sinnvoller. Darüber hinaus würde ein klarer Fokus auf wasserstoffbetriebene Kraftwerke finanzielle und personelle Ressourcen bündeln und den dringend benötigten Ausbau der Wasserstoffwirtschaft beschleunigen. 

Kontakt

Dr. Alexander Bedrunka

0151 619 872 56
alexander.bedrunka [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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