Aktuelle Zahlen zur Energiewende in Niedersachsen

Energiewendebericht 2025 für Niedersachsen veröffentlicht

Mit vielfältigen Zahlen und Statistiken zeichnet der Energiewendebericht 2025 ein geteiltes Bild der niedersächsischen Energiewende. Erfreulich ist, dass in Niedersachsen fast so viel grüner Strom wie im Rekordjahr 2024 produziert wurde und der Anteil der fossilen Stromproduktion auf einen Anteil von 25 Prozent geschrumpft ist. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass noch viel zu tun bleibt, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse näher dargestellt.

Um die Klimaziele zu erreichen, ist insbesondere eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen nötig. Für das Jahr 2025 prognostiziert der Energiewendebericht zwar eine Abnahme der CO2-Emissionen Niedersachsens um 30,7 Prozent ggü. dem Jahr 1990 – doch haben die Krisen der vergangenen Jahre (Ukrainekrieg, Energiekrise und die Einschränkungen der Corona-Pandemie) sowie eine schwache wirtschaftliche Entwicklung hierauf wesentlich Einfluss genommen. Für die geplante Treibhausgasneutralität Niedersachsens bis 2040 bleibt daher weiterhin viel zu tun.

Bruttostromverbrauch und -erzeugung:

Mit 52  Milliarden kWh lag der Bruttostromverbrauch im Jahr 2025 um rund 10 Milliarden kWh niedriger als noch im Jahr 2010. Dies ist neben einer verbesserten Effizienz u. a. auf den Umbau des Stromversorgungssystems auf erneuerbare Energien zurückzuführen, da in der Folge der hohe Eigenverbrauch konventioneller Kraftwerke zunehmend entfällt. Durch die voranschreitende Elektrifizierung in verschiedenen Sektoren (insbesondere im Verkehrs-, Wärme- und Industriesektor), dürfte sich dieser Trend in den kommenden Jahren jedoch umkehren.

Die Bruttostromerzeugung lag 2025 leicht über dem Niveau des Vorjahres: Gemäß Prognose sind in Niedersachsen 2025 insgesamt 69,8 Milliarden kWh Strom erzeugt worden- dabei gab es insbesondere bei der fossilen Stromerzeugung aus Gas eine leichte Zunahme.

Erneuerbare:

Die Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) liegt 2025 in Niedersachsen mit einer produzierten Strommenge von über 52 Milliarden kWh und einem EE-Anteil von knapp 75 Prozent leicht unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Die deutlich positive Tendenz ist insbesondere auf den im Jahr 2025 spürbaren Photovoltaik-Ausbau sowie auf die weiterhin angestiegene Stromproduktion aus Offshore-Windenergie zurückzuführen. Die Stromerzeugung aus Windenergie an Land ging aufgrund von unterdurchschnittlichen Windverhältnissen leicht zurück.

Bildquelle: KEAN

Da der Bruttostromverbrauch auf gleichem Niveau wie in 2024 lag; die Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Niedersachsen jedoch leicht abgenommen hat, sank der erneuerbare Anteil am Bruttostromverbrauch 2025 leicht auf einen bilanziellen Anteil von knapp 100 Prozent. Bundesweit lag dieser Anteil bei rund 55 Prozent.

Laut der Prognose im Energiewendebericht hat die Windenergie zur erneuerbaren Bruttostromerzeugung Niedersachsen im Jahr 2025 knapp drei Viertel bzw. 37,5 Milliarden kWh beigetragen. Die Bruttostromerzeugung aus Biomasse lag in den letzten Jahren relativ konstant bei acht bis neun Milliarden kWh und machte 2025 einen Anteil von rund 16 Prozent an der erneuerbaren Stromerzeugung aus.

Stromerzeugung aus Photovoltaik

Die Stromerzeugung aus PV nimmt stetig zu und lag der Prognose zufolge in 2025 bei etwa 6 Milliarden kWh – doppelt so hoch wie im Jahr 2015. Damit machte die PV 2025 einen Anteil von knapp zwölf Prozent an der regenerativen Bruttostromerzeugung in Niedersachsen aus. Der immer noch eher geringe PV-Anteil an der erneuerbaren Bruttostromerzeugung Niedersachsens macht deutlich, dass die gewonnene Dynamik der letzten Jahre fortgesetzt werden muss. Mit einem Zubau von rund 1,5 Gigawatt (GW) in 2025 lag der Zubau unter dem Rekordniveau aus dem Vorjahr. Die insgesamt installierte PV-Leistung wurde auf 10,4 GW gesteigert – ein Plus von 17 %. Dieser positive Ausbautrend muss jedoch konsequent fortgesetzt werden, um das Ausbauziel von 65 GW bis 2035 zu erreichen. 

Während in den Jahren zuvor vor allem der Haushaltssektor den Zubau trug, gewinnen seit 2024 Freiflächenanlagen zunehmend an Bedeutung. Von den bis Ende 2025 insgesamt installierten 10,4 GW entfallen rund 1,7 GW auf Freiflächen-PV und 8,7 GW auf andere Anlagentypen. Damit sind etwa 16 Prozent der bis 2035 angestrebten 65 GW erreicht. Eine dynamische Entwicklung zeigen zudem sogenannte steckerfertige Solaranlagen („Balkonkraftwerke“). Obwohl die einzelnen Anlagen mit einer maximalen Modulleistung von 2.000 W und einer Einspeisebegrenzung auf 800 W nur einen geringen Beitragleisten können, machten sie in der Summe rund vier Prozent des PV-Zubaus im Jahr 2025 in Niedersachsen aus.

Wärme

Mit über 50 Prozent entfällt der größte Anteil des Endenergieverbrauchs auf den Wärmesektor – der Anteil der erneuerbaren Energien ist hier jedoch gering: Zwischen 2008 und 2022 ist der Anteil der Erneuerbaren nur von 6,6 auf 10,1 Prozent angestiegen. Für das Prognosejahr 2025 wird von einem weiteren Anstieg auf 11,7 Prozent ausgegangen.

Immerhin zeigte sich in den letzten Jahren ein positiver Trend bei der Inbetriebnahme von Wärmepumpen: Mit insgesamt 299.000 verkauften Heizungs-Wärmepumpen sind Wärmepumpen im Jahr 2025 erstmals das meistverkaufte Wärmeerzeugungssystem in Deutschland und erreichten damit knapp 50 Prozent Marktanteil an allen neu installierten Wärmeerzeugern. Niedersachsen konnte mit ca. 35.700 Förderzusagen für Wärmepumpen im Jahr 2025 seine Vorjahreszahl von rund 18.000 Zusagen fast verdoppeln. Damit wird der Platz in der Spitzengruppe der Bundesländer mit starkem Wärmepumpenausbau gefestigt (Auswertung zum WP-Ausbau 2025).

Ein wichtiger Baustein hin zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung ist die kommunale Wärmeplanung, die in Niedersachsen bereits Fahrt aufgenommen hat. Einen Überblick über die nds. Kommunen bei der kommunalen Wärmeplanung stellt die folgende Abbildung dar. Weiterführende Informationen zum Thema Kommunale Wärmeplanung finden Sie hier.

Bildquelle: KEAN

Infrastrukturen und Netzausbau

Um erneuerbare Energien stärker in das Energiesystem der Zukunft einzubinden, müssen Strom-, Gas-, Wasserstoff- und Wärmenetze und künftig auch ein CO2-Netz ausgebaut werden:

Stromnetz:
Der Ausbau der Stromübertragungs- und Stromverteilnetze ist erforderlich, um Strom aus erneuerbaren Energien aus den windstarken Regionen im Norden in die verbrauchsstarken Regionen im Süden und Westen Deutschlands zu transportieren. Niedersachsen kommt hierbei eine zentrale Rolle zu: Im Zuge des sogenannten Startnetzes wurden 22 Netzausbauprojekte benannt, wovon sechs in Niedersachsen liegen. Der Netzausbau findet darüber hinaus im Rahmen sog. BBPIG (Bundesbedarfsplangesetz)-Projekte statt: Von den bundesweit insgesamt 106 Vorhaben liegen 24 Projekte bzw. Bauabschnitte in Niedersachsen mit einer Gesamtlänge von etwa 4.700 km (rund 28% der bundesweiten Gesamtlänge).

Zusätzlich zu den Onshore-Vorhaben sind zur Einspeisung der Offshore-Windenergie in das Übertragungsnetz auf dem Festland Netzanbindungsleitungen erforderlich. 2025 wurden die beiden Offshore-Vorhaben DolWin5 nach Emden Ost und BorWin5 nach Garrel in Betrieb genommen.

Bildquelle: KEAN

Batteriespeicher:

Großbatteriespeicher, d. h. Batteriespeicher mit einer Kapazität von 1 MWh oder mehr, übernehmen im Energiesystem eine zunehmend bedeutende Rolle. Der Ausbau von Großbatteriespeichern in Deutschland sowie in Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Ende 2025 erreichte die gesamte installierte Batteriespeicherkapazität 2,7 GWh, davon entfielen 0,2 GWh auf Großbatteriespeicher. Gegenüber 2024 entspricht das einem Zuwachs der Gesamtkapazität um fast 31 Prozent, die Kapazität der Großbatteriespeicher erhöhte sich sogar um 52 Prozent.

Bildquelle: KEAN

Wasserstoff:

Aufgrund der guten Bedingungen für Erneuerbare hat Niedersachsen beste Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Durch eine Landesförderung von Pilotvorhaben in Höhe von rund 80 Millionen Euro wurden bereits erste wichtige Schritte zur Erprobung und Skalierung der Technologie gemacht. Darüber hinaus werden verschiedene nds. Projekte als "IPCEI" (Import Project of Common European Interest) gefördert. Dazu gehören der Aufbau von vier Großelektrolyseuren mit einer Leistung von 850 MW, die Errichtung von rund 800 km Wasserstoffleitungen, die Umrüstung eines Kavernenspeichers von Erdgas- auf Wasserstoffspeicherung sowie der Einstieg in die klimafreundliche Stahlherstellung mittels grünen Wasserstoffs in Salzgitter („SALCOS“-Projekt). Einen guten Überblick über H2-Projekte gibt es beim Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerk.

Im Oktober 2024 hat die Bundesnetzagentur zudem den Antrag zum deutschen Wasserstoff-Kernnetzes genehmigt. Das Wasserstoff-Kernnetz sieht eine Leitungslänge von rund 9.000 km vor, die sukzessive bis 2032 in Betrieb genommen werden soll. Der überwiegende Teil des Kernnetzes (ca. 56 Prozent) basiert auf der Umstellung von bestehenden Erdgasleitungen. Niedersachsen ist mit rund 1.800 km Leitungslänge in besonderem Maße an der Realisierung des Wasserstoff-Kernnetzes beteiligt. Dem Thema Infrastrukturen widmet sich die KEAN hier.

Fazit

Der Energiewendebericht verdeutlicht, dass es bereits zahlreiche erfreuliche Fortschritte auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität gibt. Auch 2025 konnte Niedersachsen seinen Strombedarf bilanziell nahezu vollständig aus Erneuerbaren decken, Wärmepumpen sind in Niedersachsen weiter auf dem Vormarsch und auch im Bereich der Großbatteriespeicher nimmt der Ausbau Fahrt auf. Trotz dieser erfreulichen Entwicklungen bedarf es weiterer Maßnahmen, um die Klimaziele zu erreichen. Hierbei spielt insbesondere die stärkere Einbindung der Erneuerbaren im Wärme- und Verkehrssektor eine wichtige Rolle, genauso wie der Ausbau der Netze.

 

Weitere Informationen

Zum Energiewendebericht 2025

Kontakt

Dr. Isabell Kiepe

0151 526 324 77
isabell.kiepe [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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