Wenn der Hausmeister zum Energiemanager wird

06.12.2018: Klimaschutz und effizientes Energiemanagement nehmen mittlerweile eine zentrale Rolle in vielen Kommunen ein. Denn sinken die Energiekosten, werden die Haushalte entlastet und Räume für Investitionen geschaffen. Zudem wächst das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürgern, dass mehr Klimaschutz in ihren Kommunen auch höhere Lebensqualität bedeutet.

Viele kommunale Liegenschaften wie Verwaltungsgebäude, Schulen, Kindergärten, Sportstätten und Bäder haben eine hohen Energiebedarf – und entsprechend hohem Einsparpotenzial. An dieser Stelle bekommt eine Berufsgruppe besondere Aufmerksamkeit: Der Hausmeister (zumeist sind es Männer). Er ist für die Einstellung und Wartung der technischen Anlagen zuständig, achtet auf Fehler am Gebäude und hat Einfluss auf das Verhalten der Nutzer im Gebäude.

Wenn es also um die praktische Umsetzung eines kommunalen Energiemanagements (KEM) geht, müssen die Hausmeister mit zusätzlichem Fachwissen und Handlungsoptionen ausgestattet werden.

 

Rollentausch I: Der Hausmeister auf der Schulbank

Die Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) bietet seit Mitte 2016  Schulungen für Hausmeister an, damit diese sich mit ihrer (neuen) Rolle als Energiemanager vertraut machen und praktisches Anwenderwissen für die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen an die Hand bekommen.

Mit allgemeinen Begriffen aus der Physik und aktuellen Entwicklungen beginnt die Schulung: Wie unterscheiden sich die Preise für einen Liter Öl mit dem für einen Kubikmeter Gas? Welcher Energieträger ist teurer und wo kommen sie zum Einsatz? Warum kommen eigentlich nur 50 Prozent der eingesetzten Energie als Strom aus der Steckdose an? Und warum kostet dieser dann auch noch so viel mehr als Öl und Gas? Und ganz wesentlich: Wo bestehen Möglichkeiten, Energie einzusparen? All diese Fragen werden in der Hausmeisterschulung I ausführlich besprochen, beantwortet und diskutiert. Und so lernen die anwesenden Hausmeister ganz naheliegende Möglichkeiten kennen, ihre Heizungstechnik verbrauchs- und kostenschonend einzusetzen: mit einem Thermostatventil, mit Zeitschaltuhren oder einer Anpassung der Zulaufwärme.

 

Praktische Fragen im Fokus

Damit in einem Büro oder Klassenraum auch nach 20 Minuten frische Luft zum Arbeiten und Lernen herrscht, braucht es vor allem genügend Sauerstoff und nur einen minimalen Wert an CO2 – sonst lässt die Konzentration der Mitarbeitenden bzw. der Schülerinnen und Schüler nach. Daher nimmt das Lüften ebenso wie das Heizen einen großen Platz in der Schulung ein. Trainer und Referent Hubert Grobecker nutzt in seinen Schulungen ein Lüftungsmodell, mit dem er das gute und das weniger gute Lüften darstellt. Dass zum Beispiel das Lüften im Winter mit geöffnetem Fenster und geöffneter Tür in weniger als 5 Minuten hingegen bei gekipptem Fenster und eingeschalteter Heizung dieses Lüften Stunden dauern kann, ruft dann doch großes Staunen herbei. „Das ist dann kein Lüften mehr, sondern lediglich eine gezielte Wärmeabfuhr“, sagt Trainer und Referent Hubert Grobecker in einer seiner Schulungen und macht dies durch ein Experiment mit einem Lüftungsmodell erfahrbar.

 „Von einigen Dingen hatte man ja schon gehört. Aber es war gut und wichtig, das aufzufrischen und neue Ideen an die Hand zu bekommen“, sagte zum Beispiel Stephan Rieder, Einsatzleiter der städtischen Hausmeister der Stadt Laatzen.

 

Rollentausch II: Der Hausmeister als „Lehrer“

Auf die erste Schulung folgt dann noch eine Aufbauschulung. Diese beschäftigt sich neben weiteren technischen Themen  vor allem mit der Kommunikation. Viele Hausmeister geraten trotz ihres Wissens hin und wieder an Widerstände, wenn es um die Einhaltung der entsprechenden Maßnahmen zur Energieeinsparung geht. „Wenn unsere Ratschläge und technischen Einstellungen in den Klassenräumen ignoriert werden, bin ich auch relativ schnell am Ende mit meinem Latein“, berichtet ein Hausmeister der Region Hannover. Daher werden in der zweiten Schulung verschiedene Szenarien und Konflikte durchgespielt, um das Gelernte auch überzeigend weiterzutragen.

 

Mehr erfahren zur Hausmeisterschulung

 

Kontakt

Ihre Ansprechpartnerinnen:

Sandra Dietrich

0511 89 70 39-21

sandra.dietrich[at] klimaschutz-niedersachsen.de

Ruth Drügemöller

0511 89 70 39-27

ruth.druegemoeller [at] klimaschutz-niedersachsen.de