Der Energiebericht und die Frage nach der passenden Software

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Der Energiebericht ist das Kernelement des kommunalen Energiemanagements. Er erfasst systematisch, wie viel Energie die öffentlichen Gebäude, die Straßenbeleuchtung, die Kläranlage und alle weiteren Liegenschaften verbrauchen und welche Kosten dabei entstehen. Er gibt einen Überblick über den energetischen Zustand der Liegenschaften.

Ein Energiebericht wird jährlich erstellt und den entsprechenden kommunalen Gremien vorgelegt. Damit können die Verantwortlichen notwendige Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz auf Basis einer objektiven Entscheidungsgrundlage veranlassen. Auf diese Weise schafft ein Energiebericht die Voraussetzungen für ein strukturiertes Vorgehen und kosteneffiziente Entscheidungen der Kommune auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz.

Für einen ersten Einstieg

Abb.: Strom-Wärme-Kosten-Diagramm erstellt mit Excel-Tool der der KEAN

Der Energiebericht umfasst die Energiebilanzen aller kommunalen Gebäude und stellt sie systematisch dar. Das geschieht anhand von Energieverbrauchskennwerten. Wie diese Kennwerte ermittelt werden, erfahren Sie hier.

Aus den ermittelten Kennzahlen lässt sich mit Hilfe des Strom-Wärme-Kosten-Diagramms eine übersichtliche Vergleichsdarstellung der kommunalen Gebäude anfertigen. Ein solches Diagramm ist als laienverständliche Entscheidungsgrundlage für Sanierungsmaßnahmen sehr hilfreich.

 

Energiemanagement-Software

Bedenkt man jedoch, wie viele unterschiedliche Zählerstände, Verbrauchswerte und damit verbundenen Kennwerte bei einem professionellen Kommunalen Energiemanagement (KEM) anfallen, wird deutlich, dass klassische Tabellenkalkulationsprogramme schnell an ihre Grenzen stoßen. Softwareprodukte für das kommunale Energiemanagement bieten daher die Möglichkeit, die Energie- und Wasserverbrauchsdaten zentral zu erfassen und zu verwalten. Die Kennwertbildung geschieht automatisiert, Wetterdaten für die Durchführung einer witterungsbereinigten Wärmeverbrauchsauswertung sind bereits hinterlegt. Letztendlich kann eine gute Software aus den hinterlegten und individuell erfassten Daten einfach die Darstellungen für einen kommunalen Energiebericht generieren.

Verschiedene Softwarehersteller bieten Produkte an, die auf die Bedürfnisse von Kommunen ausgerichtet sind. Wir haben eine Übersicht uns bekannter Produkte (PDF) zusammengestellt. Der Leistungsumfang und die mit einer Produktlizenz verbundenen Kosten variieren stark, so dass eine Entscheidung für „die richtige Software“ stets von den individuellen Anforderungen in der Kommune abhängt.

Vor Beschaffung einer Energiemanagementsoftware steht für die Kommunalverwaltung daher die Aufgabe, sich Gedanken über die Anforderungen an eine Software zu machen. DieseKriterienliste (PDF) bietet Hilfestellung für die Beschaffung der Software.

 

Personelle Ressourcen und Fördermöglichkeiten

Mit dem Kommunalen Energiemanagement und der dazu zählenden Energieberichterstattung sind vielfältige Aufgaben verbunden, die sowohl technischen Sachverstand als auch kommunikatives Geschick und Organisationstalent bedürfen. So rät das Management-System ISO 50.001 ein Energie-Team mit verschiedenen Funktionen aus der Kommunalverwaltung zu etablieren.

Wieviel Zeit das KEM in Anspruch nimmt, ist abhängig von der Größe der Kommune und der Anzahl der kommunalen Liegenschaften. Als grober Daumenwert kann angenommen werden, dass eine Kommune mit

  • - ca. 25.000 Einwohnern

- 55 Liegenschaften

  • - ca. 1.125 Mio. Euro Energie- und Wasserkosten p.a. (45€ /EW)

eine Vollzeitstelle benötigt, um das KEM in den ersten Jahren einzuführen. Und die Stelle rechnet sich: Viele Kommunen haben aufgezeigt, dass mit dem KEM 10 Prozent Energiekosten eingespart werden können – im Fall der vorgenannten Beispielkommune 112.500 Euro jährlich.

Professionelle Unterstützung können Kommunen von Drittanbietern und vielerorts in Niedersachsen auch von regionalen Energieagenturen erhalten.

Mit der Kommunalrichtlinie fördert das Bundesumweltministerium die Implementierung eines kommunalen Energiemanagements (KEM) mit einem Kosten-Zuschuss in Höhe von 50 Prozent (finanzschwache Kommune 65 Prozent), unter anderem für

  • - die Beauftragung von externen Dienstleistern zur Unterstützung beim Aufbau und Betrieb eines Energiemanagementsystems und

  • - die für das Energiemanagement notwendige Software sowie mobile und feste Messtechnik, Zähler und Sensorik.