Jahresbericht 2021/2022

Gebäude

Der Gebäudesektor in Deutschland ist – neben dem Verkehrssektor – ein wenig das Sorgenkind der Energiewende: Auch im Jahr 2021 wurden die Klimaziele verfehlt, bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Energiepreise für Öl und Gas sind insbesondere im Winter 2021/22 rasant gestiegen. In dieser Gemengelage geht es darum, die energetische Sanierung des Gebäudebestandes voranzubringen und mehr erneuerbare Energie für Wärme und Strom zu nutzen.

Für dieses Ziel haben wir im zurückliegenden Jahr einiges getan: Da sind zum einen die Beratungs- und Informationskampagnen, die wir seit mehreren Jahren gemeinsam mit regionalen Partnern erfolgreich umsetzen. Dann liegt ein großer Schwerpunkt auf dem Thema Wärme – und hier konkret die Wärmepumpe als Heizsystem der Zukunft. Die Gebäudehülle bleibt dabei keineswegs unbeachtet ebenso wie die kontinuierliche Schulung von Energieberaterinnen und -beratern. Projekte mit hoher Sichtbarkeit wie die "Grüne Hausnummer", "FeBOp" und "Starke Bauherren - Gute Gebäude" runden das Spektrum im Jahr 2021 / 2022 ab.

Beratungs- und Informationskampagnen

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Beratungen im Vergleich zum Vorjahr zum Teil deutlich zurück: Nach 5.960 im Jahr 2020 wurden im Jahr 2021 insgesamt 4.532 Beratungen mit den regionalen Kooperationspartner und der Verbraucherzentrale Niedersachsen durchgeführt. Das hatte verschiedene Gründe: Zum einen hatte der Bundesverband Verbraucherzentralen vzbv im Oktober 2021 entschieden, den „Eignungs-Check Solar" mit quasi sofortiger Wirkung zu beenden. Diese Entscheidung haben wir gemeinsam mit den Kooperationspartnerinnen und -partnern aus 27 Landkreisen und der politischen Ebene deutlich adressiert und so konnte zumindest erreicht werden, dass diesbezüglich die zugesagten und nicht bearbeiteten Vor-Ort Beratungen noch bis Ende Januar 2022 erledigt werden konnten. 

Um die große Anfrage dennoch bedienen zu können und auch um diesen Bereich der Informations- und Beratungsarbeit stärker zu digitalisieren, wurden im ersten Quartal des Jahres 2022 in zwei Regionen Online-Gruppenberatungen angeboten, an denen jeweils über 100 Interessierte teilgenommen haben.

Insgesamt ist das Interesse von Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sehr stark gestiegen. Das spiegelt sich insbesondere auf der Internetseite wider: Die Seite "Förderprogramme für Hauseigentümer" ist mit über 30.000 Besuchen im Jahr 2021 die am meisten besuchte und die Tendenz hat sich im ersten Quartal 2022 fortgesetzt: Hier waren es in den drei Monaten bereits über 18.000 Besuche.

Wärme und Dämmung

Ein weiterer Schwerpunkt im Gebäudebereich war das Thema Wärme – und hier konkret die Wärmepumpe als Heizsystem der Zukunft. Mit der Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen wurde mit Partnerorganisationen ein größerer Rahmen geschaffen, in dem die Bekanntheit und die Vorteile der Wärmepumpe noch besser transportiert werden sollen. Neben der weiteren Ausgestaltung der Internetseite „Wärmepumpen in Wohngebäuden" erzeugte insbesondere der 1. Niedersächsische Wärmepumpentag eine starke Aufmerksamkeit - mit über 330 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 

In Ergänzung dazu haben wir dem Thema „Innendämmung und Flächenheizungen" besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Denn Altbauten – gerade wenn sie auch eine Wärmepumpe erhalten sollen – stellen Sanierungswillige nicht selten vor große Herausforderungen. Das gilt umso mehr, wenn das Gebäude eine besonders gestaltete Fassade hat, bei dem die übliche Dämmung von außen nicht möglich oder nicht erwünscht ist. Mit der Kombination von Innendämmung und Flächenheizung können gleichzeitig die bauphysikalischen und anlagentechnischen Erfordernisse für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb erfüllt werden, ohne dass das Gebäude "sein Gesicht" verliert. 

Grüne Hausnummer und Projekte

Und viele Gebäude wurden in der Vergangenheit bereits fit gemacht – bzw. außerordentlich gut energetisch saniert, ob nun mit oder ohne Wärmepumpe (viele tatsächlich mit...). Die Auszeichnungskampagne „Grüne Hausnummer" bildet diese Erfolge bereits seit 2015 eindrucksvoll ab. Mittlerweile wurden fast 1.500 Grüne Hausnummer in Niedersachsen vergeben, 151 davon im Jahr 2021. Auch wenn dies deutlich unter den Zahlen der Vorjahre liegt, ist die Grüne Hausnummer eine sehr gutes Instrument, um erfolgreiche Sanierungen sichtbar zu machen und lokales Interesse zu erzeugen - auch bei den regionalen Medien.

Durch den rasanten Anstieg der Energiekosten in den zurückliegenden Monaten wird das Beheizen von Wohnungen zu einem geradezu drückenden Kostenfaktor für viele Mieterinnen und Mieter. Das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Forschungsprojekt „Feldanalyse zur Betriebs-Optimierung von Mehrfamilienhäusern", kurz FeBOp-MFH, entwickelt ein intelligentes Mess- und Analysesystem zur Bewertung der Effizienz von Heizzentralen in Mehrfamilienhäusern und liefert wichtige Erkenntnisse. 

Ein weiteres Projekt konzentriert sich dagegen auf öffentliche Gebäude. "Starke Bauherren - Gute Gebäude" unterstützt öffentliche Einrichtungen bei ihren Bauprojekten – von der Planung bis in den Betrieb. Ziel ist es, die Rolle der öffentlichen Bauherren im Planungs- und Bauprozess zu stärken und die Projekte einfacher, schneller und wirtschaftlicher zu realisieren.

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