Bei einer energetischen Sanierung wird ein Gebäude so aufgewertet, dass es mit einem minimalen Energieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung auskommt. In privaten Haushalten beispielsweise werden 83 Prozent des Energieverbrauchs für Heizung und Warmwasser benötigt. Das Einsparpotenzial durch Sanierung der Gebäudehülle und -technik ist also groß. Die folgende Darstellung zeigt, wo in einem unsanierten Altbau die meiste Energie verloren geht.

Wärmeverluste im Altbau

Seit Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung (WSVO) 1977 sind die gesetzlichen Anforderungen an den Wärmeschutz und die Energieeffizienz von  neu errichteten Wohngebäuden immer weiter gestiegen. Das bedeutet, dass der Energiebedarf für die Beheizung besonders von älteren unsanierten Häusern sehr hoch ist. In Niedersachsen sind rund 60 Prozent der Wohngebäude vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung erbaut. Das macht deutlich, wie groß das Einsparpotenzial durch die Sanierung unseres Gebäudebestands ist, auch bei den Gebäuden, die nach 1977 errichtet worden sind.

Energiebedarf von Wohngebäuden nach Effizienzstandards

Wohngebäude in Niedersachsen nach Baujahr, bis 2011

Sanierungsmaßnahmen und Vorgehen

Bevor Eigentümerinnen oder Eigentümer sich für einen oder mehrere Sanierungsschritte entscheiden, sollte das Gebäude als Ganzes betrachtet werden. Nur so lässt sich herausfinden, welche Kombination von Maßnahmen das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bietet. Eine Energieberaterin oder ein Energieberater kann das beurteilen und ein Sanierungskonzept vorschlagen.

Die folgenden Maßnahmen können die Energieeffizienz von Gebäuden erheblich verbessern:

Dämmung des Daches oder der obersten Geschossdecke

Da warme Luft auch in unseren Häusern nach oben steigt, ist es besonders wichtig, ein gut gedämmtes Dach oder alternativ eine gut gedämmte oberste Geschossdecke zu haben. Es gibt viele Möglichkeiten, Dächer oder Decken zu dämmen und so Heizenergie zu sparen.

Mehr zur Wärmedämmung von Dach, Fassade und Keller auf der Seite der Verbraucherzentrale

Dämmung der Kellerdecke

Meist relativ kostengünstig und trotzdem effektiv ist die unterseitige Dämmung der Kellerdecke bei unbeheizten Kellerräumen. So bleibt auch im Erdgeschoss der Boden angenehm warm.

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Dämmung der Außenwände

Eine Fassadendämmung ist ein wesentlicher Baustein zu einem energie­effizienten Haus. Bei jeder Sanierung ist es aber wichtig, das Gebäude als Ganzes zu betrachten. Gerade bei der Dämmung der Außenwände müssen z. B. frühzeitig die Fenster in die Planung mit einbezogen werden, damit nicht unnötige Kosten entstehen. Energie­effizienz-Experten helfen dabei, die Arbeiten aufeinander abzustimmen. Auch bei Gebäuden, deren äußeres Erscheinungsbild nicht verändert werden soll, wie zum Beispiel Fachwerk- oder Backsteinhäuser, ist eine Sanierung der Fassade  durch Innen- oder Kerndämmung möglich.
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Dämmmaterialien

Bei der Dämmung der Gebäudeteile können unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. Der gängigste Dämmstoff für die Fassadendämmung ist Polystyrol-Hartschaum. Es ist kostengünstig, sehr leicht zu verarbeiten und hat ausgezeichnete Dämmeigenschaften. Die aktuell auf dem Markt erhältlichen Dämmstoffplatten kommen ohne das Flammschutzmittel HBCD aus, erfüllen selbstverständlich den Brandschutz und können entsprechend unproblematisch entsorgt werden. Aber auch für ältere Platten, die noch HBCD enthalten, gibt es seit August 2017 Regelungen zur fachgerechten Entsorgung. Daneben gibt es auf dem Markt auch eine Reihe von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Naturdämmstoffe reduzieren das Treibhausgas CO2 nicht allein durch ihre Dämmwirkung, sondern zusätzlich wird das beim Wachstum der Pflanze aufgenommene CO2 über die Nutzungsdauer des Dämmstoffes festgelegt.

Fenster und Türen austauschen

Alte Fenster sind oft große Schwachstellen im Altbau. So geht viel Wärme verloren und ein Fenstertausch lohnt sich. Hierbei ist es besonders wichtig, das ganze Gebäude zu betrachten. Neue Fenster sollten mit der Außenwanddämmung geplant werden, um Kosten zu sparen und Wärmebrücken vorzubeugen. Auch ist zu berücksichtigen, dass die neuen Fenster dichter als die bestehenden sind.
Mehr zum Fenstertausch auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Heizung optimieren oder erneuern

Eine effiziente Heizung sorgt für angenehme Wärme, senkt die Heizkosten im Vergleich zu alten Anlagen und entlastet das Klima. Nach Sanierungen der Gebäudehülle muss das Heizungssystem meist an die neuen Gegebenheiten angepasst oder sogar ganz erneuert werden. Bei Einbau eines neuen Systems sollten möglichst nur noch erneuerbare Energien verwendet werden. Die Kombination mit einer hocheffizienten Gas-Brennwertheizung gilt heute als eine Übergangslösung für die nächsten 20 Jahre. In gut gedämmten Gebäuden können erneuerbare Energien optimal eingesetzt werden.
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Effizienzstandards von Gebäuden

Wer ein Gebäude sanieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Je nach Zustand des Gebäudes und den vorgenommenen Maßnahmen können mit der Sanierung unterschiedliche Effizienzstandards erreicht werden.

Die KfW ist die Förderinstitution des Bundes für energieeffiziente Gebäude. Sie unterscheidet auf Grundlage der Energieeinsparverordnung verschiedene Effizienzstufen. Für Sanierungen gibt es die Standards 55, 70, 85, 100 und 115. Je kleiner der Wert ist, desto geringer ist der Energie­bedarf der Immobilie. Als Referenz dient ein KfW-Effizienz­haus 100. Im Vergleich zum Referenz­gebäude  benötigt das Effizienz­haus 55 nur 55 % der Primär­energie. Ein KfW-Effizienzhaus 100 entsprach bis 2016 den gesetzlichen Mindestanforderung an einen Neubau laut Energieeinsparverordnung (EnEV). Inzwischen muss der Energiebedarf von Neubauten 25 Prozent darunter liegen. Für denkmalgeschützte Gebäude gibt es einen eigenen Standard. Bei Nichtwohngebäuden werden Sanierungen zum KfW-Effizienzhausstandard 70, 100 und Denkmal gefördert.

Für das Erreichen eines KfW-Effizienzhausstandards 85 in einem Wohngebäude können zum Beispiel die folgenden Maßnahmen nötig sein:

  • Außenwanddämmung 14 cm
  • Dachdämmung 20 cm
  • Kellerdämmung 8 cm
  • Neue Fenster mit Doppel­verglasung
  • Gas-Brennwertheizung
  • Solaranlage zur Trinkwasser­erwärmung und Heizungs­unterstützung

Zur Erläuterung der Effizienzhausstandards auf der Seite der KfW

Sanierung zum KfW-Effizienzhaus

Beispiele

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