Die Wand

Die Außenwände eines Gebäudes haben unterschiedlichste Funktionen zu erfüllen: Sie markieren den Grundriss und bilden die Statik des Gebäudes, sie bieten Schutz gegen Schall, Witterung, Wärme und Brände. Und zu guter Letzt sind sie das „Gesicht“ des Hauses mit allen architektonischen Elementen und Formen.

Wenn ein Gebäude mit einer besonders gestalteten Fassade eine Innendämmung erhalten soll, stellt sich die zentrale Frage: Ist meine Wand geeignet? Entscheidend sind hier die Lage und Ausrichtung der Außenwände, die verwendeten Materialien und Konstruktionen sowie eine Einschätzung zum allgemeinen Erhaltungszustand der Außenwände.

Die Außenwandkonstruktionen, für die Innendämmsysteme am häufigsten nachgefragt werden, lassen sich in fünf Gruppen einteilen: Natursteinmauerwerk, Backstein als einschaliges bzw. zweischaliges Mauerwerk, Fachwerk und Fachwerk mit Behang. Zuweilen befindet sich an einem Gebäude eine Kombination aus verschiedenen Außenwandkonstruktionen.

Natursteinmauerwerk

Backstein, ein- oder zweischalig

Fachwerk ausgemauert

Fachwerk behängt

Kombination verschiedener Außenwandkonstruktionen

Kann die Außenwand von innen gedämmt werden?

Grundsätzlich kann eine Außenwand an der Innenseite gedämmt werden, wenn die Schlagregendichtheit gewährleistet ist bzw. wenn die Außenwand durch Regen gar nicht, nur selten oder nur in geringem Maße feucht wird. Entscheidend ist, zu welcher Himmelsrichtung die Wand ausgerichtet ist. Liegt sie an der „Wetterseite", oder eher geschützter? Ist nur der Giebel dem Starkregen ausgesetzt oder steht das gesamte Gebäude exponiert und ungeschützt im Wetter? Darüber hinaus ist wichtig, ob die Konstruktion schadhaft ist und ob der Innenputz aus geeigneten Materialien besteht.

Die "Wetterseite"

Fassaden, die nach Südwesten, Westen oder Nordwesten (Hauptwindrichtung) ausgerichtet sind, liegen in der Regel an der „Wetterseite" und sind somit häufig Schlagregen oder zumindest einem verhältnismäßig hohen Feuchteeintrag ausgesetzt. Abgeschwächt wird diese Feuchtequelle durch eine Nachbarbebauung oder durch einen großen Dachüberstand. Berücksichtigt werden muss auch, wenn die Hauptwindrichtung durch lokale Bedingungen verändert wird.

Neben diesen Faktoren muss auch die Fassade selbst bei diesen ersten Betrachtungen einbezogen werden insbesondere mit all ihren Vor- und Rücksprüngen sowie ihren Übergängen von unterschiedlichen Materialien. Aber auch Dachrinnen, Fallrohre und weitere Bauteile wie z.B. Fensterbänke und Blechabdeckungen, die das Regenwasser in irgendeiner Form ableiten, müssen hinsichtlich ihrer Funktionstüchtigkeit gründlich in Augenschein genommen werden.

In jedem Falle gilt: Eine Innendämmung an einer nach Westen orientierten Fassade ist nur dann möglich, wenn ein ausreichender Schlagregenschutz gewährleistet ist. Außerdem sind Fassadenbereiche, die im Spritzwasserbereich von Gehwegen und Fahrbahnen, oder die im Einflussbereich der Bewässerung von Grünanlagen liegen, wie Westfassaden zu behandeln.
Aber auch bei Südwest- bzw. Nordwestausrichtung ist darauf zu achten, dass der Eintrag von Feuchtigkeit in die Außenwand so gering wie möglich ist. Insofern ist vorab die Außenoberfläche genauestens zu prüfen.

Die Nord-, Ost- und Südfassade

Eine geringere Feuchtequelle durch Schlagregen findet sich an Fassaden, die nicht in der Hauptwindrichtung, also meist direkt nach Norden, Osten oder Süden ausgerichtet sind. Steinsichtige, einschalige Fassaden (ohne Luftschicht) dürfen bei dieser Orientierung eine geringe Wasseraufnahme aufweisen. Kommt kein Wasser an die Fassade, sind aller Voraussicht nach auch keine Maßnahmen notwendig.

Schlagregenschutz

Sind Fassaden dem Schlagregen oft und stark ausgesetzt, also Wetterseiten oder generell in den Küstenregionen, so ist ein sehr guter Schlagregenschutz erforderlich, der meist nur konstruktiv zu erreichen ist:

Bei einschaligem Natursteinmauerwerk, einschaligem Mauerwerk und Fachwerk bieten sich Vorhangfassaden (Behang) mit Schiefer, Schindeln, Dachziegeln, Blechbekleidungen etc. an. Dieses hätte den Vorteil, dann ggf. eine Außendämmung hinter dem Behang anbringen zu können.

Bei zweischaligem Mauerwerk (Mauerwerk mit Luftschicht) müssen ggf. nur die Verfugungen erneuert bzw. defekte Teilflächen ausgetauscht werden. Sollten sich jedoch auf der Innenseite feuchte Stellen, Verfärbungen, Schimmel oder Ähnliches befinden, müssen die Ursachen unbedingt vorher durch einen Fachmann abgeklärt werden.

An Außenwandflächen mit Außenputz lassen sich die schadhaften Stellen in der Regel leicht überarbeiten. Ein rissfreier Außenputz mit geeignetem Neuanstrich reduziert den Feuchteeintrag auch bei einschaligem Mauerwerk.

Mauerwerk, auf den ersten Blick in Ordnung

Mauerwerk, offensichtlich schadhaft

Testverfahren für Schlagregenschutz

Auch wenn ein Mauerwerk auf den ersten Blick nicht schadhaft aussieht, sollte in einer ersten baupraktischen Bewertung der Konstruktion festgestellt werden, wie hoch die Wasseraufnahme der Außenwand ist:

Mit einer Sprühflasche (Blumenspritze) wird in zwei bis drei Sprühvorgängen Wasser auf die Wand aufgetragen. Wenn das Wasser an langen Ablaufspuren nach unten abläuft, ist die Wasseraufnahme des Mauerwerks eher gering.
Läuft jedoch kein Wasser ab und es wird vom Mauerwerk aufgenommen, dann ist die Wasseraufnahme zu hoch. In diesem Fall muss weiter überprüft werden, ob die Feuchtequelle ggf. eher gering ist. Das ist der Fall, wenn:

  • das Bauteil sehr gut geschützt ist (z. B. durch einen sehr großen Dachüberstand)
  • ein sehr geringer Abstand (ca. 3m) zu einer davor gelegenen höheren Nachbarbebauung für Schutz sorgt
  • Staubablagerungen an den Mörtelfugen bzw. am Putz umfänglich darauf hinweist, dass selten Schlagregen auftritt.

Ansonsten müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Wasseraufnahme zu begrenzen durch z.B. eine neue Verfugung, eine Imprägnierung (Hydrophobierung) der Fassade oder einen Neuanstrich des rissfreien Außenputzes.

Abschließende Bewertung

Ist man sich als Bauherr oder Bauherrin jedoch nicht absolut sicher, ob die relevanten Außenwände des Gebäudes für die Innendämmung geeignet sind, sollte unbedingt ein Experte (Fachplaner, Energieberater, Bauphysiker, o. ä.) hinzugezogen werden. Weist beispielsweise eine deutliche Rissbildung an den Steinen auf Vorschäden hin, muss ein Fachmann dies einschätzen. Besteht die Wand aus organischen Materialien (Lehm mit Zuschlagsstoffen, Stroh, Holz etc.) und ist ggf. zusätzlich eine Holzbalkendecke in die Außenwand eingebunden, so ist eine Detailbetrachtung durch den Fachmann unbedingt erforderlich! 

Gegebenenfalls können spezielle Messungen, Untersuchungen und Berechnungen erforderlich sein, um die Schlagregendichtheit zu bewerten, um größtmögliche Sicherheit hinsichtlich der Konstruktion zu bekommen und um geeignete Dämmsysteme für das Gebäude vorzuschlagen.

Experten erkennen den Erhaltungszustand der Außenwand und deren Konstruktion. Sie können dies fachgerecht prüfen und bewerten und informieren über aktuelle Fördermöglichkeiten. (Hinweis auf Energieberater für Denkmäler und WTA-Merkblätter).

Nächste Schritte
Wenn die Prüfungen der Außenwand soweit abgeschlossen sind und feststeht, dass eine Innendämmung angebracht werden kann, sollte zusätzlich geprüft werden, ob dieselbe Wand auch für eine Wandflächenheizung geeignet ist.

Geht auch eine Wandflächenheizung?

Grundsätzlich ist eine Außenwand nach entsprechender Vorbehandlung des Untergrundes immer für Flächenheizungssysteme geeignet. Damit nicht buchstäblich nach draußen geheizt wird, muss die entsprechende Außenwand einen gewissen Dämmstandard haben. Der U-Wert der Außenwand sollte möglichst bei 0,40W/m²K oder besser liegen. Das neue Gebäudeenergiegesetz macht keine Vorgaben hinsichtlich eines einzuhaltenden U-Wertes bei nachträglichem Anbringen einer Innendämmung. Aber die Dämmung sollte soweit ausreichend sein, dass die Vorlauftemperatur des Heizsystems 35°C nicht übersteigen muss, damit eine möglichst hohe Effizienz des Heizbetriebes gewährleistet ist. Die zur Verfügung stehende Wandfläche ohne Fenster sollte dafür ausreichen.

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