Die Bau- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Samtgemeinde Gellersen suchte nach Möglichkeiten, wie sich der wirtschaftlich herausfordernde geförderte Wohnungsbau stabil finanzieren lässt und gleichzeitig die Nebenkosten für die Mietenden spürbar sinken können. Steffen Gärtner, Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen, erklärt:
Wir sehen Mieterstrom als Chance, lokal erzeugten Solarstrom direkt im Gebäude zu nutzen und so sowohl den Mietenden als auch unserer Samtgemeinde finanzielle Vorteile zu bieten. 
Durch das Mieterstromkonzept profitiert die Kommune von zusätzlichen Einnahmen aus dem Anlagenbetrieb, statt den gesamten Solarstrom nur gegen Vergütung ins Netz einzuspeisen.
Solarstrom für das gesamte Quartier
Im Quartier wurden auf mehreren Gebäuden Photovoltaikanlagen installiert. Über ein digitales Mieterstromkonzept mit intelligentem Zählsystem wird der Strom den einzelnen Wohnungen zugeordnet. Ein virtueller Summenzähler ermöglicht die Abrechnung des lokal erzeugten Stroms und reduziert den organisatorischen Aufwand. Ziel war es außerdem, möglichst viele Haushalte zur Teilnahme am Mieterstrommodell zu bewegen.
Die Fakten
Gebäude und Wohnungen
- 59 Wohneinheiten insgesamt,
davon 49 geförderte Wohnungen und 10 frei vermietete Wohnungen
- rund 3.762 m² Wohnfläche
- Gesamtinvestition: ca. 16 Mio. Euro
- 57 von 59 Haushalten nutzen das Mieterstromangebot
Photovoltaik
- Gesamtleistung: 133,73 kWp
(3x 29,67 kWp und 2x 22,36 kWP)
- Jahresstromerzeugung: ca. 134.950 kWh
- Eigenverbrauchsanteil: etwa 45–55 %
- Keine Batteriespeicher installiert
Kosten und Einsparung
- Stromkostenersparnis für Mieter:innen: ca. 162 € pro Jahr
- etwa 20 % günstiger als Grundversorgung

Betrieb
- Mieterstrommanagement über digitale Komplettlösung (Verträge, automatisierte Ablesung, intelligentes Zählkonzept, Buchhaltungsmanagement)
- Messstellenbetriebskosten: ca. 7.000 € jährlich
- einmalige Kosten für Zählerinstallation: etwa 15.000 €
Herausforderung Bürokratie und Digitalisierung
Ein zentrales Problem auf dem Weg zum Mieterstrom waren die bürokratischen Anforderungen. „Klassische Mess- und Abrechnungskonzepte hätten einen hohen manuellen Aufwand verursacht“ erklärt Steffen Gärtner – etwa bei der Zählerablesung, bei der Aufteilung der Strommengen oder bei der Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Um diesen Aufwand zu reduzieren, setzt die EBG auf ein digitales Mieterstromportal und ein virtuelles Summenzählerkonzept. Die Zähler werden automatisch ausgelesen, die Strommengen bilanziell zugeordnet und die Abrechnungen softwaregestützt erstellt. Dadurch sinkt der Verwaltungsaufwand deutlich, auch wenn die gesetzlichen Vorgaben weiterhin komplex bleiben.