Was also heißt das für klimafreundliche Schulfahrten? Ein Einstieg kann die Beschäftigung mit den nachhaltigen Aspekten des Reiseziels und der Transportmittel sein. Hier sollte das Thema irreführende Aussagen in der Werbung und den Dschungel mit teilweise nicht belegbaren Siegeln behandelt werden – alleine in der Reisebranche gibt es über 140 davon! Neben dem Viabono-Siegel sind diese Zertifizierungen zu nachhaltigen und umweltfreundlichen Reisen besonders empfehlenswert:
- EU Ecolabel: offizielles Umweltzeichen der Europäischen Kommission, das unter anderem im Tourismus vergeben wird (zum Beispiel an Hotels oder Jugendherbergen).
- TourCert-Siegel: wird nach strengen Kriterien von einer gemeinnützigen GmbH an über 400 Reiseveranstalter, Reisebüros, Hotels und mehr vergeben.
- Green Globe: Das Unternehmen zertifiziert auf die Punkte ökologische, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit hin und prüft unabhängig. Es vergibt sein Label auf der ganzen Welt, etwa an Hotels, Autovermietungen, Caterer und Veranstaltungszentren.
Darauf aufbauend, können in den nächsten Schritten die Themen Klimaneutralität und CO2-Kompensation behandelt werden. Denn Schulen, die eine möglichst klimafreundliche Klassenfahrt buchen wollen, stehen vor einer unübersichtlichen Lage in der Reisebranche. Viele Anbieter von als klimaneutral beworbenen Klassenfahrt antworten nicht transparent auf die zentralen Fragen:
- Wo und wie finden die Kompensationen statt?
- Wie hoch ist der Kompensationspreis pro Tonne CO2?
Wie detailliert man sich die einzelnen Anbieter zu diesen Fragen anschauen sollte, zeigen folgende Beispiele: So werben einige Anbieter damit, klimaneutrale Klassenfahrten bzw. mit einem hundertprozentigen Ausgleich der durch die Beförderung mit dem Reisebus entstandenen Emissionen. Dabei sollte jedoch kritisch hinterfragt werden, wie genau die Kompensation erfolgt. Denn häufig werden in diesem Zusammenhang Aufforstung- und Ökostromprojekte im globalen Süden nach dem Verified Carbon Standard (VCR, verwaltet über die Organisation Verra) angegeben. Der VCR-Standard und Verra stehen seit 2023 jedoch in der Kritik u.a. wegen des Vorwurfs, dass über 90 Prozent der von Verra zertifizierten Regenwald-Kompensationen wertlos sind und es sich um 'Phantomgutschriften' handele. Insbesondere Aufforstungsprojekte im globalen Süden werden zunehmend grundsätzlich kritisiert, da es hierbei in der Vergangenheit zu Landnutzungskonflikten mit der einheimischen Bevölkerung gekommen ist und auch das Kriterium der Permanenz (durch Bränden oder Rodungen) kaum belastbar zu überprüfen ist. Auch die Deutsche Bahn wirbt für Rundum-Pakete für Klassenfahrten in deutsche und europäische Großstädte mit einer umweltfreundlichen Anreise (100 Prozent Öko-Strom aus erneuerbaren Energien im Fernverkehr). Allerdings werden in diesem Kontext keine Angaben zur Klimabilanz der Unterkünfte gemacht.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass es – derzeit – noch keine „einfache Lösung“ gibt für klimafreundliche Klassenfahrten. Die einzelnen Aspekte sollten erläutert, gemeinsam abgewogen und dann eine Entscheidung gefällt werden.
Was Flugreisen angeht, ist die klimaschädliche Bilanz offensichtlich. Die Wahl nicht-kompensierter Billigflüge ist entsprechend weder pädagogisch noch gesellschaftlich zu verantworten. Eine unvermeidbare Flugreise sollte immer eine freiwillige und seriöse Kompensation enthalten. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt dafür Atmosfair, For Tomorrow und PrimaKlima. Dieser Empfehlung kann man grundsätzlich folgen, sollte aber einen genauen Blick auf das gewählte Kompensationsprojekt haben. Atmosfair hat zudem einen stetig wachsen Pool an Kooperationspartnern (z. B. für Schülersprachreisen) und eine Liste von Reisebüros, die zu klimafreundlichem Reisen beraten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es aktuell keine eindeutige Lösung für die Frage nach klimafreundlichen Schulfahrten gibt. Wichtig ist die Diskussion der einzelnen Aspekte und – ganz im Sinne einer BNE – mit den Schüler:innen über die Folgen ihrer Entscheidungen rund um das Thema zu sprechen. Das gilt auch für die gemeinsame Auswahl eines Kompensationsprojekts. Denn trotz der Kritikpunkte ist es sinnvoll, mit einem seriösen Anbieter die Lebenssituation für die Menschen im Globalen Süden zu verbessern, z. B. durch eine zuverlässige Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen, die Stärkung der Infrastruktur oder die Vermittlung von technologischem Knowhow in den meist ländlichen Regionen oder auch heimische Moore und Mischwälder in Deutschland zu schützen. Das schützt die Umwelt und das Klima und fördert eine nachhaltige Entwicklung.
Schulen, die nicht nur ihre Schulreisen klimaneutral gestalten wollen, sondern bilanzielle Klimaneutralität erreichen wollen, können über den Verein „Wasser für Kenia“ und ein schuleigenes Entwicklungsprojekt kompensieren. Weitere Infos dazu auf der Webseite der Klimaneutralen Schule.
Weiterführende Informationen finden sich im Ratgeber "Freiwillige CO2-Kompensation durch Klimaschutzprojekte" sowie zum Thema nachhaltiges Reisen auf der Webseite des Umweltbundesamts.
Veröffentlicht am: 8. August 2025