Natürliche Kohlenstoffsenken sind Biotope, in denen CO2 über die Photosynthese von Pflanzen der Luft entnommen und langfristig gespeichert wird.

In Deutschland zählen Wälder, Moore und Grünland zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken. Befinden sie sich in einem guten Zustand, können sie dem Klimawandel gegenwärtig und in Zukunft entgegenwirken, indem sie CO2 aus der Atmosphäre entnehmen. So könnte der aktuelle CO2-Ausstoß über den Effekt von Klimaschutzmaßnahmen hinaus reduziert werden und es könnten auch in Zukunft unvermeidbare Restemissionen ausgeglichen werden. Dass die Biotope große Mengen an CO2 speichern, bedeutet jedoch auch, dass diese bei Schädigung wieder freigesetzt werden und den Klimawandel beschleunigen können.

Die entsprechenden natürlichen Lebensräume und ihre klimarelevante menschliche Nutzung werden im Sektor LULUCF (Land Use, Land-Use Change and Forestry) zusammengefasst. Dieser Sektor ist der einzige, der unvermeidbare Restemissionen aus anderen Bereichen wie Landwirtschaft und Industrie ausgleichen könnte.  Das Bundesklimaschutzgesetz (KSG) setzt daher das Ziel, dass der LULUCF-Sektor im Jahr 2030 25 Megatonnen CO2-Äquivalente aufnimmt. Die EU-LULUCF-Verordnung verpflichtet Deutschland zu einem etwas strengeren Ziel von 30 Megatonnen CO2-Äquivalente für Jahr 2030. Weitere nationale Ziele sehen eine Senkenleistung von 35 Megatonnen bis 2040 und 40 Megatonnen bis 2045 vor.

International spielen natürliche Kohlenstoffsenken z.B. im Rahmen von Kompensationsprojekten im globalen Süden und bei der Anrechnung von Emissionseinsparungen gemäß dem Pariser Abkommen eine wichtige Rolle.

 

Wald

Bis 2017 stellte der Wald in Deutschland durch den Zuwachs des Holzvorrates eine Kohlenstoffsenke dar. In den letzten Jahren ist er zur Kohlenstoffquelle geworden: Durch den Klimawandel – konkret durch Dürren, Stürme und Borkenkäferbefall – wurde ein massives Fichtensterben ausgelöst und auch die Vitalität der Laubbäume verringert. Da der Kohlenstoffverlust in der lebenden Biomasse in den Jahren 2017 bis 2022 dadurch höher war als der Holzzuwachs und zudem der Boden weniger Kohlenstoff gespeichert hat, hat der Wald in Deutschland in diesem Zeitraum mehr CO2 emittiert als gebunden. Da mit dem starken Fichtensterben in den vergangenen Jahren der Holzvorrat in deutschen Wäldern einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat und für die nächsten Jahre wieder mit einem Zuwachs gerechnet wird, wird für die nächsten Jahre ein Rückgang der Emissionen des Waldes erwartet.

Moore und kohlenstoffreiche Böden

Moore sind Lebensräume, die sich durch einen besonderen Wasserhaushalt und besondere Pflanzenarten auszeichnen. Ihre Kohlenstoffsenkenfunktion basiert grundsätzlich darauf, dass abgestorbene Pflanzenbiomasse in dem hoch anstehenden, nährstoffarmen Wasser im Moorkörper kaum abgebaut wird, sondern in Form von Torf gespeichert wird.

In Niedersachsen bilden Moorböden eine Gesamtfläche von rund 400.000 Hektar. Niedersachsen beheimatet damit rund 38 Prozent der bundesweiten Moorflächen und ist das moorreichste Bundesland Deutschlands. Der überwiegende Teil der niedersächsischen Moorflächen ist jedoch entwässert worden, um Torf abzubauen und die Flächen im Anschluss als Grünland zu nutzen. Durch die Entwässerung wird den Moorböden Sauerstoff zugeführt und so ein Abbauprozess organischen Materials gestartet, der bis heute in enormem Ausmaß CO2 freisetzt.

Berechnungen ergeben, dass die Emissionen aus diesen Flächen im Jahr 2019 (15,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) jene des Gebäudesektors in Niedersachsen (14,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) überstiegen.

Grünland

Inzwischen ist auch das Grünland als Kohlenstoffspeicher in den Fokus geraten. Hier wird Kohlenstoff in der oberen Schicht des Mineralbodens als Humus festgelegt.

Fazit

Der LULUCF-Sektor bietet ein großes Potenzial, zum Erreichen der Klimaziele beizutragen, indem er durch Negativemissionen unvermeidbare Restemissionen aus anderen Sektoren ausgleichen kann. Durch starke Schäden am Waldbestand können natürliche Senken diesen Beitrag aktuell nicht leisten. Eine Prognose der zukünftigen Emissionen des Sektors ist sehr komplex. So ist es nach Aussage des Expertenrats für Klimafragen aktuell noch unklar, ob natürliche Senken bis 2045 wieder Negativemissionen aufweisen können und ob die Klimaziele für den LULUCF-Sektor eingehalten werden können.

Durch die Senkenfunktion ist der Erhaltungszustand insbesondere von Wäldern und Mooren zuletzt wieder stärker in den Fokus geraten. Ein großer Schritt wurde 2024 mit der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) unternommen: Sie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten u.a. dazu, bis 2030 auf mindestens je 20 Prozent der Land- und Meeresfläche der EU, die der Wiederherstellung bedürfen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Hierin liegen große Chancen sowohl für den Natur- als auch für Klimaschutz in Deutschland.

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