Was ist also im Bereich Mobilität zu tun? Es geht um den Umbau des Verkehrssektors hin zu einem klimafreundlichen und nachhaltigen Verkehrssystem. „Vermeiden – Verlagern – Verbessern" sind die drei Elemente dieser Verkehrswende. Das Ziel ist, so viel Verkehr wie möglich zu vermeiden, den nicht vermeidbaren Verkehr auf klimafreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern und schließlich den noch verbleibenden Kfz-Verkehr so zu "verbessern", dass seine Emissionen deutlich reduziert werden.

Wie klimafreundlich ist unser Verkehr?

Die Bundesregierung hat Ende 2016 mit dem Klimaschutzplan 2050 einen nationalen Rahmen für die künftige Klimapolitik beschlossen. Darin enthalten ist erstmals auch ein Reduktionsziel für den Verkehr, das auch im 2019 verabschiedeten Klimaschutzgesetz festgeschrieben wurde: Bis 2030 sollen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen um mindestens 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 verringert werden. Angesichts der Tatsache, dass die Emissionen aus dem Verkehr im Jahr 2016 knapp über dem Niveau von 1990 lagen, eine große Herausforderung.

Die Mobilitätsstudie "Mobilität in Deutschland (MiD)"im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hat im Jahr 2017 untersucht, wie viel, warum und mit welchen Verkehrsmitteln die Deutschen unterwegs sind. Diese Ergebnisse sind mit Zahlen der Umfrage aus den Jahren 2008 und 2002 verglichen worden. Insgesamt zeigt sich, dass das Auto in der Kilometerbilanz Anteile an die anderen Verkehrsträger verliert. Der größte Gewinner ist der öffentliche Verkehr mit Bussen und Bahnen; der Anteil gefahrener Personenkilometer steigt in diesem Bereich von 14 Prozent auf 19 Prozent. Ursächlich hierfür ist vor allem das Mobilitätsverhalten der Jüngeren sowie der Menschen in den Städten. In ländlichen Räumen spielt das Auto weiterhin eine wichtige Rolle.

Insgesamt bleibt das Auto das meistgenutzte Verkehrsmittel, auch in Niedersachsen. Hier entfallen 61 Prozent der Wege auf das Auto, 39 Prozent auf Fußwege, das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel.
Zur Studie auf der Seite des Bundesverkehrsministeriums

 

Entwicklung der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen nach Quellgruppen. Quelle: Umweltbundesamt

Verkehrsvermeidung

Verkehrsvermeidung ist der erste und wichtigste Aspekt der Verkehrswende. Denn wo kein Verkehr notwendig ist, entstehen auch keine Emissionen und dort werden auch keine alternativen Mobilitätsangebote benötigt, die wiederum mit Aufwand und Kosten verbunden sind.

Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung betreffen vor allem die räumliche Planung und die Organisation. Ziel ist es, unnötige Fahrten und Liefertransporte zu vermeiden. Dieses Ziel kann vor allem durch die Ansiedlung einer ortsnahen Infrastruktur, wie z. B. die Ansiedlung eines Supermarkts im Quartier oder auch die Einrichtung einer wohnortnahen Kita erreicht werden. Auch regionale Märkte und der Kauf regionaler Produkte sind eine Möglichkeit, um weite Transporte von Lebensmitteln und anderen Waren zu reduzieren.

Verlagerung auf klimafreundliche Verkehrsmittel

Modal-Split im Jahr 2008 und 2050 im Personenverkehr, nach Raumtypen

Das Schlagwort „Verlagern" steht für die Verlagerung des nicht vermeidbaren Autoverkehrs auf den sogenannten Umweltverbund aus Fußverkehr, Fahrrad und Öffentlichen Personenverkehr (ÖPV). Im Liefer- und Warenverkehr geht es um eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene und andere klimafreundlichere Verkehrsmittel.

Es liegt auf der Hand, dass sich die Möglichkeiten der Verlagerung in ländlichen Räumen deutlich von denen einer großen Stadt unterscheiden – doch für eine erfolgreiche Verkehrswende sind Veränderungen in allen Bereichen notwendig. Die geeigneten Maßnahmen sind je nach Raumstruktur unterschiedlich.

Die oben stehende Abbildung verdeutlicht, welche Anteile an Wegen im Personenverkehr heute mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt werden – und welche Verschiebungen bis zum Jahr 2050 (gegenüber 2008) notwendig sind, um eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen zu erreichen (Szenario der Umweltverbände WWF, BUND, Germanwatch, NABU und VCD). Von 100 Wegen werden heute noch 59 mit dem eigenen PKW gemacht, im Jahr 2050 sollen es nur noch 35 sein. Die anderen 23 verlagern sich auf das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel.

Zu den Voraussetzungen, die für diese Verlagerung notwendig sind, zählen beispielsweise attraktive ÖPNV- und Carsharing-Angebote, Vernetzung von Verkehrssystemen und sichere Radwege zu jeder Jahreszeit.

Verbesserung der Technik

Schließlich gilt es, den noch verbleibenden Kfz‐Verkehr mit möglichst wenig Treibhausgasemissionen abzuwickeln. Hierfür braucht es ordnungsrechtliche Vorgaben zu den maximal zulässigen Emissionen sowie die Entwicklung effizienter und emissionsarmer Verkehrstechnik durch die Automobilhersteller. Beispielhaft können hier Elektro- und Brennstoffantriebe genannt werden, die sich aus erneuerbaren Energiequellen speisen und bedingt auch Erdgas- und Biomethanantriebe.

Damit diese Techniken Wirkung entfalten können, sind auch die Unternehmen und Kommunen gefragt: durch Umrüstung und Neuanschaffung können sie die Emissionen des kommunalen Fuhrparks senken, sowie die notwendige Infrastruktur ausbauen.

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