Jede Kommune hat unterschiedliche Voraussetzungen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Mobilität. Grundsätzlich geht es jedoch darum, passgenaue Maßnahmen zu identifizieren, die dazu dienen, die Mobilität der Menschen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Treibhausgasemissionen, Lärm und Schadstoffemissionen zu reduzieren. Dazu gehörte es auch, alltägliche Wege zu verkürzen oder überflüssig zu machen. Dies führt in aller Regel zu attraktiveren öffentlichen Räumen sowie einer Steigerung der Lebensqualität in der Kommune.

Allgemeine Information zum Thema klimafreundliche Mobilität und den Emissionen des Verkehrssektors finden Sie auf der Seite "Mobilität":

Übergreifende Strukturen und Personalkapazitäten schaffen

Um eine umfassende und stimmige Verkehrsplanung sicherzustellen, die die Bedarfe der Zukunft im Blick hat und für aufeinander abgestimmte Umsetzungsschritte sorgt, sind übergreifende Strukturen, Konzepte und qualifiziertes Personal notwendig. Für bestimmte Konzepte und Personalkosten ist es möglich, Fördermittel zu erhalten.

  • Klimaschutzkonzept "Klimafreundliche Mobilität" erstellen und umsetzen

    Im Rahmen der Kommunalrichtlinie (2.7.1.c) wird die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für "klimafreundliche Mobilität" durch Klimaschutzmanagerinnen oder Klimaschutzmanager sowie die Umsetzung erster Maßnahmen gefördert.

    Zum Förderprogramm auf der Seite der Projektträgers Jülich

  • Verkehrsentwicklungsplan (VEP) / Radverkehrsplan aufstellen

    Verkehrsentwicklungsplan
    Ein Verkehrsentwicklungsplan (kurz VEP) gehört zu den Planungswerken in den Kommunen. Dem Verkehrsentwicklungsplan liegt im günstigen Fall ein Leitbild für die zukünftige Entwicklung der Mobilität in der Kommune (10 bis 15 Jahre) zugrunde; in jedem Fall aber ist er die Grundlage für die Aktivitäten und Investitionen der Kommune im Verkehrsbereich. Der VEP fließt als Fachgutachten in die kommunale Flächennutzungsplanung ein. Nahverkehrspläne befassen sich mit der Entwicklung des ÖPNV.

    Für die Aufstellung eines VEP ist eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation erforderlich und auf ihr aufbauend eine Prognose der zukünftigen Entwicklung. Aus dem Vergleich mit dem Leitbild der Kommune (z.B. Verkehrsvermeidung und –verlagerung) lassen sich dann die konkret erforderlichen Maßnahmen ableiten.

    Radverkehrsentwicklungsplan
    In der Verkehrsplanung sollte der Radverkehr als eigenständiges Verkehrsmittel im Alltags- und Freizeitverkehr betrachtet werden. Um den Radverkehr langfristig strategisch zu fördern und zu entwickeln, bedarf es einer strategischen Planungsgrundlage, die von der Politik genehmigt und mit entsprechenden Haushaltsmitteln ausgestattet wird. Insbesondere die größeren Städte in Niedersachsen haben zu diesem Zweck einen Radverkehrsplan aufgestellt.

    • Beispiel Stadt Göttingen:
      Das Fahrrad genießt in Göttingen einen hohen Stellenwert. Bereits 28 Prozent aller Wege werden in Göttingen mit dem Rad zurückgelegt – und das ist mit Herausforderungen verbunden, da es gerade auf schmalen Radwegen zu Konflikten kommen kann. Der Radverkehrsentwicklungsplan enthält 400 Maßnahmenvorschläge: vom einfachen Grünschnitt bis hin zum kompletten Straßenumbau. Zum Radverkehrsentwicklungsplan Göttingen

     

    Strategien für saubere Luft, für Klimaschutz und für mehr Lebensqualität
    Lebenswerte Städte entstehen dann, wenn der öffentliche Raum nicht einseitig auf die Nutzung für den motorisierten Verkehr ausgelegt ist. Kommunen, die Straßen und Plätze für den Radverkehr umwidmen und / oder Fußgänger- und Aufenthaltszonen schaffen möchten, finden in dem Rechtsgutachten „Öffentlicher Raum ist mehr wert" vom Thinktank "Agora Verkehrswende"  hilfreiche Konzepte und Handlungsansätze.

  • Förderprogramme für Personal nutzen

    Regelmäßig fehlen in Kommunalverwaltungen personelle Kapazitäten für die Umsetzung von Maßnahmen im Handlungsfeld Mobilität. Zwei Förderprogramme bieten Zuschuss für Personalkosten für das Mobilitätsmanagement:

  • Unterstützung durch externe Büros

    Von der ersten Maßnahmenidee über die Planung der Infrastruktur und notwendigen Finanzierungsmitteln bis hin zur Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Für die Akzeptanz und Nutzung der Maßnahme braucht es vielseitiges Know-how und Zeit. Da die Personalkapazitäten in kommunalen Verwaltungen knapp sind, ist es bei manchen Aufgaben ratsam, externe Hilfestellung bei Planungsbüros anzufragen.

    Das Service- und Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz (SK:KK) bietet eine bundesweite Datenbank, in der sich Beratungs- und Ingenieurbüros eintragen können.

    Eine Eingrenzung der Suche auf Anbieter in Niedersachsen ist möglich. Ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass es sich um werbliche Darstellungen der jeweiligen Anbieter handelt, die nicht zwangsläufig vollständig sein müssen. Die KEAN garantiert nicht für die Richtigkeit der Angaben und die Qualität der angebotenen Leistungen.

Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung

Verkehrsvermeidung lässt sich vor allem durch eine durchdachte Stadt- und Infrastrukturplanung sowie die Förderung regionaler Angebote erreichen.

  • „Stadt der kurzen Wege" als Leitbild der Stadtplanung etablieren

    Ein zusammenhängendes, gut ausgebautes Wegenetz schafft einen Wohnort der kurzen Wege. Eine attraktive Nahversorgung versammelt die wichtigsten Geschäfte und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs in fußläufiger Entfernung. Auch ÖPNV-Haltestellen und Fahrzeugsharing-Angebote sind so zu planen, dass sie in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar sind.

    Damit alle Planungsinstanzen einer Kommune auf dieses Ziel hinarbeiten, bedarf es eines einheitlichen, von der Politik verabschiedeten Leitbilds „Der kurzen Wege". Diesem Leitbild zufolge kann das Verkehrsbedürfnis verringert, die Fußgängerfreundlichkeit erhöht und somit Verkehr vermieden werden. Bedingung hierfür ist, dass die räumlichen Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit, (Nah-)Versorgung, Dienstleistungen, Freizeit- und Bildungsorten gering sind. Im Ergebnis soll anteilig mehr Fußgänger-, Radfahr- oder öffentlicher Personennahverkehr stattfinden und weniger motorisierter Individualverkehr. Auch werden die Landschaftszerschneidung und Zersiedelung reduziert.

    Wie Kommunen ein Leitbild entwickeln können, ist in einem Beitrag im Online-Verwaltungslexikon beschrieben.

    Das Projekt "Wohnen leitet Mobilität" setzt sich dafür ein, den Zugang zu klima- und stadtverträglichen Mobilitätsangeboten am Wohnstandort zu erleichtern und Mieterinnen und Mietern attraktive Alternativen zum motorisierten Individualverkehr (also Pkw und Krafträdern) zu eröffnen. Ein Leitfaden gibt Handlungsempfehlungen für die Wohnungswirtschaft und kommunale Verwaltungen.

  • Lieferverkehr vermeiden

    Förderung regionaler klimaschonender Produkte und Dienstleistungen
    Werden Produkte aus der Region genutzt, entfallen lange Lieferwege zwischen Produzenten und Verbrauchern. Mobile Verkaufswagen sowie Quartierswochenmärkte sind hierfür ein gutes Beispiel.

    Auch kann eine Kommune, bzw. ein kommunaler Verbund, die Entwicklung eines „Labels für regionale und klimaschonende Produkte und Dienstleistungen" unterstützen und beispielsweise beim Einzelhandel vor Ort für feste Verkaufsflächenanteile für mit dem Regionallabel gekennzeichnete Produkte werben.

    Logistikkonzepte für die Innenstadt / Bündelung von Lieferverkehren
    Mit der Zunahme des Online-Versandhandels hat zwangsläufig auch der Lieferverkehr zum Endverbraucher zugenommen. Durch Optimierung der Logistikkonzepte für die Innenstadt können Lieferfahrten gebündelt und auf andere Verkehrsträger verlagert werden. Mit der Richtlinie „Städtische Logistik" fördert das BMVi die Erstellung städtischer Logistikkonzepte und Machbarkeitsstudien sowie die Umsetzung konkreter Einzelvorhaben im Bereich der städtischen Logistik. Förderanträge können von Kommunen und Landkreisen bei der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) gestellt werden.

  • Einrichtung dezentraler Gemeinschaftsbüros (Coworking-Spaces)

    Ein „Coworking-Space" ist ein Ort, an dem Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Telefon, Besprechungsräume mit Beamer) zeitlich befristet zur Verfügung gestellt werden. Zu Beginn haben insbesondere Freiberufler, Kreative oder kleinere Startup-Unternehmen diese offenen Räume für sich entdeckt. Sie können unabhängig voneinander in unterschiedlichen Projekten aktiv sein oder auch gemeinsam Projekte verwirklichen und Hilfe sowie Unterstützung durch neue Mitstreiter finden.

    Importiert aus den USA werden inzwischen auch in vielen deutschen Städten Gemeinschaftsbüros angeboten - in Niedersachsen nicht nur in Hannover, Osnabrück und Göttingen, sondern beispielweise auch in Soltau oder im Landkreis Lüchow-Dannenberg – beide Standorte sind Teil der Initiative CoWorkLand.

    Wie können Coworking-Spaces zum Klimaschutz beitragen?
    Coworking-Spaces tragen dann zum Klimaschutz bei, wenn ländliche Kleinstädte und Gemeinden ein solches Gemeinschaftsbüro in ihrem Ort anbieten und hierdurch Pendlerverkehr von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in größere Zentren vermeiden. Die Kommunen schaffen also die Voraussetzungen, dass ihre Einwohnerinnen und Einwohner nicht mehr allmorgendlich den Ort verlassen müssen, um zur Arbeit zu fahren. Gleichzeitig ist das Angebot eines Coworking-Spaces im Ort mit weiteren Vorteilen verbunden:

    • Die Pendler profitieren durch die Zeit- und Stressersparnis. Aus Arbeitgebersicht trägt dies zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei.
    • Die Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bleibt auch innerhalb der Arbeitswoche im eigenen Ort, da die Arbeitsplätze im ländlichen Raum gehalten werden.
    • Zusätzlich zu den vermiedenen Emissionen wird die Verkehrsinfrastruktur entlastet.

    In Summe wird die Kommune als attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum gestärkt.

    Wichtigste Voraussetzung für die Einrichtung eines Coworkings-Spaces im Ort ist die Einrichtung telefähiger Arbeitsplätze mit Büro- und Breitbandinfrastruktur an zentraler Stelle sowie die Kooperation mit Unternehmen in den Zielorten der Pendler.

Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung

Um den Verkehr vom Auto auf klimafreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern, sind attraktive Angebote des öffentlichen Personenverkehrs und eine verbesserte Fahrradinfrastruktur, aber auch Anreize nötig. Auch in diesem Bereich können verschiedene attraktive Förderprogramme genutzt werden.

  • Mobilitätszentralen schaffen

    Mobilitätszentralen sind umfassende Serviceeinrichtungen, die Informationen und Dienstleistungen rund um die Mobilität anbieten und verkehrsmittelübergreifend bündeln, um ein flächendeckendes, übersichtliches und nahtlos nutzbares Mobilitätsangebot zu schaffen.

    Konkret: Wer mit dem Fahrrad von Zuhause zum nächstgelegenen Bahnhof fährt, kann über eine Handy-App sein Ticket kaufen und aktuelle Abfahrtzeiten des ÖPNV erfahren – und am Bahnhof angekommen, das Fahrrad sicher parken und bei einem E-Bike den Akku aufladen. Je nach Größe und Frequentierung der Mobilitätszentrale kann sie sich zu einer Mobilitätsagentur entwickeln und persönliche Beratung sowie weitere Dienstleistungen, beispielsweise Leihräder oder Carsharing, anbieten.

    Landesförderung
    In Niedersachsen werden Maßnahmen von Kommunen und Aufgabenträgern zur Unterstützung einer klimafreundlichen Mobilität mit einem Kostenzuschuss von bis zu 75 Prozent über die „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen zur CO2-Reduktion durch Verbesserung der Stadt/Umlandmobilität im öffentlichen Personennahverkehr" gefördert. Kommunen, die zur Verbesserung des Mobilitätsangebotes z. B. eine Mobilitätszentrale einrichten und auch entsprechende Berater/innen einstellen wollen, können diesen Zuschuss zu den Sach- und Personalkosten auf Antrag erhalten. Dieser Zuschuss wird auch für andere Maßnahmen wie z. B. die Erstellung von Pendlerkonzepten gewährt.
    Weitere Informationen zur Förderung auf der Seite der NBank

    Für die Errichtung einer Mobilitätszentrale kann zusätzlich zur Landesförderung eine Förderung durch die Kommunalrichtlinie (2.11.1) beantragt werden.
    Zum Förderprogramm auf der Seite der Projektträgers Jülich

  • Fahrradfreundliche Infrastruktur schaffen

    Der Radverkehr kann erhebliche Beiträge zur Lösung der Verkehrsprobleme in den Kommunen leisten und ist für den Klimaschutz von hoher Bedeutung. Voraussetzung ist, dass der Radverkehrsanteil in der Kommune im Vergleich zu heute gesteigert wird. Hierfür ist ein intaktes, sicheres und vollständiges Radverkehrsnetz nötig, ergänzt durch weitere Radverkehrsinfrastruktur, wie beispielsweise Abstellanlagen in Innenstädten, Wohngebäuden oder Fahrradparkhäusern an Bahnhöfen. Hinzu kommen nicht-investive Maßnahmen wie z. B. fahrradfreundliche Ampelschaltungen.

    Eine gute Basis für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur sind die "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen" aus dem Jahr 2010 der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen.

    Die Impulsberatung "Fahrrad-Mobilität für Kommunen" bietet niedersächsischen Kommunen die Möglichkeit, einfach und unkompliziert Expertenwissen zu einer akuten Fragestellung zur Radverkehrsplanung zu erhalten. Bis zum 30.06.2020 können Kommunen ihr Interesse bekunden.

    AGFK-Mitgliedschaft
    Die AGFK unterstützt die Kommunen bei der Förderung des Radverkehrs und schafft Synergieeffekte hinsichtlich des Personal-, Zeit- und Kosteneinsatzes. Das kommt den Kommunen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute. Das Land Niedersachsen unterstützt die Arbeit der AGFK hinsichtlich der Finanzierung einer Geschäftsstelle und mit Projektmitteln.
    Hier finden Sie Informationen zur Mitgliedschaft

    Zusätzlich bietet die „Fahrradakademie" vom Deutschen Institut für Urbanistik wertvolle Informations- und Vernetzungsangebote. Zur Homepage der Fahrradakademie

    Förderung
    Die Kommunalrichtlinie fördert investive Maßnahmen im Bereich klimafreundliche Mobilität, zum Beispiel:

    • verkehrsmittelübergreifende Mobilitätsstationen, mit dem Ziel, die verschiedenen Verkehrsmittel des Umweltverbundes überdurchschnittlich miteinander zu verknüpfen,
    • Wegweisungssysteme für den alltagsorientierten Radverkehr,
    • Ergänzung vorhandener Radwegenetze (Lückenschluss durch Radwege, Fahrradstraßen, Radschnellwege oder Radfahr- und Schutzstreifen),
    • Umgestaltung von Knotenpunkten, die zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur dienen,
    • LED-Beleuchtung der neu errichteten Radwege,
    • Radabstellanlagen.

    Mehr Informationen zur Kommunalrichtlinie auf der Seite der Nationalen Klimaschutzinitiative

  • Stationslose Leihfahrräder

    In vielen deutschen Großstädten gehören sie bereits zum Stadtbild: stationslose Leihräder, auch Bikesharing-Räder oder Freefloating-Räder genannt. Besonders in Kombination mit dem ÖPNV bieten diese Räder die Möglichkeit der flexiblen und umweltfreundlichen „Mobilität auf dem letzten Meter".

    Unstrittig ist, dass diese Fahrradverleih-Systeme Fläche in der Stadt in Anspruch nehmen. Daher ist es hilfreich, wenn Kommunen Regelungen treffen und Platz schaffen. Darüber hinaus ist es für Kommunalverwaltungen empfehlenswert, eng mit den Leihradanbietern zusammenzuarbeiten, um „Fahrrad-Wildwuchs" zu vermeiden. Unter dem Titel „Bikesharing im Wandel" hat die Denkfabrik AGORA VERKEHRSWENDE gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund Handlungsempfehlungen für deutsche Kommunen zum Umgang mit stationslosen Systemen formuliert.
    Zur Publikation „Bikesharing im Wandel - Handlungsempfehlungen für deutsche Städte und Gemeinden zum Umgang mit stationslosen Systemen" auf der Seite der AGORA Verkehrswende

  • Lastenräder für den urbanen Transport

    Der Einsatz von Lastenfahrrädern für den Transport von kleineren Lasten und Einkäufen kann im urbanen Bereich viele Autofahrten überflüssig machen. Kommunen können ihren Bürgerinnen und Bürgern Lastenräder zum Verleih anbieten.

    Förderung
    E-Lastenfahrräder (Lastenpedelecs) sowie Lastenanhänger mit elektrischer Antriebsunterstützung (E-Lastenanhänger) mit einem Mindest-Transportvolumen von 1 m³ und einer Mindest-Nutzlast von
    150 kg werden beim Einsatz im fahrradgebundenen Lastenverkehr durch die Kleinserien-Richtlinie des Bundesumweltministeriums gefördert. Diese Förderung erfolgt als flankierende Maßnahme zum Sofortprogramm Saubere Luft im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. 
    Weitere Informationen auf der Seite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

    Lastenradverleihsysteme: Beispiel Hannover
    In einigen Städten gibt es auch Verleihangebote für Lastenräder, wie zum Beispiel die Hannah-Lastenradinitiative in Hannover.

  • Attraktive ÖPNV-Angebote schaffen– auch im ländlichen Raum

    Gerade im ländlichen Raum fehlt es vielfach an attraktiven Angeboten für den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Wie sich das ändern lässt, zeigt ein Beispiel aus dem Landkreis Vechta. Der Landkreis hat sich zum Ziel gesetzt, einen attraktiven ÖPNV für seine Einwohner anzubieten.

    Innerhalb weniger Jahre ist es gelungen, die Fahrgastzahlen im ÖPNV zu vervielfachen. Elemente dieser Erfolgsstrategie sind u.a. wohnortnahe Haltestellen, die regelmäßige Taktung der Busse, ein niedriger Preis, die Ausrichtung auf andere öffentliche Verkehrsangebote wie die Bahn und ein niedrigschwelliger Zugang zum ÖPNV Angebot mit einer bürgernahen Beratung in der extra eingerichteten Mobilitätszentrale. Der kleine Film moobil + aus dem Landkreis Vechta zeigt, wie ein attraktiver ÖPNV im ländlichen Raum aussehen kann.
    Zum Film

    Landesförderung
    Die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) vergibt Fördermittel für den öffentlichen Personennahverkehr. Es gibt Förderprogramme u. a. für Bushaltestellen, Umfeldmaßnahmen an Bahnhöfen (Stellplätze für Park + Ride und Bike + Ride, etc.), Omnibusbetriebshöfe, Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung und Echtzeitinformation. Für die Erstbeschaffung eines Bürgerbusses kann außerdem ein Zuschuss von 75 Prozent beantragt werden. Die Anträge für die ÖPNV-Förderung sind zum 31. Mai eines Jahres für das nachfolgende Haushaltsjahr zu stellen. Mehr auf der Seite der LNVG

  • Betriebliches Mobilitätsmanagement

    Gerade größere Kommunen mit vielen eigenen Angestellten können durch die klimafreundliche Ausgestaltung der Mobilität ihrer Mitarbeiter erheblich zum Klimaschutz beitragen. In den Landkreisen Göttingen und Osnabrück gibt es bereits gute Erfahrungen mit dem betrieblichen Mobilitätsmanagement.

    Das betriebliche Mobilitätsmanagement ist ein Baustein eines übergreifenden kommunalen Mobilitätskonzeptes. Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen FGSV aus Köln definiert das betriebliche Mobilitätsmanagement wie folgt: „Betriebliches Mobilitätsmanagement ist eine strategische Planungsmethode zur Gestaltung des von einem Betrieb erzeugten Verkehrs. Der Betrieb wird dabei sowohl als Ziel als auch als Quelle des Verkehrs betrachtet. Das betriebliche Mobilitätsmanagement zielt auf eine möglichst effiziente, sichere, stadt- und umweltverträgliche Organisation dieser Verkehrsströme." [1]

    Das betriebliche Mobilitätsmanagement umfasst eine Analyse der verkehrlichen Rahmenbedingungen, der Wohnstandorte und damit der Arbeitswege der Beschäftigten. Grundlage für die Entwicklung von klimafreundlichen Alternativen ist eine Befragung der Mitarbeiter/innen des jeweiligen Betriebes, um Angaben zu den Mobilitätsgewohnheiten und –bedürfnissen der Beschäftigten zu erhalten. Aus den Ergebnissen dieser Befragung zum Mobilitätsverhalten und dem Bedarf werden konkrete Maßnahmen zur klimafreundlicheren Gestaltung der Arbeitswege entwickelt. Die Maßnahmen, die von den Mitarbeitern mitentwickelt wurden, stoßen auf eine größere Akzeptanz. Das betriebliche Mobilitätsmanagement - ein guter Einstieg in die Thematik „Mobilität".

    [1] Quelle: ILS, PGN, UniDo FOPS-Projekt „Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen und Rahmenbedingungen des betrieblichen Mobilitätsmanagements, Abschlussbericht 2007", S. 11

  • "Elterntaxis" überflüssig machen

    Der bequeme Transportservice für Kinder und Jugendliche: Eltern fahren sie bis vor den Schuleingang oder am Nachmittag vor das Vereinsheim. Die Autofahrten haben nicht nur einen negativen Einfluss auf unser Klima. Vielmehr stellen sie eine Unfallquelle für andere Kinder dar, die mit Schulbussen oder dem Fahrrad fahren. Es gibt bereits viele Kommunen, die dem Phänomen der Elterntaxis mit Aufklärung, Sensibilisierung, aber auch mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen begegnen. Beispiele sind:

    • „Schulbus auf Füßen"
    • Entwicklung von Radschulwegplänen
    • Alternative Radfahrschulung an Förderschulen sowie mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen
    • Projekt "Fahrrad-Check"
    • Aktion „Warten lohnt sich"

    Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen und die Niedersächsische Landesschulbehörde haben gemeinsam Unterrichtsmaterialien zu sicherer und klimafreundlicher Mobilität auf dem Schulweg entwickelt. Die Broschüre trägt den Titel "Elterntaxis - Was tun gegen dicke Luft vor der Schule?" und beinhaltet Hintergrundwissen zu nachhaltiger und sicherer Mobilität, erfolgreiche Praxisbeispiele von niedersächsischen Schulen sowie altersgerecht aufbereitete Unterrichtseinheiten. Zudem wird ein Überblick über bereits bestehende Angebote und Maßnahmen gegeben, wie die Einrichtung eines „Schulbusses auf Füßen" oder von sogenannten Elternhaltestellen.
    Die Broschüre zum Download (PDF)

    Aktionsnetzwerk Movidu
    Mit dem Ziel, Alternativen zum „Elterntaxi" aufzuzeigen, hat die Region Hannover gemeinsam mit der Niedersächsischen Landesschulbehörde und der Klimaschutzagentur Region Hannover das Aktionsnetzwerk Movidu ins Leben gerufen. Verschiedenste Partner wie Verkehrsclubs und -unternehmen, der Großraum-Verkehr Hannover (GVH), die Polizei oder der Jugendverband Janun e.V. bieten vielfältige kreative Angebote, damit Kinder und Jugendliche lernen, in ihrem Alltag eigenständig und umweltschonend von A nach B zu kommen. Auch wenn das Angebot den Kommunen in der Region Hannover vorbehalten ist, bietet die Internetseite movidu.de Anregungen und weiterführende Links.

    Curriculum Mobilität für Lehrkräfte
    Bei der Herausforderung, die Thematik Mobilität in Schulen mit Leben zu füllen, hilft den Lehrerinnen und Lehrern in Niedersachsen das Curriculum Mobilität (www.nibis.de). Es beschreibt das Themenfeld Mobilität aus der Perspektive nachhaltiger Entwicklung und bietet fächerübergreifende Möglichkeiten der unterrichtlichen Realisierung sowie der Entwicklung eines spezifischen Schulprogramms. Alle allgemeinbildenden Schulen sind gefordert, aus dem Curriculum Mobilität ein eigenes, individuell für ihre Schule passendes Programm zu entwickeln. Unterstützung bietet hierbei die Beraterin Mobilität der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

    Handlungsempfehlungen des AGFK
    Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen hat Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie der Schülerverkehr in Zeiten von Corona auf Fuß- und Radverkehr umgestellt werden kann. 
    Die Handlungsempfehlungen "Mobilität umdenken im Lockdown - Zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule" als PDF

  • Nicht-investive Maßnahmen umsetzen: Vorrang für den nicht-motorisierten Verkehr

    Nicht alle Maßnahmen zur Förderung klimafreundlicher Mobilität sind mit hohen Investitionskosten verbunden. Schnell und ohne Kosten durchzuführen sind beispielsweise:

    • Die Orientierung grüner Ampelphasen an der Fahrradgeschwindigkeit
    • Einrichtung von Fahrradstraßen

    Radwegenutzungspflicht lockern
    Die breiten, gut geteerten Straßen sind nicht ausschließlich dem Kfz-Verkehr vorbehalten. Werden diese gleichberechtigt auch für den Fahrradverkehr genutzt, gelangt die umweltfreundliche Mobilitätform in das Blickfeld der Autofahrer. Diese Gleichberechtigung kann eine Mentalitätsänderung zum Autoverkehr fördern. Die rechtliche Rahmenbedingung bietet hierfür die StVO-Neufassung vom 01.04.2013. Seitdem gelten strengere Anforderungen an die Ausweisung der Radwegebenutzungspflicht. In der VwV-StVO heißt es explizit: „Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer geht der Flüssigkeit des Verkehrs vor". Daraus ergibt sich eine Einschränkung hinsichtlich der Anordnung benutzungspflichtiger Radwege. Radwege mit Benutzungspflicht sind nur noch die Ausnahme. Für die Kommunen besteht daher die umfangreiche Aufgabe, das komplette Radverkehrsnetz auf Benutzungspflicht zu prüfen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Aufhebung der allgemeinen Radwegebenutzungspflicht in der breiten Bevölkerung bekannt wird, um Konflikte zu vermeiden.

    Parkraummanagement
    Die Mobilitätswende in den Städten braucht Platz für neue Radwege, Busspuren und Straßenbahntrassen, E-Ladesäulen, Lieferzonen oder attraktivere Gehwege. Das Parkraummanagement ist hierfür ein zentraler Hebel und eine Steuerungsmöglichkeit der Kommunen.

    Die Agora Verkehrswende hat einen Leitfaden für Kommunikation und Verwaltungspraxis zum Parkraummanagement herausgebracht. Er bietet hilfreiche Argumente, Planungshilfen, Kommunikationsstrategien, Informationen zu den Regelungen in den Bundesländern und Praxisbeispiele. Der Leitfaden zum Download (PDF)

Maßnahmen zur Verminderung der Verkehrs-Emissionen

Damit der noch verbleibende Kfz‐Verkehr möglichst emissionsarm fahren kann, müssen sich neue umweltfreundliche Antriebssysteme und angepasste Fahrzeuggrößenklassen etablieren. Darüber hinaus gilt es, den Verkehrsfluss zu optimieren – stets in Abwägung zwischen Autoverkehr, öffentlichem Verkehr und dem Fahrrad. Die folgenden Maßnahmen können auf kommunaler Ebene hierzu beitragen.

  • Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme

    Hinter „Digitalisierung der Verkehrssysteme" steht keine Einzelmaßnahme, vielmehr geht es um ein Maßnahmenbündel, das dazu dient den Verkehr an die jeweiligen Straßenverhältnisse anzupassen und durch ein geschicktes Timing der Ampelphasen zu verflüssigen. Zu den konkreten Einzelmaßnahmen zählen:

    • stärkere Vernetzung des ÖPNV und anderer Verkehrsträger
    • intelligente Steuerungskonzepte für Lichtsignalanlagen
    • effizientere innerstädtische Logistik
    • bedarfsorientierter Einsatz von automatisierten Fahrzeugen im Stadtverkehr und im Schienenverkehr
    • umfassende Verfügbarmachung von Umwelt-, Mobilitäts- und Verkehrsdaten

    Beispiel Stadt Hameln:
    Durch eine Optimierung der Ampelschaltung wurden 2017 die Stickstoffdioxid-Grenzwerte unterschritten.

    Beispiel Stadt Braunschweig:
    Mit Hilfe eines intelligenten umweltsensitiven Verkehrsmanagements wurden die Stickstoffdioxidwerte 2017 spürbar reduziert. Dabei wurde das Verkehrsaufkommen an die Leistungsfähigkeit einzelner Straßenabschnitte angepasst und durch eine ausgeklügelte Ampelschaltung für einen besseren Verkehrsfluss gesorgt.

    Förderung
    Im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 – 2020" ist die Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme" entwickelt worden. Weiterführende Informationen erhalten Sie auf der Seite des Bundesverkehrsministeriums.

  • Kommunalen Fuhrpark klimafreundlich gestalten

    Städte und Gemeinden haben die Möglichkeit, mit einem eigenen Fuhrpark die Elektromobilität der Kommune gezielt und beispielhaft voranzutreiben. Als Auftraggeberinnen können Städte und Gemeinden Art und Bedarf der zu beschaffenden Güter bestimmen. Sie können festlegen, welche Umweltstandards ihr Fuhrpark zu erfüllen hat, und so die Beschaffung von E-Fahrzeugen fördern und eine Vorbildfunktion einnehmen.

    Pedelecs oder kleine Elektro-Pkw im kommunalen Fuhrpark sind für Kurzstreckeneinsätze, Liefer- und Verteilerverkehre, Kontrollgänge oder ähnliche Aufgaben besonders geeignet.

    Elektrische Nutzfahrzeuge für die Landschaftspflege, die Stadtreinigung oder Hybrid-Abfallsammler in der Müllabfuhr tragen nicht nur erheblich zur Schadstoffreduktion bei. Die geringe Geräuschentwicklung der E-Nutzfahrzeuge hat den weiteren Vorteil, dass ein Einsatz in den Abend- oder Nachtstunden ohne Beeinträchtigung für die Bürgerinnen und Bürger ermöglicht wird. Erhebliche Emissions- und Lärmminderungen bieten Elektrofahrzeuge auch im ÖPNV. Hier reicht das Fahrzeugangebot vom Verleihpedelec für die Anschlussmobilität über das elektrische Sammeltaxi bis zum Gelenkzug.

    Kommunale Strategien und planerische Instrumente für Elektromobilität in der kommunalen Umsetzung bietet eine Broschüre, die im Rahmen der Begleitforschung zum „Schaufenster Elektromobilität" entstanden ist. Im Fokus der Broschüre steht ein „Instrumentenkoffer", in dem Kommunen für die elektromobile Agenda unterschiedliche Werkzeuge für Planung und Umsetzung im Stadtraum finden. Zur Broschüre auf der Seite des DIFU (PDF).

    Förderung
    Im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017-2020" wird die Elektrifizierung der Busse im ÖPNV gefördert: Zum Sofortprogramm für bessere Luftqualität in Städten auf der Seite der Bundesregierung

  • Ladeinfrastruktur für Elektromobilität auf- und ausbauen

    Förderung
    Das „Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020" fördert aktuell mit drei Programmen den Aufbau von Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge an öffentlichen Orten. Für bestimmte Fuhrparks soll die Förderung auch für Gelände möglich sein, die nicht öffentlich zugänglich sind. Dabei geht es beispielsweise um Gewerbeflächen oder Betriebshöfe.

    Zum Sofortprogramm für bessere Luftqualität in Städten auf der Seite der Bundesregierung

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Anke Kicker

0511 89 70 39-28
anke.kicker [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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