Zunächst haben wir den Blick auf einen längeren Zeitraum geworfen, um hieraus möglichst allgemeingültige Aussagen ableiten zu können. Hierzu haben wir die Börsenstrompreise an der EPEX Spot analysiert, die im Tagesverlauf von Januar bis Oktober durchschnittlich geherrscht haben.

Darstellung: KEAN, Datenquelle: EPEX Spot (siehe Netztransparenz.de)
In der Grafik kann man erkennen, dass der Strompreis in den Morgen- und Abendstunden durchschnittlich am teuersten ist. Wer also keine Möglichkeit hat, den Großteil des Stromverbrauchs in die Zeiten mit geringen Börsenpreisen – also auf den Mittag oder in die Nacht zu legen, wird wahrscheinlich keinen Vorteil von den dynamischen Stromtarifen haben. Durchschnittlich betrug der Börsenstrompreis zwischen Januar und Oktober 7,31ct/kWh.
Darüber hinaus haben wir die bisherige Heizperiode des Jahres 2024 (also von Anfang Januar bis Ende März) analysiert. Dabei ergibt sich gar ein durchschnittlicher Spotmarktpreis von nur 6,77ct je Kilowattstunde - aufgrund einer hohen Stromerzeugung aus der Windkraft zu Beginn des Jahres. Auch in diesem Zeitraum ist das Muster wiederzuerkennen, dass zur Mittagszeit und in den Nachtstunden günstigere Preise herrschen als in den Morgen- und Abendstunden. Die Differenz ist dabei allerdings nicht ganz so groß wie im weiteren Jahresverlauf, da die Solarenergie in den Wintermonaten eine geringere Rolle einnimmt.

Darstellung: KEAN, Datenquelle: EPEX Spot (siehe Netztransparenz.de)
Doch wie sieht es in Zeiten der sogenannten „Dunkelflaute“ aus; die Zeit also, in der weder viel Wind- noch Solarstrom zur Verfügung steht? Anfang November 2024 gab es eine solche Phase, in der weder die Wind- noch die Solarkraft einen großen Beitrag zur Stromerzeugung geleistet hat.
Das Modell unten zeigt, dass das übliche Muster an Tagen der Dunkelflaute (hier am 06. November 2024) ebenfalls auftritt – die Preisunterschiede jedoch deutlich größer ausfallen. So gab es im Tagesverlauf einen Durchschnittspreis von rund 23,5 Cent pro Kilowattstunde, der jedoch insbesondere aufgrund der sehr hohen Werte in den Abendstunden zustande kam. Hier gab es teils Preise von mehr als 80 Cent pro Kilowattstunde – es gab jedoch im Laufe des Tages zahlreiche Zeiträume, in denen der Börsenstrompreis deutlich geringer bei rund 10 -15 Cent je Kilowattstunde lag.

Das Beispiel zeigt gut, für wen sich die dynamischen Stromtarife wirklich anbieten: Nämlich für Haushalte, die den Verbrauch auf die „günstigen“ Zeiträume auslagern und bestenfalls zu den „teuren“ Zeiträumen weitestgehend vermeiden können; z.B. weil in dieser Zeit der zuvor geladene Batteriespeicher genutzt wird.