Mit der Sonne Strom erzeugen

Photovoltaik

Auf nahezu jedem Dach in Niedersachsen kann heute eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. So lässt sich Strom mit der Kraft der Sonne erzeugen und selbst nutzen. Das ist wirtschaftlich – auf Wohngebäuden, und auch auf öffentlichen und gewerblichen Gebäuden. Jede PV-Anlage hilft zudem, die Stromerzeugung in Deutschland sauberer zu machen und auf erneuerbare Energien umzustellen.

Solarstrom ist in Niedersachsen die ideale Ergänzung zum Windstrom. Während Windkraftanlagen im Herbst und Winter den größten Stromertrag einfahren, kann Photovoltaik im Frühjahr und Sommer Höchstleistungen vollbringen. Photovoltaik-Anlagen haben eine ausgereifte Technik, lassen sich sehr wirtschaftlich betreiben, ermöglichen eine dezentrale Stromerzeugung und erhöhen mithilfe von Batteriespeichern den Eigenverbrauch. Solarstrom erfreut sich in der Bevölkerung zudem größter Beliebtheit und Akzeptanz – das belegen die aktuellen Zubauzahlen.

Information und Beratung

Solarstrom für Niedersachsen

Solarstrom vom eigenen Dach

Technik, Kosten, EEG

  • Module, Wechselrichter, Steuerung und Zähler

    Die wesentlichen Komponenten einer Photovoltaikanlage sind die Solarmodule, das Montagesystem und der Wechselrichter. Gegebenenfalls kommt dazu noch der Batteriespeicher. Die Solarmodule bilden zusammen den Solargenerator. Die in den Solarmodulen verbauten Solarzellen wandeln das Sonnenlicht in elektrischen Strom um. Am weitesten verbreitet und bewährt sind mono- und poly-kristalline Solarzellen. Module, Wechselrichter und Stromnetz werden durch Kabel elektrisch verbunden. Der Wechselrichter wandelt den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um.


    Technische Details
    Der Solargenerator besteht aus elektrisch verschalteten PV-Modulen, die wiederum jeweils aus mehreren miteinander verbundenen Solarzellen aufgebaut sind. In der Solarzelle findet die Umwandlung des Sonnenlichts in Solarstrom statt. Auf dem Markt vorhandene Modultypen unterscheiden sich vor allem in den eingesetzten Halbleitermaterialien der Solarzellen oder spezieller Technologien. Am weitesten verbreitet ist die kristalline Siliziumsolarzelle. Silizium wird aus Quarzsanden hergestellt. Diese werden überwiegend aus Lockersedimenten gewonnen und stehen praktisch unbegrenzt zur Verfügung. Andere Halbleitermaterialen sind das amorphe Silizium (a-Si), Kupfer und Indium, Gallium und Selen oder Schwefel (CIS, CIGS) sowie Cadmiumtellurid (CdTe).

    Die Modulwirkungsgrade werden unter Standard-Test-Bedingungen ermittelt und hängen wesentlich von den Zelltypen, den sonstigen eingesetzten Materialien (z. B. in der Reflexionsschicht) und der Bauweise (z. B. bei der Zellverschaltung) ab.

    Die Leistungstoleranz und der Temperaturkoeffizient beschreiben weitere Eigenschaften von Modulen. Die Leistungstoleranz bezeichnet die Abweichung der gelieferten Nennleistung des Solarmoduls von der Datenblattangabe. Üblich sind heute nur noch positive Abweichungen von bis zu etwa drei Prozent. Die elektrische Leistung eines Solarmoduls nimmt mit steigender Temperatur ab. Daher ist bei Konstruktionen mit einer schlechteren Hinterlüftung der Module und somit sich leichter bildendem Wärmestau mit geringeren Erträgen zu rechnen. Der Temperaturkoeffizient wird für die elektrischen Kennwerte (Strom, Spannung, Leistung) ermittelt und gibt an, um wieviel Prozent die Modulleistung abnimmt, wenn sich die Modultemperatur um ein Grad (Kelvin) erhöht. Typischerweise liegt er bei höchstens -0,5 Prozent pro Grad Kelvin. Je näher der Leistungskoeffizient bei Null liegt, umso geringer wirkt sich eine Temperaturerhöhung aus. Gute Werte liegen bei -0,4 Prozent und darunter.

    Für die Gefahren im Brandfall oder bei Blitzschlag verfügen die Standardanlagen über gut funktionierende Lösungen wie Brandabschaltung sowie Blitzschutz in geeigneter baulicher Qualität des Aufbaus der Anlage.

    Der Wechselrichter wandelt den vom Solargenerator erzeugten Gleichstrom (DC: Direct Current) in gewöhnlichen Wechselstrom (AC: Alternating Current) um, der im Haushalt genutzt oder ins Netz eingespeist werden kann. Weiterhin erfüllt der Wechselrichter Funktionen, die für die Überwachung und Sicherheit der Anlage wichtig sind.

    Die Leistung von Solargenerator und Wechselrichter müssen aufeinander abgestimmt sein, damit die Anlage optimal arbeitet. Die Leistung, die der Wechselrichter langfristig aufnehmen kann (= Nennleistung DC), sollte bei einer Anlage mit optimaler Ausrichtung in Niedersachsen nur geringfügig kleiner ausgelegt werden als die Leistung des Solargenerators. Andernfalls gehen bei hoher Einstrahlung Stromerträge verloren. Bei Anlagen, die ihre Spitzenleistung aufgrund der Standortbedingungen nie erreichen können (wie es etwa auch bei nach Osten oder Westen ausgerichteten Anlagen der Fall ist), kann die Leistung des Wechselrichters auch geringer ausfallen.

    Die Nennleistung AC gibt an, wie viel Wechselstrom permanent in das Netz eingespeist werden kann. Die Umwandlung in Wechselstrom geschieht, wie bei allen Energieumwandlungen, nicht ohne Verluste. Deshalb ist die DC-Leistung am Eingang eines Wechselrichters größer als der AC-Wert am Ausgang. Photovoltaikanlagen arbeiten meist im Teillastbereich, weshalb Wechselrichter bereits ab einer Auslastung von zehn Prozent der Nennleistung des Solargenerators hohe Wirkungsgrade von über 90 % erreichen sollten. Zum Vergleich sollte nicht der maximale Wirkungsgrad herangezogen werden, sondern der Europäische Wirkungsgrad, der die unterschiedliche Sonneneinstrahlung im Jahresverlauf und die damit verbundenen Schwankungen im Leistungsbereich der Wechselrichter berücksichtigt und einen durchschnittlichen Wirkungsgrad bei mitteleuropäischen Einstrahlungsverhältnissen wiedergibt. Sehr gute Wechselrichter können mittlere Wirkungsgrade von über 96 % erreichen. Sie liegen nur etwa ein Prozent unter dem maximalen Wirkungsgrad.

    Der Wirkungsgrad des Wechselrichters hängt von der Temperatur und damit vom Standort ab. Räume, die sich im Sommer stark erhitzen, sind wenig geeignet. Beste Umgebungsbedingungen bietet eine gleichbleibend kühle Temperatur und niedrige Luftfeuchtigkeit sowie eine staubfreie Umgebung. Der Wechselrichter sollte gut zugänglich angebracht sein, um eine regelmäßige Kontrolle zu erleichtern. Beachten Sie auch, dass bei manchen Modellen störende Betriebsgeräusche auftreten können.

    In der Steuerung werden die Komponenten einer PV-Anlage miteinander verbunden und im Betrieb aufeinander abgestimmt. Eine einfache Steuerung dient vor allem dem Schutz der Anlage und der Einhaltung von technischen Vorschriften aus der Verbindung mit dem Stromnetz. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass der Stromnetzbetreiber aus Gründen des Netzbetriebs (z. B. Überlastung) über ein Signal die Einspeisung reduzieren oder ganz abschalten kann (Rundsteuerempfänger). Diese Eingriffsmöglichkeit kann vermieden werden, wenn der Wechselrichter von vornherein auf 70 % der maximalen Leistung der PV-Anlage begrenzt wird. Dies wird oft bei Anlagen < 10 kWp gemacht.

    Heute werden vermehrt komplexere Steuerungseinheiten verwendet, die folgende weitere Funktionen haben können:
    • Optimierer zur Verminderung der Auswirkungen von Abschattungen. Sie haben den Vorteil, dass die Leistung der nicht beschatteten Module nicht eingeschränkt wird, auch wenn einzelne Module der Anlage zeitweise beschattet werden. Bei Anlagen ohne Optimierer wird die Leistung aller Module in einem Strang eingeschränkt, wenn ein einzelnes Modul beschattet wird. Optimierer steigern damit die Erträge.
    • In Verbindung mit Speichern: Unter Berücksichtigung der Wetterprognose, des zu erwartenden Eigenverbrauchs und der Stromnetzsituation werden Netzeinspeisung und Speicherbeladung optimiert.
    • Durch Verbindung zu einzelnen, insbesondere stromintensiven Verbrauchern kann auch die Stromverbrauchsseite in die Optimierung eingebunden werden.

    Zähler dienen dazu, alle für die Abrechnung und Meldung erforderlichen Daten zu erfassen. Bei kleinen PV-Anlage (kleiner als 7 kWp) reicht dazu in der Regel ein Zähler an der PV-Anlage, der erfasst, wie viel Strom die Anlage erzeugt hat, und ein Zähler, der misst, wie viel Strom ins Stromnetz eingespeist wird. Die Zähler werden einmal jährlich abgelesen. Aus der Differenz kann bestimmt werden, wieviel Solarstrom im Gebäude verbraucht wurde.

    Bei Anlagen größer 7 kWp muss ein Smart Meter eingebaut werden. Auch wenn diese im Moment noch nicht wirklich „Smart" sind, sollen sie zukünftig dazu genutzt werden, PV-Anlagen besser in das gesamte Stromsystem zu integrieren. Dabei können ständig Messdaten abgerufen werden, und es können auch Signale und Informationen vom Netzbetreiber oder Stromabnehmer an den Solarstromproduzenten zurückgegeben werden, z. B. um die PV-Anlage gezielt an- oder abzuschalten oder den Batteriespeicher zu steuern.

    Bei noch größeren Anlagen (größer 100 kWp), wo der eingespeiste Strom über einen Direktvermarkter verkauft werden muss, müssen Zähler mit viertelstündlicher Leistungsmessung eingebaut werden.

  • Ausrichtung und Größe der PV Anlage

    Ausrichtung der PV-Anlage
    PV-Module können auf Flach- und Schrägdächern installiert werden, sowohl in Richtung Süden als auch zweiseitig in Ost und West-Ausrichtung. Zwar ist der Ertrag auf Ost-West Seiten etwas geringer, dafür steht der Solarstrom durch die längere Einstrahlungszeit von morgens bis abends zur Verfügung.

    Größe der PV-Anlage
    Die PV-Anlage produziert nicht nur bei Sonnenschein Strom, selbst bei stark bewölktem Himmel ist es dank hocheffizienter Module immer noch erstaunlich viel. In Niedersachsen können auf einer Fläche von 5 - 8 qm Photovoltaik (das entspricht einer Leistung von 1 Kilowatt peak = 1kWp) im Jahr etwa 800 bis 1.050 Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

    Auf Einfamilienhäusern werden in der Regel PV-Anlagen mit einer Leistung zwischen 5 und 10 kWp installiert. Auf Mehrfamilienhäusern, öffentlichen Gebäuden und Gewerbe- und Industriegebäuden können PV-Anlagen wesentlich größer ausgelegt werden.

    Bei der Auslegung der Anlage müssen nicht nur der aktuelle Strombedarf, sondern auch künftiger Bedarf z.B. für Informationstechnologie und Elektromobilität berücksichtigt werden.

     

    Steckersolar - eigener Strom vom Balkon

    Neben PV-Anlagen auf dem Eigenheim werden kleinere Steckersolargeräte immer populärer und ermöglichen es auch Personen, die sich in einem Mietverhältnis befinden, Ihren eigenen Strom zu erzeugen und somit einen kleinen Teil zur Energiewende beizutragen.

    Unser Faktenpapier "Steckersolar - eigener Strom vom Balkon" (PDF) erläutert das Prinzip und die nötigen Umsetzungsschritte.

     

  • Batteriespeicher

    Der in der PV-Anlage produzierte Strom kann teilweise in Batteriespeichern gespeichert werden, damit er für die Eigenversorgung zur Verfügung steht, auch wenn die Sonne nicht scheint. Mit einem Speicher kann (bei vernünftiger Auslegung) der Anteil des mit der PV-Anlage produzierten Stroms, den man im Gebäude selber verbraucht, oft um 30 Prozentpunkte gesteigert werden. Damit kann der teurere Strombezug aus dem Netz weiter reduziert werden. Die Kosten für Batteriespeicher liegen aktuell (Frühjahr 2020) in Abhängigkeit der Größe bei 800 bis 1.200 Euro (netto) pro kWh Speicherkapazität. Speicher sind damit an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit. Durch entsprechende Förderprogramme und weitere zu erwartende Kostensenkung ist in Zukunft eine Verbesserung zu erwarten.

    Das Land Niedersachsen hatte Ende 2020 ein Förderprogramm für Batteriespeicher aufgelegt. Inzwischen ist das Förderprogramm beendet. Seit dem 07.09.2021 ist keine Antragstellung mehr möglich. Die bis dahin eingegangenen Anträge werden weiterhin chronologisch abgearbeitet. 

     

  • Kosten

    Eigentümerinnen und Eigentümer von privaten Wohngebäuden oder Gewerbebauten aber auch öffentliche Gebäude profitieren gleichermaßen vom selbst erzeugten Solarstrom. Die PV-Module sind in den letzten Jahren immer leistungsstärker geworden und ihr Preis gleichzeitig drastisch gesunken. Dadurch ist Solarstrom vom Dach günstiger als der Strom aus dem Netz.

    Je nach Anlagengröße und gerechnet auf eine Anlagenlaufzeit von 20 Jahren lagen die Erzeugungskosten zuletzt bei ca. 7-12 Cent pro Kilowattstunde. Private Haushalte bezahlten bislang für Strom aus dem Netz etwa 30 Cent (brutto) pro Kilowattstunde. Die Preise sind 2022 sowohl für PV-Anlagen als auch den Strom aus dem Netz gestiegen. Dennoch bleibt PV-Strom günstiger als Strom aus dem Netz. Möglichst viel vom selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen, steigert die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

    Die Investitionskosten für PV-Anlagen sind in den letzten Jahren ständig gesunken. Dabei sind besonders die Module und Wechselrichter günstiger geworden, die Installationskosten entwickeln sich entsprechend der Lohnkosten. 2022 sind die Preise für Module und Wechselrichter aufgrund der weltweit großen Nachfrage und Lieferkettenproblemen gestiegen.

    Die baulichen Gegebenheiten haben maßgeblichen Einfluss auf die Kosten der Realisierung einer Photovoltaikanlage. Insbesondere infrastrukturelle Kosten wie Dacharbeiten, Komplexität der Konstruktion, Gerüst- oder Kranbedarfe sowie elektrotechnische Anschlussarbeiten sind hier relevant.

    Der Preis für 1 kWp installierte Leistung sinkt mit steigender Anlagengröße.
    Für Photovoltaikanlagen bis 10 Kilowatt rechnet man derzeit (08/2022) mit Kosten von etwa 1.500 bis 2.000 Euro pro KWp (netto); bei Anlagen bis 100 kWp liegen die Kosten deutlich niedriger.

    Um einen angemessenen Preis zu bezahlen, sollten mehrere Angebote eingeholt und verglichen werden.

     

  • PV und das EEG

    Die im „Osterpaket" beschlossene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde am 28.07.2022 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht - und bringt umfangreiche Neuerungen und Verbesserungen für den Ausbau der Photovoltaik mit sich. Dr. Manuale Herms hat in einem Vortrag dargestellt, was sich bei Vergütung, Ausschreibungen, Förderkulisse und Beteiligung ändert. Die Vortragsfolien finden Sie hier. 

    Einspeisevergütung verbessert

    So wurde die feste Einspeisevergütung für Strom aus Solaranlagen erhöht, die auf, an oder in einem Gebäude oder einer Lärmschutzwand angebracht sind. Sie liegt für Anlagen bis 10 kW bei 8,2 Cent/kWh, bei Anlagen bis 40 kWp bei 7,10 Cent/kWh, bis 100 kW bei 5,80 Cent/kWh.

    Diese Vergütung gilt für neue Anlagen, die nach der Veröffentlichung der neuen Vergütungssätze auf den Seiten der Bundesnetzagentur in Betrieb genommen werden. Noch fehlt die beihilferechtliche Erlaubnis (Stand 10.8.2022). Weitere Informationen hierzu gibt es bei der Bundesnetzagentur in der Veröffentlichung von EEG-Registerdaten. Dort können Sie im Abschnitt „Fördersätze für Solaranlagen und Mieterstromzuschlag" sowie den beiden Excel-Tabellen mehr erfahren.

    Teileinspeisung oder Volleinspeisung?

    Für neue Anlagen wird die Volleinspeisung attraktiver. Damit wird es wieder interessant, auch Dächer für PV zu nutzen, wenn kein hoher Eigenverbrauch gegeben ist. Für Volleinspeiser erhöht sich die Vergütung, so dass Anlagen bis 10 kWp dann 13,00 Cent/kWh, bis 40 kW dann 10,90 Cent/kWh erhalten.

    Zwei Anlagen auf einem Dach

    Ab Inkrafttreten des Gesetzes dürfen auf einem Dach auch sofort zwei Anlagen entstehen, von denen eine nur teilweise einspeist - die andere den erzeugten Strom jedoch vollständig einspeist. Jede Anlage muss hierbei einen eigenen Zähler besitzen. Die Rolle - ob Volleinspeiser oder Teileinspeiser - kann jährlich bis spätestens 30.11. gewechselt werden und muss dem Netzbetreiber mitgeteilt werden. (EEG § 100, Abs. 14)

    Dachanlagen bis 300 kW dürfen ab Inkrafttreten des Gesetzes 80 Prozent einspeisen, statt bisher nur 50 Prozent. Ab 01.01.2023 soll sogar mehr als 80 Prozent erlaubt sein.

    Zahlreiche weitere Änderungen erleichtern die Nutzung großer Dachflächen ohne die Teilnahme an einer Ausschreibung und ermöglichen die Nutzung bestimmter Freiflächen, wie Moorböden oder Gartenflächen.

  • Brandschutzabstände

    Mit der Änderung der Allgemeinen Durchführungsverordnung zur Niedersächischen Bauordnung (DVO-NBauO) gelten seit dem 1. Juni 2022 in Niedersachsen neue Abstandsregelungen für PV-Anlagen zu Nachbargebäuden. Für PV-Anlagen, deren Außenseiten und Unterkonstruktionen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen, ist nur noch ein Abstand von 50cm nötig. Dachintegrierte PV-Anlagen müssen nur noch die Anforderungen an eine harte Bedachung erfüllen, ein Abstand zum Nachbargebäude ist damit nicht mehr erforderlich. Mehr zum Thema

    Die DVO-NBauO (sowie alle weiteren Vorschiften zur NBauO) finden Sie auf der Homepage des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz

PV auf einem Einfamilienhaus

PV auf der Kornbrennerei Warnecke

PV auf einem Schuldach

Hohen Eigenverbrauch anstreben

Ziel ist es, möglichst viel des erzeugten Solarstroms selbst zu verbrauchen. Dadurch sinkt der Bedarf an „eingekauftem" Netzstrom und das macht die Anlage rentabel. In Eigenheimen werden bis zu 30 Prozent des erzeugten Stroms direkt verbraucht, da der Strombedarf nicht immer zeitgleich mit der Erzeugung verläuft. In größeren Wohngebäuden, Unternehmen und öffentlichen Gebäuden ist ein wesentlich höherer Eigenverbrauch möglich – bis zur vollständigen Nutzung des selbst erzeugten Stroms. Zudem gibt es für den nicht selbst verbrauchten Strom – also die Überschüsse, die ins Netz gehen – eine Einspeisevergütung. Aktuell liegt sie bei 6,7 Cent pro kWh bei Anlagen bis 10 kWp (Februar 2022). Größere Anlagen auf Unternehmensdächern oder öffentlichen Gebäuden erhalten eine etwas geringere Einspeisevergütung. Die Bundesnetzagentur zeigt die aktuelle Vergütung.

In allen Fällen wird weiterhin Strom aus dem Netz bezogen, je weniger desto besser. Mit einem Batteriespeicher kann mehr vom selbst erzeugten Strom verbraucht werden.

Die drei Faktoren Gestehungskosten (Preis des selbst erzeugten Stroms), Reduzierung des Stromeinkaufs und die Einspeisevergütung bilden die drei Pfeiler für den Betrieb einer PV-Anlage. Anders ist es übrigens bei PV-Anlagen auf Freiflächen. Ihr Strom wird vollständig ins Netz eingespeist.

Das neue EEG 2023

Das im Juli vom Bundestag verabschiedete Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bringt Verbesserung. Was sich bei Vergütung, Ausschreibungen, Förderkulisse und Beteiligung ändert, können Sie in den Folien des Vortrags von Dr. Manuela Herms nachlesen.

Das EEG 2023 sieht zudem Änderungen zu Ausschreibungsgrenzen und finanzieller Förderung vor. Einen guten Überblick bietet die von der KEAN erstellte Tabelle.

Die Bedeutung von PV

Schneller PV-Zubau notwendig

Der Strombedarf in Haushalten, Büros, Gewerbe und Industrie sinkt nicht, obwohl viele Einsparmöglichkeiten bereits umgesetzt wurden. Der Grund sind neue Anwendungen. Unsere Welt ist durch die Arbeit mit Computern, Smartphones und die Digitalisierung vieler Prozesse stromabhängiger geworden. Elektromobilität wird ausgebaut und entlastet das Klima, sofern der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Vor diesem Hintergrund braucht Deutschland ebenso wie alle europäischen Staaten künftig mehr erneuerbaren Strom, um diesen Bedarf zu decken, ohne das Klima weiter zu belasten.

Prof. Gunther Seckmeyer (Institut für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover) erklärt, wie es aktuell um unser Klima steht und was wir tun können, um die Erderwärmung zu bremsen (Vortragsfolien)

Vortrag von Prof. Dr. Gunther Seckmeyer

Der aktuelle Stand der PV in Niedersachsen

Im Jahr 2021 wurden rund 455 Megawatt (MW) Photovoltaik Leistung neu zugebaut, so dass am Ende des Jahres rund 5.100 MW an Photovoltaik-Leistung installiert waren. Damit setzt sich der Aufwärtstrend der Vorjahre fort : Im Jahr 2017 kamen landesweit 120 MW hinzu, 2018 rund 208 MW und 2019 nochmal 308 MW, im Jahr 2020 betrug der Zubau 404 MW.

In der Novelle des niedersächsischen Klimaschutzgesetzes vom Juli 2022 wurde verankert, dass bis 2035 insgesamt 65 GW Photovoltaik installiert sein sollen. Das bedeutet eine enorme Steigerung. Dieses Ziel kann erreicht werden, wenn rasch große Dachflächen etwa auf Gewerbebauten und öffentlichen Gebäuden bestückt werden. Zusätzlich sind auch PV-Freiflächenanlagen sinnvoll, da sie Strom zu Preisen von unter 5 Cent/kWh erzeugen können. Die KEAN hat analysiert, wie sich der Photovoltaik-Zubau im Jahr 2021 entwickelt hat und die Ergebnisse in einem Video (siehe unten) und einer Präsentation zusammengefasst.

Dr. Isabell Kiepe von der KEAN

Betreibermodelle für PV-Anlagen

Der Prozess der Installation aber auch der anschließende Betrieb einer PV-Anlage werfen für Gebäudeeigentümer eine Reihe von Fragen auf. Dies betrifft sowohl bauseitige als auch energiewirtschaftliche und steuerliche Fragen. Einen großen Teil der Fragen kann bereits der Installateur bearbeiten oder zumindest vorbereiten. Es gibt aber inzwischen auch eine Vielzahl von Marktakteuren, die die wirtschaftliche Nutzung von Dachflächen für PV mit anderen Betreibermodellen ermöglicht und so den Gebäudeeigentümer entlastet.

Unter dem Strich erfordert der Betrieb einer PV-Anlage kein besonderes technisches Wissen. Ist die PV-Anlage installiert und angemeldet (beides kann der Solar-Fachbetrieb übernehmen), sind bestimmte regelmäßige Mitteilungspflichten zum Stromverbrauch einzuhalten. Bei der Steuererklärung sind der selbst genutzte Strom sowie die Erlöse aus Einspeisevergütung darzustellen.

Prinzipiell ist es möglich,
• die Anlage auf dem eigenen Gebäude zu bauen und selbst zu betreiben (Eigenverbrauch steht im Vordergrund, Wirtschaftlichkeit: sehr gut)
• die Anlage auf dem eigenen Gebäude von einem Dritten finanzieren und bauen zu lassen und sie anschließend zurück zu mieten (der Gebäudeeigentümer muss kein Kapital einsetzen, Eigenverbrauch ist weiter möglich, der Dritte refinanziert seine Investition über Mietzahlungen).
• oder sie von einem Dritten bauen und betreiben zu lassen, ohne dass der Strom im Gebäude genutzt wird. Der Dritte kann einspeisen, regional und/oder direkt vermarkten.

 

Weiterführende Informationen

Präsentation des Unternehmens QCELLS zu Angeboten von PV-Betreibermodellen (PDF)

Präsentation der enercity AG zu Angeboten von PV-Betreibermodellen (PDF)

Präsentation der enercity AG zu Mieterstrom-Modellen (PDF)

Bedarf an Freiflächen für PV

Freiflächen-Anlagen können Strom zu einem äußerst günstigen Preis erzeugen. Günstiger als Kohle- oder Gaskraftwerke und emissionsfrei. Neben der PV auf Dachflächen kommt der Freiflächen PV eine besondere Bedeutung zu. Sie ermöglicht, dass sehr bald, d.h. nicht erst 2030 oder danach, relevante Energiemengen erzeugt werden, die Öl, Gas und Kohle ersetzen. Sie schaffen eine spürbare Entlastung für das Klima in kurzer Zeit und helfen damit, das noch verbliebene Budget an Treibhausgasemissionen sorgsam zu verwenden. Für den Klimaschutz ein entscheidender Faktor! Hierfür werden nur 0,9 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche benötigt. Der Zubau auf den Dächern ist genauso wichtig und wird deutlich größer sein als der Zubau auf Freiflächen. Er braucht aber mehr Zeit, weil technisch und baulich aufwändiger und viel kleinteiliger.

Wer Strom auf einer Freifläche erzeugen will, muss vielfältige Bedingungen erfüllen. Anlagen, die größer als 750 kW sind, müssen an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen. Der günstigste Anbieter erhält den Zuschlag. Die durchschnittlichen Zuschläge in den letzten Jahren lagen bei 5-6 Cent pro Kilowattstunde!

Freiflächen in Niedersachsen
Nach dem EEG sollen PV-Freiflächenanlagen vorwiegend dort gebaut werden, wo sie keine Konkurrenz zu anderen Bodennutzungen bedeuten. Geeignet sind somit z. B. Konversionsflächen, ein Streifen von 500 Metern Breite (ab 1.1.2023) entlang von Autobahnen und Schienenwegen oder ungenutzte Gewerbeflächen. In Niedersachsen dürfen ab September 2022 auch Flächen, die in den Regionalen Raumordnungsprogrammen als „Vorbehaltsfläche Landwirtschaft" bezeichnet sind, auf ihre Eignung geprüft werden. Der Info-Text zum LROP stellt den aktuellen Stand dar.

Was bei der Standortsuche zu berücksichtigen ist, erläutert Dr. Dieter Günnewig von Bosch und Partner in seinem Vortrag (Folien als PDF).

Video-Vortrag von Dr. Dieter Günnewig

Die Beteiligung an Windkraft- oder Solaranlagen ist wichtig, damit sich Kommunen und Bürgerinnen und Bürger mit den Projekten identifizieren und persönliche Vorteile haben. In welcher Form die Beteiligung erfolgt, ist sehr unterschiedlich: Von einer echten Beteiligung an der Gesellschaft bis zu finanziellen Vorteilen. Für PV-Freiflächenanlagen eröffnete bereits das EEG 2021 neue Möglichkeiten der Partizipation. Bernhard Strohmayer vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft hat die wichtigsten Informationen in den folgenden Vortragsfolien zusammengestellt

PV-Freiflächen-Anlagen können in Niedersachsen nun auch in sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten gebaut werden. Die entsprechende Verordnung wurde im Niedersächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt vom 31.08.2021 veröffentlicht. 

Wer in "benachteiligten Gebieten" eine PV-Anlage bauen will, muss an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur teilnehmen und den Zuschlag erhalten. Nur dann ist eine Vergütung nach dem EEG gesichert.

Die Genehmigungsfähigkeit durch die zuständige Baubehörde muss ebenfalls bereits vor Teilnahme an einer Ausschreibung bestätigt sein. Welche Flächen zu den "benachteiligten Gebieten" gehören, zeigt eine Karte auf dem Umweltkartenserver des Niedersächsischen Umweltministeriums. Dort können GIS-Daten heruntergeladen werden. Eine grobe Übersicht ist auf dieser Karte zu sehen

Der Info-Text "PV-Freiflächenanlagen sind eine Chance für alle" informiert zu den zahlreichen Chancen der Technologie, die sich für Landwirte, Kommunen und letztlich den Klimaschutz insgesamt ergeben können.

Anlagen, die kleiner als 750 kW sind, dürfen ohne Teilnahme an einer Ausschreibung gebaut werden. Es bedarf jedoch immer eines Bebauungsplans und einer Baugenehmigung. Ein Anspruch auf Genehmigung besteht nicht. Das Schema für den Verfahrensablauf zeigt die folgende Grafik.

Ablauf des Planungs- und Genehmigungsprozesses für Freiflächenanlagen bis 750 kWp

Ansprechpartnerin und Ansprechpartner

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0511 897039 14
barbara.mussack [at] klimaschutz-niedersachsen.de

Kontakt

Julian Wehr

0511 89 70 39-30
julian.wehr [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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