Inbetriebnahme-Feier Nahwärmenetz Venne

Mit einem Knopfdruck wird das Nahwärmenetz in Ostercappeln-Venne im Beisein von Vertretern aus Politik, der Familie Meyer zu Venne und der Bürgergenossenschaft im Januar 2016 feierlich in Betrieb genommen. © Venner Energie eG, Fotografin: Carolin Düvel-Oevermann

Gutes Beispiel Abwärmenutzung: Bürger-Nahwärmenetz in Ostercappeln-Venne

Die Bürger in Venne im Landkreis Osnabrück haben sich gemeinsam mit den Eigentümern der ortsansässigen Waffelfabrik Meyer zu Venne entschlossen, ihren eigenen Beitrag zur lokalen Umsetzung der Energiewende und damit für den Klimaschutz zu leisten: Die in Europas größter Waffelfabrik entstehende Abwärme wird genutzt, um rund 150 Haushalte und öffentliche Gebäude im Ort - wie das Dorfgemeinschaftshaus und den Kindergarten - umweltfreundlich mit Wärme zu versorgen.

In der Vergangenheit wurden aus der Waffelfabrik jährlich 10 Million kWh Abwärme ungenutzt in die Umwelt abgegeben. Vorbildliche Netzwerkarbeit und das große Engagement aller Beteiligten machten es möglich, dass von den ersten Gesprächen im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung des Nahwärmenetzes und der Inbetriebnahme in der Heizperiode 2015/2016 nur etwa drei Jahre vergingen.

Mit der Planung wurde das Ingenieurnetzwerk Energie eG (iNeG) beauftragt. Eine Potenzialabschätzung ergab, dass ein Anschluss von bis zu 350 Haushalten möglich ist.

© Venner Energie eG, Fotografin: Carolin Düvel-Oevermann

Jetzt fangen Wärmetauscher in der Ablüftungsanlage die heiße Luft aus der Fabrik auf und erwärmen damit Wasser. Dieses wird dann durch ein elf Kilometer langes neu errichtetes Wärmenetz im Dorf verteilt und sorgt für warme Heizungen und Wasser. Um dieses Netz aufbauen zu können, gründeten die Dorfbewohner eine Genossenschaft. Insgesamt wurden so über 150 alte Öl- und Gasheizungen überflüssig und mehr als 1.000 Tonnen CO2 (bzw. rund 400.000 Liter Heizöl) pro Jahr eingespart. Das entspricht etwa der Menge CO2, die ein Quadratkilometer Wald pro Jahr speichern kann.

Die Finanzierung der Maßnahme erfordert knapp 4 Millionen Euro. Das Eigenkapital wird genossenschaftlich finanziert: Wärmekunden beteiligen sich mit Eintrittsgeld, Mitgliedsanteil und Hausanschluss, insgesamt etwa 375.000 Euro. Die KfW fördert das Projekt mit rund 120.000 Euro, dazu kommen Kredite von der örtlichen Sparkasse Osnabrück.

Die Gemeinde Ostercappeln fördert die Einrichtung des Nahwärmenetzes aktiv, beispielsweise durch die Übernahme einer Ausfallbürgschaft für bis zu 2,7 Millionen Euro.

Derzeit wird bei konservativer Ergebnisrechnung von einem jährlichen Überschuss von rund 10.000 Euro ausgegangen, so dass die Kredite durch die Venner Energie eG nach etwa 12 Jahren getilgt werden können.

Das Engagement der Akteure aus Venne für den Klimaschutz überzeugte auch die Jury im von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen durchgeführten Wettbewerb „Klima kommunal 2014“, die das Vorhaben als „Leuchtturmprojekt“ ausgezeichnet hat.


Nachgefragt bei...: Ein Interview mit Rainer Ellermann (Bürgermeister von Ostercappeln) und Christian Meyer zu Venne (Geschäftsführer der Waffelfabrik Meyer) von Januar 2017