Praxisbeispiel

Bezahlbares Wohnen - und Energieeffizienz auf hohem Niveau

Bezahlbares Wohnen - und Energieeffizienz auf hohem Niveau. Geht das denn? Ja, es geht - auch wenn in der öffentlichen Diskussion um bezahlbaren Wohnraum immer wieder behauptet wird, dass hohe Effizienzstandards zu den Kostentreibern am Bau gehören.

Fakt ist, dass die Kostentreiber in erster Linie die - gerade in Städten und Ballungsgebieten - stark gestiegenen Grundstückspreise und zunehmend die Kosten der ausführenden Firmen sind.

Hermann Kempf ist Projektentwickler aus Bückeburg / Landkreis Schaumburg. Ihm ist es gelungen, im Jahr 2018 zwei hochwertige Mehrfamilienhäuser im KfW 40 Plus Standard auf Passivhausniveau zu errichten und diese mit einer bezahlbaren Miete auf den Markt zu bringen. Dafür erhielt er bei der landesweiten Auszeichnung "Grüne Hausnummer" den Preis in der Kategorie "Zukunftshaus".

Das Auto mit der Sonne betanken

Für die Bewohner wurden die PKW-Abstellflächen als Solar-Carports ausgeführt, in denen Lade-anschlüsse für Elektro-Autos zur Verfügung stehen. Ob das nun dazu führt, dass in Zukunft alle Mieter ein E-Auto fahren, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn das Solarcarport mit einer Nennleistung von 30kWp sollte zumindest für 6-8 E-Autos reichen.

Grüne Hausnummer 2018 in der Kategorie „Zukunftshaus"

Nicht nur die Mieter geben ein gutes Feedback: Bei der diesjährigen landesweiten Verleihung der Grünen Hausnummer belegte das Projekt von Hermann Kempf den ersten Platz in der Kategorie "Zukunftshaus". Die Jury kürt das Projekt als Zukunftshaus, da es vorbildlich für das Erreichen höchster Energieeffizienz im Mietwohnungsbau in Verbindung mit barrierefreiem Wohnen sowie der Nutzung von Umweltwärme und erneuerbaren Energien ist - und das zu erschwinglichen Mieten.

Die Rückansicht der Neubauten

Solar-Carports

Landespreis "Zukunftshaus" 2018 der Grünen Hausnummer

Energieeffizient aus Überzeugung

Wer einen Altbau energetisch saniert oder ein Neubauvorhaben plant, muss sich gedanklich weit in die Zukunft bewegen. Denn Wohngebäude sollen für Jahrzehnte den energetischen, ästhetischen und räumlichen Ansprüchen der Besitzer oder deren Mietern genügen. Hermann Kempf hat daher bei seinen Planungen folgende Annahme für die weiteren Entscheidungen zugrunde gelegt: "In der Zukunft werden keine fossilen Brennstoffe mehr für die Gebäudewärme verwendet werden können." 

Die Umsetzung für seine beiden Mehrfamilienhäuser mit ihren jeweils elf barrierefreien Wohneinheiten sah dann so aus: Die Beheizung und Warmwasseraufbereitung erfolgt über eine Erd-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung. Für die Stromversorgung der Wärmepumpe und des Gemeinschaftsstroms sorgt eine 22,8 kWp Photovoltaik-Anlage mit einem 17,5 kWh Stromspeicher für die Nacht. Ein dezentrales Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung sorgt für frische Luft bei minimalen Wärmeverlusten.Die Außenhülle der Gebäude besteht aus einem massiven hochwertigen Dämmstein aus Ton mit einer Mauerstärke von 50 cm, so dass auf ein außen angebrachtes Wärmedämmverbundsystem verzichtet werden konnte.

Energieeffizienz ist auch ökonomisch sinnvoll!

Unabhängig von den ökologischen Gesichtspunkten sind beim Bau auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Da die beiden Objekte von Anfang an nicht für den Verkauf, sondern für die Vermietung vorgesehen waren, war die Aufgabenstellung nicht die Renditemaximierung im kurzfristigen Bereich, sondern langfristig einen werthaltigen Bestand zu haben.

"Letztendlich ist der heutige Mehraufwand in die hochwertige Gebäudesubstanz meine Kostenersparnis von morgen."

So stand für Hermann Kempf nie wirklich zur Debatte, bei der Energieeffizienz zu sparen - auch wenn die Einsparungen ca. 600.000€ ausgemacht hätten. Diesen könne man zum einen eine etwas höhere Kaltmiete gegenrechnen sowie die zinssubventionierten Darlehen der KfW. Die Mieter würden sich schließlich an der Gesamtmiete orientieren, und wenn die Kaltmiete etwas höher, die Nebenkosten dafür niedriger ausfielen, wäre die Akzeptanz sehr hoch. Auf diese Weise führe der Klimaschutz zu einer Umverteilung der Nebenkosten - weg von den Energieversorgern, hin zu den Bauherren. Das Ergebnis gibt ihm Recht: Im Oktober 2018 waren alle Wohnungen bis auf ein Penthouse vermietet.

"Das energetische Konzept ist im Grunde zu 100% aufgegangen."

Da Hermann Kempf bei seinen bisherigen Projekten nur im Bestandsbereich aktiv war, waren die Bauvorhaben in der Gartenstraße die ersten dieser Art. Weitere Projekte stehen aber bereits kurz vor dem Baubeginn, da ihn das Konzept nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis vollkommen überzeugt hat. Das Feedback der Mieter sei auch entsprechend sehr gut.

 

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