In ersten Vortragsteil der Fachtagung erläuterte der Leiter der Koordinierungs- und Transferstelle Smart Cities (KTS), Matthias Woiwode von Gilardi, warum digitale Anwendungen bei der Transformation helfen und wie Kommunen besser zusammenarbeiten können.
Gegenwärtig seien mehr Treibhausgasemissionen festzustellen, als nach dem Klimaschutzgesetz zulässig sind. Um hier schnell Erfolge zu erreichen, sei ein Methodenwechsel nötig. Und dies idealerweise mittels Digitalisierung.
Folgende infrastrukturelle Frage müsse beantwortet werden: Wer stellt zentrale und verbindliche Vorgaben und Standards auf? Herr Woiwode von Gilardi verdeutlichte, dass offene und übertragbare Lösungen wie z. B. das virtuelle Kraftwerk Fuchsbachtal und der digitale Zwilling Margaretenau in Regensburg nötig seien. Anhand weiterer Beispiele erläuterte von Gilardi die Relevanz des Themas Transformation für das kommunale Datenmanagement. Dabei gehe es um Visualisierung durch z. B. Klimaschutzdashboards, gemeinsame Entwicklung von CityApps, Changemanagement wie im Datenraum Freiburg und neue Governance-Lösungen, wie sie die Modellkommune Bochum entwickle.
Abschließend ging der Leiter der KTS auf die Arbeit seiner Institution ein: Eine zentrale Wissensplattform werde entwickelt, in der alle Kommunen die Ergebnisse der Arbeit der Modellkommunen zur Verfügung gestellt bekommen und davon profitieren können. Weiterhin initiiert die KTS Arbeits- und Entwicklungsgemeinschaften von Kommunen, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln und zu testen. Schließlich gebe es auch für Kommunen, die keine Modellvorhaben sind, das Unterstützungsprogramm Start Smart, das eine wesentliche Hilfe beim strategischen Aufbau digitaler Methodik im kommunalen Handeln sein kann.
Herr Christian Mainka von der City&Bits GmbH ging mit seinem Input auf die Frage ein, welche Qualität von Daten ausreicht, um tätig werden zu können.
Herr Mainka warb in seinem Input dafür, die Stadt als technologisches System zu verstehen, wenn es darum gehe, Herausforderungen kommunaler Aufgaben künftig digital zu lösen. Hier gehe es vor allem darum, die zahlreichen in Kommunalverwaltungen vorhandenen Daten aus ihren Silos in eine gemeinsame Nutzung zu führen. Diese Mehrfachnutzung und der zu gewinnende Überblick ermöglicht die Identifizierung von kommunalen Gestaltungsspielräumen. Um hier eine gute Ergebnisqualität zu erreichen, müssen allerdings die Probleme bei der Qualität von Daten offen angegangen werden. Prozesse müssten neu gestaltet, Technologien angepasst und Personal geschult werden. Sinnvoll sei ein Datenqualitätsmanagement.
Christian Mainka verdeutlichte die Bedeutung der digitalen Datennutzung für die Energiewende. Intelligente Lösungen wie urbane Datenplattformen mit Datenökosystemen, IoT-Netzen und Klimadashboards seien aufzubauen. Aktuelle Daten dienen sowohl dem Ressourcenschutz und dem Klimaschutz und helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Nach diesem Input diskutierten Herr Christian Mainka, Herr Matthias Woiwode von Gilardi und der Fachdienstleiter Geoinformation und Statistik der Stadt Oldenburg, Herr Michael Arndt, über die Frage der nötigen Datenqualität. Einigkeit bestand darin, dass möglichst viele Daten zu offenen Daten werden müssen, um Mehrfachnutzung zu ermöglichen und Mehrfacherhebung zu vermeiden. Eine vom Land bereitgestellte Plattform könnte gerade kleinen und mittleren Kommunen helfen, Daten digital zur Verfügung zu stellen. Herr Woiwode von Gilardi verwies auf den OpenCode als zentrale Quelle für Open Source Software. Dort können sich Kommunen aufwands- und ausschreibungsfrei Lösungen „abholen“.
Die Diskussionsrunde postulierte, dass die notwendige Transformation Offenheit brauche, wie es z. B. digitale Reallabore wie das MachMit!Haus in Goslar vormachen würden. Insgesamt sei die Datenbereitstellung eine sehr wichtige Aufgabe, um effektive Datenverarbeitung zu ermöglichen. Von hoher Bedeutung für erfolgreiche digitale Prozesse seien motivierte Führungskräfte, die eine Chance in der notwendigen Veränderung sehen und diese mittgestalten wollen.
Im nächsten Teil der Fachtagung wurden digitale Tools für das kommunale Energiemanagement vorgestellt.
Herr Patrick Nestler von der KEAN erläuterte das zentrale Werkzeug zum Aufbau und zur Qualitätssicherung: KomEMS.
Zunächst stellte er das für niedersächsische Kommunen kostenfrei zur Verfügung stehende Unterstützungsangebot „Kommunales Energiemanagement-System“ (Kom.EMS) vor. Hintergrund sei, dass alle Kommunen nach §17 NKlimaG bis Ende 2023 erstmalig einen Energiebericht veröffentlichen müssen, der witterungsbereinigte Informationen zu Verbrauch, Kosten und Emissionen für Strom und Wärme beinhalte. Damit ein begleiteter Einstieg aller Kommunen in das Energiemanagement möglich ist, wurde Kom.EMS geschaffen. Dies ist ein digitales Managementwerkzeug für den Aufbau, den laufenden Betrieb und die Zertifizierung eines wirksamen Energiemanagement-Systems in kommunalen Verwaltungen. Zur Ermittlung des aktuellen Standes des Energiemanagements können Kommunen einen Online-Check durchführen.
Herr Nestler wies auf die zahlreichen unter http://www.komems.de zur Verfügung stehenden Arbeitshilfen und Leitfäden hin. Diese reichen von Mustern für die Tätigkeitsbeschreibungen über Anleitungen zur Kennwertbildung bis hin zu beispielhaften Energieberichten. Im August 2023 waren schon mehr als 130 niedersächsische Kommunen registriert und fünf Kommen haben sich über das Angebot zertifizieren lassen.
Zum Ende seines Vortrages stellte Herr Nestler die Förderungen mittels der Kommunalrichtlinie im Bereich kommunales Energiemanagement vor. Aktuell können über das Förderprogramm „Implementierung und Erweiterung eines Energiemanagements“ und „Aufbau und Betrieb kommunaler Netzwerke“ Fachpersonal, Beratertage, Messtechnik und Software gefördert werden. Herr Nestler fasste zusammen, dass oft geringinvestive Maßnahmen schon zu hohen Einsparungen von bis zu 20 Prozent führen können und diese durch gute Fördermaßnahmen für jede Kommune sinnvoll und umsetzbar seien.