Klimaschutz braucht Wärmewende

Landkreis Emsland stellt seinen Mitgliedskommunen Daten für die Planung ihrer zukünftigen Wärmeversorgung zur Verfügung

Zur Erreichung der Klimaschutzziele braucht es eine Transformation der Energieversorgung. Die aktuell größte Herausforderung ist dabei die Wärmeversorgung, die heute noch zu 90 Prozent auf der Verbrennung fossiler Brennstoffe beruht. Der Landkreis Emsland hat diese Zukunftsherausforderung erkannt und die Grundlage für eine kommunale Wärmeplanung seiner Gemeinden geschaffen. Dazu wurden für das gesamte Landkreisgebiet die Wärmebedarfe der Gebäude ermittelt und mit den verfügbaren Wärmequellen wie zum Beispiel Geothermie oder industrieller Abwärme in einem Wärmekataster zusammengebracht.

Diese digitalen Daten stellt der Landkreis nun den kreisangehörigen Städten und Gemeinden kostenfrei zur Verfügung. Sie können auf dieser Grundlage ihre zukünftige klimaneutrale Wärmeversorgung planen und konkrete Umsetzungsschritte einleiten. Zur Erleichterung der Planung und Umsetzung fördert der Landkreis außerdem Machbarkeitsstudien zur Wärmeversorgung mit 90 Prozent der Kosten. Für interessierte Bürgerinnen und Bürger stehen ein kostenfreies Solardachkataster und ein Geothermisches Kataster zur Verfügung.

„Die Energiewende erfordert neben dem Umbau der Stromversorgung nun vor allem einen Umbau der Wärmeversorgung und eine deutliche Verringerung des Wärmeverbrauchs", erläutert Lothar Nolte, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, und führt weiter aus: „Für den Umbau der Wärmeversorgung werden wir Jahrzehnte benötigen, das geht nicht von heute auf morgen. Wir haben es hier mit sehr langen Planungszeiten und Investitionszyklen zu tun. Deswegen begrüßen wir die Initiative des Landkreises Emsland, diese Aufgabe jetzt systematisch anzugehen und seinen Mitgliedskommunen diese langfristige Planung zu ermöglichen."

Das gestern vorgestellte Wärmekataster ist Teil eines Klimaschutzteilkonzepts zur Wärmenutzung für den Landkreis Emsland. Der Umweltdezernent des Landkreises Dirk Kopmeyer hat das Projekt in die Wege geleitet. Für ihn ein logischer Schritt: „Nach aktuellen Zielen der Bundesregierung soll Deutschland bis spätestens 2045 Treibhausgasneutralität erreicht haben. Unser Klimaschutzteilkonzept zur Wärmenutzung zeigt auf, wie wir das im Gebäudebereich erreichen können. Das Wärmekataster bildet die Grundlage für die weitere Umsetzung. Bei der Produktion regenerativen Stroms ist das Emsland bereits Spitzenreiter in Niedersachsen. Jetzt gehen wir im nächsten Schritt die Wärmeversorgung an". Zeitgleich mit den Landkreisen Friesland und Wittmund hat das Emsland bereits Ende 2018 ein Klimaschutzteilkonzept zur Wärmeplanung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums auf den Weg gebracht. Zusätzliche Förderung wurde durch das Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt.

Die Vorstellung des Wärmekatasters am 24.06.2021 in Meppen, v.l.: Dr. Florian Kühne und Umweltdezernent Dirk Kopmeyer vom Landkreis Emsland, Dr. Isabell Kiepe von der KEAN, Ronny Krutzsch, Fachberater der Fa. Seecon, Foto: Landkreis Emsland

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So funktioniert die Wärmeplanung
Um in einen planerischen Prozess zum Umbau der Wärmeversorgung einzusteigen, muss zunächst eine Bestandsaufnahme der aktuellen Wärmeversorgung in den Kommunen gemacht werden. Im Rahmen des Konzeptes für das Emsland wurde daher analysiert, wie hoch der Wärmebedarf der Gebäude ist und wie er derzeit gedeckt wird. Anhand des aktuellen Wärmebedarfs wurden in einem weiteren Schritt Standorte identifiziert, die sich besonders für den Aufbau eines effizienten Wärmenetzes eignen. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Erfassung von Wärmequellen, die für die Beheizung der Gebäude genutzt werden kann: Das sind zum Beispiel industrielle Abwärme, aber auch die Potenziale zur Nutzung von Solarenergie, Geothermie und Umweltwärme für den Betrieb von Wärmepumpen. Die Daten simulieren ebenfalls den geringeren Wärmebedarf bei fortschreitender energetischer Sanierung der Gebäude im Landkreis. Jede Kommune erhält damit einen Überblick über die aktuelle Wärmeversorgung und welche Potenziale es zu heben gilt. Diese Daten stehen den Kommunen als Geodaten für Verfügung und können als Planungsgrundlage für eine klimaschonende Wärmeversorgung genutzt werden.

Wärmenutzungsplanung in der Stadt Lingen
In der Stadt Lingen sollen das Wärmekataster als Grundlage für weitere Planungen genutzt werden. Dazu Klimaschutzmanager Sebastian Siemen: „Die Wärmeversorgung ist beim Klimaschutz eine der komplexen Baustellen und rückt auch im Lingener Stadtgebiet immer mehr im Fokus. So wird beispielsweise für aktuelle Bauleitplanungen von Neubaugebieten fest mit Nahwärmenetzen geplant. Um die Energieversorger bei der Realisierung dieser Projekte, insbesondere aber auch in der Projektierung von Bestandsimmobilien und bestehenden Potentialen zu unterstützen, ist es wichtig, auf ein geeignetes Tool zurückgreifen zu können. Dabei hilft das Wärmekataster des Landkreises Emsland, um Wärmesenken und Wärmequellen zu identifizieren und bei der Wärmenutzungsplanung nachhaltige und wirtschaftliche Versorgungskonzepte zu entwickeln."

Förderung kommunaler Machbarkeitsstudien
Um die Potenzialanalysen und Handlungsempfehlungen nun vom Modell in die Praxis zu führen, hat der Landkreis Emsland ein Förderprogramm beschlossen, das die Städte und Gemeinden für ihre Planung vor Ort in Anspruch nehmen können.

Informationsveranstaltung zum Thema
Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen plant zum Thema der kommunalen Wärmeplanung Anfang September eine Veranstaltung, bei der Interessierte mehr über die Erfahrungen und Ausblicke im Landkreis Emsland erfahren können.

Kontakt

Dr. Isabell Kiepe

0511 89 70 39-25
isabell.kiepe [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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