Energiekonzept der Diakonie Adelebsen

Die Sozialwirtschaft steht vor der Herausforderung, ihre Einrichtungen dauerhaft wirtschaftlich, zuverlässig und zukunftsfähig zu betreiben. Vor diesem Hintergrund wurden bei der Diakonie Adelebsen die bestehende, teils veraltete technische Infrastruktur der Liegenschaft grundlegend überprüft. Ziel war es, durch ein ganzheitliches Energiekonzept die Energieversorgung zu modernisieren, effizienter zu gestalten und langfristig abzusichern.

Die Diakonie Adelebsen betreibt ein Pflegeheim, einen ambulanten Pflegedienst, eine Tagespflege und eine Einrichtung für betreutes Wohnen in insgesamt vier Gebäuden. Aufgrund des Alters und Zustands der technischen Anlagen wurde ein Energiekonzept für die gesamte Liegenschaft erstellt und umgesetzt. So konnte sie notwendig gewordene Einzelmaßnahmen frühzeitig und vorausschauend mit umfassenderen Modernisierungen kombinieren.

Durch diese grundlegende Modernisierung und Zentralisierung der Heizungszentrale erreichte die Diakonie mehr Autarkie beim Strombezug, eine Lastbündelung und somit längere und effizientere Laufzeiten der Erzeugungsanlagen sowie eine insgesamt stabilere und robustere Energieversorgung des gesamten Areals. 

Die Ausgangslage

Die Heizungs- und Warmwasseranlagen der Diakonie Adelebsen hatten teilweise das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und waren reparaturbedürftig. Die Gebäude der ca. 6.500 m² großen Liegenschaft - bestehend aus einem Pflegeheim, einer Tagespflege sowie den vermieteten Räumen des betreuten Wohnens - verfügten zudem über eine sehr heterogene Anlagentechnik. Ziel war daher eine homogene, moderne und zukunftsgerichtete Wärmeversorgung. Bestehende Fördermöglichkeiten erleichterten zudem die Entscheidungsfindung.

Im Jahr 2019 startete die Planung für das Energiekonzept. Ein Jahr später wurde eine erste Konzeptentwicklung beauftragt. Die Umsetzung begann 2021 und wurde 2023 abgeschlossen.

Welche Maßnahmen wurden wann konkret umgesetzt?

  • Ein Nahwärmenetz zur Versorgung aller Gebäude wurde errichtet und in allen Gebäuden wurde ein hydraulischer Abgleich durchgeführt
  • Die neue Heizzentrale versorgt alle Gebäude über das Nahwärmenetz mit Wärme, sie besteht aus: 
      • einem BHKW (bestehende Anlage erneuert, 60 kW thermisch & 20 kW elektrisch, betrieben mit Gas)
      • drei neuen Wärmepumpen mit jeweils 12 kW
      • 2 Gaskesseln
      • einem Pufferspeicher (6.000 l)
  • eine 58 kWp große PV-Anlage auf dem Haupthaus errichtet
  • 12 E-Ladestationen wurden aufgestellt, an denen auch die Mitarbeitenden ihre Fahrzeuge kostenlos mit überschüssigem Solarstrom laden können
  • Gebäudeleittechnik zur zentralen Steuerung der Gebäudeausrüstung eingerichtet
  • Es wurde eine BEG-Förderung für das Gebäudenetz beantragt und bewilligt

Das Ergebnis

  • Das BHKW deckt rund 60 % des Heizwärmebedarfs der Liegenschaft ab
  • Der Eigenverbrauchsanteil der PV-Anlage liegt bei 66 %
      • Erträge aus der PV-Anlage decken etwa 20 % des gesamten Strombedarfs der Einrichtung.
  • Aufgrund der grundlegend veränderten Versorgungstrukturen sind Einsparungen nicht einfach als Zahlenwert darstellbar. Der Anschluss der PV-Anlage sowie des BHKWs führt einerseits zu deutlichen Rückgängen beim Strombezug, gleichzeitig erhöht sich jedoch der Erdgasverbrauch durch die Kraft-Wärme-Kopplung
  • Entlastung des öffentlichen Stromnetzes durch einen hohen Autarkiegrad von über 75 %

Wichtig für die erfolgreiche Umsetzung

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Umsetzung war das gegenseitige Vertrauen in die beauftragten Dienstleister (z.B. Ingenieurbüro und Handwerksbetriebe) sowie eine möglichst enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit diesen. Ebenso wichtig war eine verständliche und transparente Kommunikation komplexer technischer Zusammenhänge, damit auch Entscheidungsträger:innen und Beteiligte ohne technischen Hintergrund fundierte Entscheidungen treffen konnten.

Fazit, Schwierigkeiten und nächste Schritte

Insgesamt konnte durch das Blockheizkraftwerk und die Photovoltaik-Anlage der Strombezug von extern bereits um 75 % reduziert werden. In der Umsetzungsphase traten vor allem Schwierigkeiten beim Verlegen des Nahwärme- und Stromversorgungsnetzes aufgrund von anspruchsvollen Geländestrukturen auf. Es musste unter anderem mit dem Bach, der durch das Grundstück fließt, umgegangen werden. Im Gebäudebetrieb hat sich gezeigt, dass die Wärmepumpen lediglich etwa 8 % des Heizwärmebedarfs decken. Diese noch unzureichende Wärmezulieferung bietet weiteres Optimierungspotenzial und ist im Fokus des betreuenden Ingenieurbüros.  

Zudem soll zukünftig die Abwärme aus der großen Heizzentrale mithilfe der Wärmepumpen genutzt werden. Ein weiteres Ziel ist die Einbindung der Trinkwarmwasserbereitung in das Gebäudeleitsystem mit dem Ziel eine bessere bedarfsgerechte TWW-Bereitung zu erreichen und somit die Netz-Rücklauftemperaturen im Sommerbetrieb zu senken. Dies könnte die Effizienz der Wärmeerzeugung und -verteilung weiter erhöhen. 

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