E-Mobilität im Pflegealltag beim DRK-Kreisverband Uelzen

In der Pflege ist die Mobilität der Mitarbeitenden ein zentraler Hebel für den Klimaschutz, mit dem Umstieg auf Elektromobilität kann hier viel erreicht werden. Der DRK-Kreisverband Uelzen beschäftigt sich seit 2019 mit dem Thema und hat mittlerweile über 90 % seiner gesamten Fahrzeugflotte im Pflegedienst auf Elektromobilität umgestellt.

„Erst im Kleinen, dann erweitern.“

Die Anfänge der Aktivitäten im DRK-Kreisverband Uelzen sind auf eine Sonderaktion eines regionalen Leasinganbieters für günstige E-Autos zurück zu führen, bei der 15 E-Fahrzeuge geleast wurden. Damals war der Gedanke des „Einfach mal Ausprobieren“ da und der Wunsch innovativ voran zu gehen. Allerdings umfasste die damalige Reichweite der E-Autos gerade einmal 100 km.

Im Jahr 2021 stand dann ein Wechsel des Fuhrparks an. Da es sich bei den Autos um Leasingmodelle handelt, müssen diese alle paar Jahre durchgetauscht werden. Dieser Tausch wurde als Chance für einen technologischen Fortschritt genutzt und der Kreisverband stellte 1/3 der Flotte um. Zu dem Zeitpunkt waren die Reichweiten schon deutlich verbessert. Mit der wachsenden E-Flotte kam dann das Thema „Ladeinfrastruktur“ auf.

Es wurde schnell deutlich, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur nicht ausreichen wird, um den eigenen Fuhrpark zu versorgen. Das ist vor allem darauf zurück zu führen, dass Uelzen im Ländlichen Raum liegt, das Pflegefachpersonal in eben diesem unterwegs ist und eine hohe Flexibilität bei der Ladung benötigt.

Von Vorteil war und ist, dass die Arbeitszeiten in Früh- und Spätschichten aufgeteilt sind, sodass sich jeweils zwei Mitarbeitende ein Auto teilen können. Die Mittagszeit kann dabei als Puffer zum Laden der Fahrzeuge dienen. So fiel die Entscheidung, in eine eigene Ladeinfrastruktur zu investieren, was jedoch mit verschiedenen komplexen Fragen verbunden war – etwa zur Gestaltung der Parkplatzflächen, zur Verlegung von Kabeln und Schächten sowie zur benötigten Anschlussleistung. Um diese Herausforderungen fachgerecht zu lösen und Stromspitzen zu vermeiden, wurde frühzeitig der Kontakt zum örtlichen Energieversorger und zu einem Elektronikfachbetrieb aufgenommen. 

Es wurden 15 Ladesäulen eingerichtet, die eine hohe Verfügbarkeit sicher stellen. Durch die Nutzung von Fördermöglichkeiten, wie dem Förderprogramm zur Ladeinfrastruktur der KfW und dem Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr, konnte der DRK-Kreisverband die Ladeinfrastruktur teilweise refinanzieren. 

2022 kamen weitere E-Fahrzeuge hinzu und die Ladeinfrastruktur wurde erweitert. Zu dem Zeitpunkt war der Fuhrpark zu 80 % elektrisch und an allen Liegenschaften des DRK in der Region wurden Ladesäulen eingerichtet. Mittlerweile besteht das Ladenetz aus 70 Ladepunkten. Ein Drittel des Stroms für die Ladesäulen stammt aus den eigenen PV-Anlagen, die teilweise schon existent waren bzw. weiter ausgebaut wurden.

Auch die Mitarbeitenden wurden von Beginn an aktiv einbezogen und begleitet. Ängste und Vorbehalte wurden durch gemeinsame Fahrsicherheitstrainings und Probefahrten schrittweise abgebaut. Die häufig geäußerte Sorge mit leerem Akku liegen zu bleiben, hat sich in den vergangenen sechs Jahren in der Praxis nicht bestätigt. In der Pflege ist das Auto Teil des Arbeitsplatzes, weshalb Komfort, Sicherheit und technische Neuerungen ein Must-Have sind. Eine moderne Fahrzeugflotte kann auch genutzt werden, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.

Die Fakten

  • Anzahl der Mitarbeitenden: 250
  • Anzahl der Kund:innen: 650
  • Anzahl der E-Fahrzeuge insgesamt (Kreisverband und Pflegedienst zusammengefasst): 60
  • Mehr als 90 % der Fahrzeugflotte im Pflegedienst ist mittlerweile elektrisch
  • 30 % des Stroms für die Ladesäulen stammen aus den eigenen PV-Anlagen
  • Die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur, die PV-Anlage, Zubehör und Beratung liegen insgesamt im sechsstelligen Bereich

 

Der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Uelzen Tim Meierhoff macht anderen Mut, ebenfalls einen Umstieg auf E-Fahrzeuge zu probieren: „Habt keine Berührungsängste vor dem Thema: Sucht euch früh starke, regionale Partner, um die Herausforderungen nicht allein zu lösen und bindet eure Mitarbeitenden von Anfang an aktiv mit ein.“ Außerdem rät er: Die Einführung von E-Autos sollte als Business Case betrachtet werden.

Das Erstellen einer Strategie mit langfristigen und klaren Zielen stellt die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung dar. So lassen sich potenzielle Herausforderungen frühzeitig antizipieren. Als Beispiel nennt Herr Meierhoff den Werkstatt-Besuch. Für regelmäßige TÜV-Prüfungen, Reparaturen und Schäden wird regionale Unterstützung benötigt, damit die Fahrzeuge schnell wieder einsatzbereit sind. Statt Fahrten in die nächste große Stadt für Ersatzteile zu planen, sollten lokale Spezialist:innen oder Herstellerpartner vor Ort gefunden werden, um eine schnelle Reparatur zu gewährleisten.

Positive Effekte für den DRK-Kreisverband

Die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Mobilitätsbereich stärkt die betriebliche Handlungsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und macht den Arbeitsplatz – insbesondere das Dienstauto – modern und innovativ. Wirtschaftlich entstehen Vorteile durch deutlich geringere Mobilitätskosten, während die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen steigt. Durch das positive Vorleben wird auch die Begeisterung der Mitarbeitenden für E-Autos auf privater Ebene geweckt.

Und die Umstellung hat noch einen positiven Nebeneffekt: Das Fahren mit E-Autos fördert einen vorausschauenden Fahrstil, der zu weniger Unfällen und Schäden führt – und damit auch zu niedrigeren Kosten für die Kfz-Versicherung.

Pläne für die Zukunft

Zukünftig soll die Ladeinfrastruktur für die Elektrofahrzeuge gezielt optimiert werden. Wesentliche Bausteine sind hier das Last- und Kapazitätenmanagement, das bereits installiert wurde. Eine automatisierte Datenauslese ermöglicht eine bedarfsgerechte Steuerung der Ladeprozesse, reduziert Spitzenlasten und nutzt frei verfügbare PV-Energie effizient. So wird die Ladeinfrastruktur intelligent betrieben, indem überschüssiger Solarstrom zeitnah ins Ladesystem eingespeist wird und Engpässe vermieden werden.

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Kontakt

Gloria Sindermann

0176 899 027 70
gloria.sindermann [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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