„Erst im Kleinen, dann erweitern.“
Die Anfänge der Aktivitäten im DRK-Kreisverband Uelzen sind auf eine Sonderaktion eines regionalen Leasinganbieters für günstige E-Autos zurück zu führen, bei der 15 E-Fahrzeuge geleast wurden. Damals war der Gedanke des „Einfach mal Ausprobieren“ da und der Wunsch innovativ voran zu gehen. Allerdings umfasste die damalige Reichweite der E-Autos gerade einmal 100 km.
Im Jahr 2021 stand dann ein Wechsel des Fuhrparks an. Da es sich bei den Autos um Leasingmodelle handelt, müssen diese alle paar Jahre durchgetauscht werden. Dieser Tausch wurde als Chance für einen technologischen Fortschritt genutzt und der Kreisverband stellte 1/3 der Flotte um. Zu dem Zeitpunkt waren die Reichweiten schon deutlich verbessert. Mit der wachsenden E-Flotte kam dann das Thema „Ladeinfrastruktur“ auf.
Es wurde schnell deutlich, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur nicht ausreichen wird, um den eigenen Fuhrpark zu versorgen. Das ist vor allem darauf zurück zu führen, dass Uelzen im Ländlichen Raum liegt, das Pflegefachpersonal in eben diesem unterwegs ist und eine hohe Flexibilität bei der Ladung benötigt.
Von Vorteil war und ist, dass die Arbeitszeiten in Früh- und Spätschichten aufgeteilt sind, sodass sich jeweils zwei Mitarbeitende ein Auto teilen können. Die Mittagszeit kann dabei als Puffer zum Laden der Fahrzeuge dienen. So fiel die Entscheidung, in eine eigene Ladeinfrastruktur zu investieren, was jedoch mit verschiedenen komplexen Fragen verbunden war – etwa zur Gestaltung der Parkplatzflächen, zur Verlegung von Kabeln und Schächten sowie zur benötigten Anschlussleistung. Um diese Herausforderungen fachgerecht zu lösen und Stromspitzen zu vermeiden, wurde frühzeitig der Kontakt zum örtlichen Energieversorger und zu einem Elektronikfachbetrieb aufgenommen.
Es wurden 15 Ladesäulen eingerichtet, die eine hohe Verfügbarkeit sicher stellen. Durch die Nutzung von Fördermöglichkeiten, wie dem Förderprogramm zur Ladeinfrastruktur der KfW und dem Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr, konnte der DRK-Kreisverband die Ladeinfrastruktur teilweise refinanzieren.
2022 kamen weitere E-Fahrzeuge hinzu und die Ladeinfrastruktur wurde erweitert. Zu dem Zeitpunkt war der Fuhrpark zu 80 % elektrisch und an allen Liegenschaften des DRK in der Region wurden Ladesäulen eingerichtet. Mittlerweile besteht das Ladenetz aus 70 Ladepunkten. Ein Drittel des Stroms für die Ladesäulen stammt aus den eigenen PV-Anlagen, die teilweise schon existent waren bzw. weiter ausgebaut wurden.
Auch die Mitarbeitenden wurden von Beginn an aktiv einbezogen und begleitet. Ängste und Vorbehalte wurden durch gemeinsame Fahrsicherheitstrainings und Probefahrten schrittweise abgebaut. Die häufig geäußerte Sorge mit leerem Akku liegen zu bleiben, hat sich in den vergangenen sechs Jahren in der Praxis nicht bestätigt. In der Pflege ist das Auto Teil des Arbeitsplatzes, weshalb Komfort, Sicherheit und technische Neuerungen ein Must-Have sind. Eine moderne Fahrzeugflotte kann auch genutzt werden, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.