Klimaschutz in „süß“

Das Dekarbonisierungsprogramm von Nordzucker

Von weißem über Rohrzucker bis hin zu Puder- oder Gelierzucker – vieles davon auch in Bioqualität: Die Produkte der Nordzucker AG mit Hauptsitz in Braunschweig richten sich an Endverbraucher:innen ebenso wie an Lebensmittelunternehmen. Die vielen verschiedenen Zuckerprodukte sorgen aber nicht einfach nur für süßes Essen auf dem Teller, nein, in diesem Fall lässt sich das Naschen auch mit dem Gedanken an Klimaschutz verbinden.

Unter dem Namen „GoGreen“ läuft bei Nordzucker ein konzernweites Dekarbonisierungs- und Transformationsprogramm. Ziel ist es, bis 2050 eine CO2-neutrale Zuckerproduktion zu erreichen. Gleichzeitig verpflichtet sich das Unternehmen freiwillig, die CO2-Emissionen der Scopes 1 (direkte Emissionen) und 2 (indirekte Emissionen z. B. durch eingekaufte/-n Strom, Dampf, Wärme und Kälte) bis 2030 um 50 Prozent gegenüber 2018 zu verringern. In den Bereichen Forst- und Landwirtschaft sowie Landnutzung sollen die Emissionen um 36 Prozent sinken. Mit seinem Programm reagiert der Zuckerhersteller auf gesetzliche Vorschriften etwa im Rahmen des European Green Deal, steigende CO2-Preise im Emissionshandel und wachsende Anforderungen von Kund:innen und Markt an Klimafreundlichkeit. Um seine Ziele zu erreichen, setzt Nordzucker auf Maßnahmen zum Energiesparen, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Umstellung des Energiemixes. Für die Umsetzung hat jeder Standort, an dem Zuckerrüben verarbeitet werden, eine eigene Roadmap erhalten. 

Dies sind die Bausteine im Einzelnen:

  • Senkung des Energieverbrauchs durch:
  • Prozessoptimierung: z. B. durch die Erhöhung der Zuckerkonzentration und Reduktion von Wasserströmen gleich zu Beginn der Zuckergewinnung im Extraktionsturm (s. u.) *
  • maximale Nutzung vorhandener Prozesswärme durch den Einsatz zusätzlicher Wärmetauscher
  • Nutzung erneuerbarer Energien: Der Einsatz von Biomasse, Biogas, Geothermie, Windkraft und Photovoltaik wird geprüft. An den dänischen Standorten wurde zur Kampagne (s. u.) * 2025/26 erstmals Biogas aus Zuckerrübenpressschnitzeln verwendet (als Ersatz für Erdgas).
  • Wechsel des Energiemixes: Kohle- und Ölkessel werden durch Gaskessel ersetzt, die später mit Biogas laufen können (s. vorhergehender Punkt). Die Umstellung von Kohle auf Erdgas ist fast vollständig abgeschlossen.
  • Standortspezifische Roadmaps: Sie beschreiben den individuellen Weg jeder Fabrik zur CO2-Reduktion und berücksichtigen dabei technische, regionale und infrastrukturelle Voraussetzungen. Die Roadmaps werden regelmäßig überprüft und an technische Entwicklungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Anforderungen angepasst.

Sven-Patrick Grap, Head of GoGreen des Unternehmens, sieht das Programm so: „GoGreen ist für Nordzucker ein langfristiger technischer Umbau unserer Produktion. Wir reduzieren Emissionen dort, wo sie entstehen – Schritt für Schritt, messbar und eingebettet in unsere regulären Investitionsentscheidungen.“

Verdampferstufe mit Brüdenkompressor in der Fabrik in Nordstemmen

Die Uelzener Nordzucker-Fabrik aus der Vogelperspektive (2021), noch ohne den oben abgebildeten neuen Extraktionsturm

Zwei Beispiele aus Niedersachsen zeigen die Wirksamkeit des Programms:

  1. Brüdenkompression in Nordstemmen (Landkreis Hildesheim): Bei der Zuckerherstellung wird der Zuckersaft in einem mehrstufigen Verfahren eingedampft, der dabei entstehende Wasserdampf nennt sich „Brüden“. Im Nordstemmener Werk wendet Nordzucker eine mechanische Kompression des Brüdens an. Diese ermöglicht, dass der Dampf nicht ungenutzt abgeführt wird, sondern erneut als Heizdampf dienen kann. Die dafür nötige Anlage arbeitet, einfach gesagt, wie eine großindustrielle Wärmepumpe. Das Pilotprojekt läuft bisher erfolgreich und führt zu wesentlichen CO2-Einsparungen. Es dient als Vorbild für weitere Standorte des Unternehmens.
  2. Neuer Extraktionsturm in Uelzen: Diesen hat Nordzucker 2024 in Betrieb genommen. Der neue Turm ermöglicht ein effizienteres Verfahren, Zucker aus Zuckerrübenschnitzeln zu lösen. Es benötigt weniger Wasser und zugleich weniger Energie für dessen Aufheizen. Damit spart das Unternehmen allein in Uelzen 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Weil das Verfahren so erfolgreich ist, entsteht in der Fabrik in Schladen (Landkreis Wolfenbüttel) ebenfalls ein neuer Turm, der voraussichtlich noch 2026 in Betrieb gehen wird.

 

Innenansicht der Fabrik in Uelzen: In den großen Kochapparaten wird der sogenannte Dicksaft eingekocht.

Fazit: In den vergangenen Jahren hat Nordzucker intensiv in die Dekarbonisierung investiert, was sich wirtschaftlich und im CO2-Fußabdruck der Produkte auszahlt. So ist der Energiebedarf für eine Tonne Zucker um rund 20 Prozent gegenüber 2018 gesunken. Darüber hinaus konnten durch die GoGreen-Maßnahmen bereits 50 Prozent der bis 2030 geplanten Reduktion der CO2-Emissionen gegenüber 2018 reduziert werden. 

Begriffserklärungen

Extraktionsturm

Bis zu 20 Meter hoher Turm, in dem sich die Rübenschnitzel von unten nach oben bewegen, während von oben heißes Wasser an ihnen vorbeifließt. Durch die Hitze des Wassers treten die Zuckermoleküle aus den Schnitzeln ins Wasser über. Am unteren Ende des Extraktionsturmes wird der sogenannte „Rohsaft“ mit einem Zuckeranteil von 13 bis 15 Prozent abgepumpt.

Kampagne

Als Zuckerrübenkampagne oder kurz Kampagne wird der Zeitraum des Jahres bezeichnet, in dem die Zuckerrüben in den Zuckerfabriken verarbeitet werden. Die Kampagne dauert in der Regel von Mitte September bis Januar.

Kontakt

Neele Birnbaum

0151 158 919 43
neele.birnbaum [at] klimaschutz-niedersachsen.de

Newsletter
abonnieren