KISS-PROJEKT

Betriebliche Mobilität in der Sozialwirtschaft

Im niedersächsischen Gesundheits- und Sozialsektor waren 2025 rund 35.000 Pkw im Einsatz – zusätzlich zur individuellen Mobilität von etwa 230.000 Mitarbeitenden. Die Elektrifizierung der Flotten und ein gezieltes betriebliches Mobilitätsmanagement bieten hier große CO₂-Einsparpotenziale.

Der Verkehrssektor verursacht rund ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen, mit steigender Tendenz. Laut dem Zweijahresgutachten 2024 des Expertenrats für Klimafragen entfallen 98% auf den Straßenverkehr, vor allem auf Pkw. In vielen Arbeitsbereichen der Sozialwirtschaft sind Pkw unverzichtbar, sodass der Umstieg auf E-Mobilität besonders relevant wird. Auch die täglichen Arbeitswege der Mitarbeitenden sind ein wichtiger Hebel für mehr Klimaschutz – hier setzt das betriebliche Mobilitätsmanagement an.

Elektromobilität in der Sozialwirtschaft

Zu Beginn des Jahres 2025 riefen Agora Verkehrswende und der NABU gemeinsam mit Diakonie, Caritas, AWO, DRK und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Einrichtungen zur Teilnahme an einer bundesweiten Umfrage auf. Insgesamt beteiligten sich 186 Organisationen mit über 18.400 Mitarbeitenden. Der gemeinsame Fuhrpark dieser Einrichtungen umfasst 6.981 Pkw und 989 leichte Nutzfahrzeuge. 

Das Ergebnis:

    • 6.981 Pkw, davon 1.412 vollelektrisch (Elektrifizierungsquote von 14,2 %).

    • Die Wohlfahrtsverbände liegen über dem Durchschnitt gewerblicher Fahrzeughalter.

    • 56 % der Einrichtungen zeigen ein starkes Interesse an E-Mobilität.

Grundsätzlich passen E-Fahrzeuge gut zum Pflegealltag, wo viele der Fahrzeuge zum Einsatz kommen: kurze Strecken, planbare Routen, Laden über Nacht. Hindernisse bestehen aber bei der Ladeinfrastruktur, gerade in Mietobjekten und hohen Anschaffungskosten.

Obwohl sich der Großteil der Befragten gut informiert fühlt, misst etwa ein Viertel von ihnen Informationsangeboten eine sehr hohe oder hohe Wirksamkeit bei. 18% der Einrichtungen finden das Informationsangebote wichtig sind, um die Motivation und Beteiligung der Mitarbeitenden zu stärken. Dadurch können Berührungs- und Nutzungsängste gegenüber elektrischen Dienst-Pkw abgebaut und eine Sensibilisierung für nachhaltiges Mobilitätsverhalten gefördert werden – ein zentrales Aufgabenfeld des betrieblichen Mobilitätsmanagements.

Was leistet betriebliches Mobilitätsmanagement?

2024 pendelten 65 % der Berufstätigen mit dem Auto – obwohl die meisten weniger als 30 Minuten Arbeitsweg haben. Mobilitätsmanagement setzt hier an: Es soll Verhaltensroutinen verändern, Alternativen aufzeigen und nachhaltige Mobilität fördern, besonders in Veränderungssituationen wie Jobwechsel oder Umzug.

Grundlagen für ein erfolgreiches Mobilitätsmanagement sind:

    • Eine Analyse des Status quo.

    • Die Festlegung klarer Ziele.

    • Die Entwicklung und Umsetzung passender Maßnahmen.

Standortfaktoren (Stadt/Land), verfügbare Verkehrsmittel und Infrastruktur prägen die Möglichkeiten der einzelnen Unternehmen und Einrichtungen. Eine einheitliche Lösung für die gesamte Sozialwirtschaft gibt es nicht.

Da jede Einrichtung seine eigenen Prozesse und Vorgänge hat, sollte das betriebliche Mobilitätsmanagement individuell zugeschnitten werden. Ein Schema, nachdem Einrichtungen vorgehen können, ist der PDCA-Zyklus: Planen (Plan), Umsetzen (Do), Überprüfen (Check) und Handeln (Act). Austausch und Best-Practice-Beispiele können den Prozess erleichtern, dazu wird das KiSs-Projekt in den nächsten Monaten Angebote erarbeiten. 

Erfolgreiches Mobilitätsmanagement bietet zahlreiche Vorteile. Es

    • reduziert CO₂-Emissionen,

    • verbessert Luftqualität und Gesundheit der Mitarbeitenden,

    • stärkt das Unternehmensimage,

    • unterstützt die Personalgewinnung durch attraktive, nachhaltige Angebote.

Die Drei Vs des betrieblichen Mobilitätsmanagements

Vermeiden

Die besten Treibhausgasemissionen sind jene, die gar nicht erst entstehen. Allerdings findet ein Großteil der Arbeit in der Sozialwirtschaft direkt am Menschen statt, weshalb tägliche Arbeits- und Dienstwege unvermeidbar sind. Eine Möglichkeit Treibhausgasemissionen einzusparen ist z.B. eine durchdachte Tourenplanung der Mitarbeitenden in Pflegediensten. Dadurch werden überflüssige Kilometer eingespart.

Verlagern

Eine Verlagerung findet dann statt, wenn ressourcenschonendere Transportmittel zur Verfügung gestellt werden. Bei Kurzstrecken würden sich dafür z.B. Lastenräder anbieten. Für Langstrecken sollte statt des Autos der ÖPNV genutzt werden. In der Sozialwirtschaft wären Anreize im Berufs- und Pendelverkehr sowie bei Dienstwegen und -reisen denkbar. Darunter fallen Jobtickets für ÖPNV, Fahrrad-Leasing, Kooperationen mit lokalen Carsharing-Anbietern, Corporate Carsharing und Fahrgemeinschaften.

Verbessern

Wenn weder Vermeiden noch Verlagern eine Option für das Unternehmen darstellt, sollte darüber nachgedacht werden die Transportmittel in Hinblick auf ihre Umweltauswirkungen zu verbessern. Darunter fällt konventionelle betriebene Pkw zu elektrifizieren. Vor allem die kurzen Strecken im Alltag von Fachkräften in der häuslichen Pflege bieten Potenziale die Flotte nach und nach auf batterieelektrische Fahrzeuge umzustellen.

Kontakt

Gloria Sindermann

0176 899 027 70
gloria.sindermann [at] klimaschutz-niedersachsen.de

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